Der Abschied vom Kanton Uri war ein Drama

Elf Jahre lang hat Frauke Grobleben im Kanton Uri gelebt. Richtig loslassen kann sie bis heute nicht.

Christian Tschümperlin
Drucken
Teilen
Frauke Grobleben mit ihrem Uristier in Holland.

Frauke Grobleben mit ihrem Uristier in Holland.

Bild: PD

Sie kam wegen der Liebe und ging wegen der Liebe. Zurück blieb ein Herz voller Sehnsucht nach dem Kanton Uri und ein Uristier-Kleber an ihrem Auto. Frauke Grobleben hat eine bewegte Geschichte zu erzählen, die in Deutschland beginnt, im Kanton Uri einen vorläufigen Höhepunkt findet und heute in Holland weitergeschrieben wird. Aber der Reihe nach.

Aufgewachsen ist Grobleben in Dortmund, wo sie die Ausbildung zur Krankenschwester absolvierte. «In der damaligen Zeit hatten sie echt Krankenschwestern nötig in der Schweiz», berichtet Grobleben. «Freunde von mir entschieden sich daraufhin, in der Schweiz zu arbeiten, weil der Lohn höher und das Arbeiten schöner ist.» Grobleben wollte es auch mal ausprobieren. Das war 1996. «Ich ging nach Schwyz, um im Spital zu arbeiten. Es war ein kleiner Traum», so Grobleben. Das Freizeitangebot sei gross gewesen, die Arbeit angesehener. «Das Berufsbild der Krankenschwester steht in der Schweiz viel höher, man hat mehr Kompetenzen», schwärmt sie. Hier hatte sie die Natur vor der Türe: Im Winter konnte sie auf die Piste und im Sommer wandern und an den See.

Sie verliebt sich in die Urner Berge und Täler

Nach eineinhalb Jahren kehrte sie nach Dortmund zurück. Der enge Kontakt zu Freunden in der Schweiz blieb. Bei regelmässigen Besuchen kam die Sehnsucht ins Spiel. Diese zog Grobleben nach einem langen Jahr in Dortmund wieder zurück in die Schweiz. Diesmal nach Uri. Hier fand sie eine neue Heimat und verliebte sich in die Urner Berge und Täler. Aber auch nette Kollegen und gute Freunde fand sie. Und noch ein Plus betont Grobleben: «In Dortmund fand ich den Karneval schrecklich. In Uri merkte ich, dass Fasnacht schön sein kann. Der Trauermarsch am Dienstagabend ist echt toll.»

Dann, es war im Jahr 2007, geschah es, in den Ferien in Portugal. Grobleben verliebte sich in eine andere Frau, eine Holländerin. «Sie ist eine echte Holländerin, sehr extrovertiert und freidenkend.» Als Flachländerin habe diese sich zwischen den vielen Bergen nicht sehr wohl gefühlt. «Wir mussten uns ziemlich schnell entscheiden, wo wir uns niederlassen.» Die Wahl fiel auf Enschede in Holland.

2007 hiess es Abschied nehmen vom Kanton Uri mit vielen Tränen. Heulend sei sie mit dem Auto durch den Seelisberg-Tunnel gefahren. «Das war echt ein Drama», erinnert sie sich. «Ich hatte eine sehr intensive Zeit in Uri, auch auf der Arbeit.» So hat sie die Ausbildung zur Intensiv-Pflegeschwester im Kantonsspital Uri absolviert.

Grobleben fühlte sich noch immer sehr verbunden mit Uri. Darum musste ein Uristier-Kleber an ihrem Auto her. Stolz fährt sie diesen in Holland aus. Reaktionen gäbe es zwar keine. «Die Holländer sind zwar neugierig, aber hier kann jeder sein Ding durchziehen ohne viele Fragen», vermutet sie.

Böser Stier – offene Urner

Und wie gefällt ihr das Sujet? «Es ist natürlich ein böser Stier, er hat keinen sehr freundlichen Ausdruck», sagt Grobleben und lacht. Die Urner habe sie aber immer als sehr offen erlebt. «Ich habe da eine wunderbare Zeit verbracht und besuche den Kanton noch immer zwei, drei Mal im Jahr», sagt sie. Dann sei sie mit ihren Schweizer Freunden oft in den Urner Bergen unterwegs. «Am liebsten gehe ich Schneeschuhlaufen bei Vollmond.» Heute lebt die 54-Jährige noch immer glücklich verheiratet in Enschede und arbeitet dort als Dialyseschwester.