Architekturforum Uri: Der Berg hat viele Facetten

Im Silogebäude Eyschachen ist seit Freitag eine Ausstellung zum Thema Gotthard zu sehen.

Paul Gwerder
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Die Besucher waren fasziniert von der Ausstellung. (Bild: Paul Gwerder, Altdorf, 15. November 2019)

Die Besucher waren fasziniert von der Ausstellung. (Bild: Paul Gwerder, Altdorf, 15. November 2019)

Am Freitagabend fand im denkmalgeschützten ehemaligen Getreidesilo in Altdorf die Vernissage zu «Der Gotthard, il Gottardo – Landschaft, Mythen, Technologie» statt. Wo früher Getreide für den Kriegsfall gelagert wurde, präsentiert das Architekturforum Uri eine Ausstellung, die sich aus einer gleichnamigen Forschungsarbeit entwickelt hat. Geleitet wurde diese von Marianne Burkhalter, Christian Sumi und Luigi Lorenzetti. Entstanden ist sie aus einer Kooperation zwischen der Accademia di Architettura Mendrisio der Universita della Svizzera italiana und der ETH Zürich.

Begrüsst wurden die rund 30 Vernissagegäste von Michaela Gisler, Präsidentin des Architekturforums Uri. «Wir konnten die Ausstellung, die vom Architekturforum Konstanz/Kreuzlingen erstellt worden ist, ausleihen, um sie im Urnerland zu zeigen», sagte Gisler.

Architekt Christian Sumi erklärt den Gästen die ausgestellten Bilder. (Bild: Paul Gwerder, Altdorf, 15. November 2019)

Architekt Christian Sumi erklärt den Gästen die ausgestellten Bilder. (Bild: Paul Gwerder, Altdorf, 15. November 2019)

Das «Kunstsilo» als perfekter Ort

Die riesige Halle auf dem Werkmattareal eignet sich vorzüglich für diese Ausstellung, obwohl es dort am Freitagabend eisig kalt war. Der Grund für den «perfekten Ort»: Die Ausstellung braucht Platz. Die Bilder sind auf meterbreite und ebenso hohe Blachen gedruckt worden, die nun von den Wänden hängen und von den Besucherinnen und Besucher betrachtet werden können. Insbesondere das grossflächige Landschaftsrelief gibt den Menschen den Eindruck, sie seien von Gebirge umgeben. Der Gotthard ist nicht nur einfach ein Bergmassiv, vor allem ist er in der Vergangenheit für die Schweiz eine Projektionsfläche für deren gesellschaftliche Entwicklung geworden. Das Gebirgsmassiv wurde zum Repräsentanten der Lebenswelten des Schweizer Volks und stand so gesehen im Verlauf der Geschichte als Patron für das Selbstbildnis dieser Nation ein.

Nicht nur Mythen und Landschaften

Zwischen dem Bau der Teufelsbrücke, des Tunnels Urner Loch und des Gotthard-Basistunnels liegt eine bewegte Geschichte. Brücken und Strassen stehen für die erfolgreiche technologische Erschliessung der Natur durch den Menschen. «Hier am Felsen sehen sie nicht nur Mythen und Landschaften, sondern auch die technische Entwicklung des Landes», erklärte Christian Sumi auf dem Rundgang durch die Ausstellung. Sie informiert wissenschaftlich exakt über die Bauten und Verkehrswege am Gotthard. Sogar Briefmarkenserien gibt es dort zu sehen, welche die Infrastrukturbauten wie Brücken, Kraftwerke und Bergbahnen darstellen. Das Jahrhundertbauwerk Neat hat alle bisherigen Projekte gesprengt und die Wahrnehmung der Landschaft radikal verändert. Auch der Alpenverkehr ist ein Thema der Ausstellung. Gefordert werden weniger Lastwagen und Strassen, dafür mehr Züge.

Andermatter Gebäude sind «architektonisch einmalig»

An einem von Architekt Gerold Kunz moderierten Gespräch nahmen am Freitagabend die Architekten Marianne Burkhalter, Christian Sumi und Lukas Baumann, Landschaftsarchitekt Paolo Bürgi, Projektentwickler Ihab Morgan, Historiker Kilian Elsasser und der Altdorfer Gemeindepräsident Urs Kälin teil. Einleitend wurde diskutiert, wo denn der Gotthard überhaupt beginne respektive aufhöre. Man einigte sich auf die Neat-Portale Erstfeld und Biasca, wo die eigentliche alte Gotthard-Bergstrecke der SBB beginnt.

«Für mich hat sich das Bild des Gotthards verändert, seit ich in Basel lebe, denn ich empfinde ihn heute als weit weniger romantisch als früher», sagte der gebürtige Andermatter Architekt Lukas Baumann. Das Swiss Alps Resort mit dem Hotel The Chedi Andermatt und dem «Radisson Blue» sei nur ein Beispiel der Entwicklung am Gotthard. «Auch wenn es anfänglich einige Turbulenzen beim Sawiris-Projekt gab, ist es schliesslich gut gekommen, weil alle Beteiligten am gleichen Strick und in die gleiche Richtung gezogen haben», erklärte Projektentwickler Ihab Morgan. Und die Schweizer Architekten waren sich einig, dass die diversen neuen Gebäude in Andermatt «architektonisch einmalig» seien und sie vom Projekt viel hätten profitieren können.

Urs Kälin: «das ist ein richtiger Glücksfall»

Die Geschichte des Gotthards ist auch ein wichtiges Thema für Altdorf. Dazu sagte Gemeindepräsident Urs Kälin: «Wir sind froh, haben wir einen Investor für den neuen Kantonsbahnhof gefunden und dazu mit der Urner Kantonalbank erst noch ein Urner Unternehmen: Das ist ein richtiger Glücksfall. Nach der Eröffnung des Kantonsbahnhofs werden dort hochwertige Züge halten, und davon können wir im Kanton Uri enorm profitieren.»

Die Ausstellung ist am 23. und 24. November sowie am 30. November und 1. Dezember, jeweils von 13 bis 17 Uhr, geöffnet.