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Diese Urner Böden sind mit Blei und Zink belastet

Das gibt unter den Landwirten in der Reussebene zu reden: Die Bauern dürfen das Land rund um die zurückgebauten Hochspannungsmasten drei Jahre lang nur eingeschränkt nutzen.
Elias Bricker
Eine neue Hochspannungsleitung prägt nun die Reussebene bei Altdorf. Die alten Masten wurden entfernt. (Bild: Urs Hanhart (Altdorf, 30. Mai 2018))

Eine neue Hochspannungsleitung prägt nun die Reussebene bei Altdorf. Die alten Masten wurden entfernt. (Bild: Urs Hanhart (Altdorf, 30. Mai 2018))

Der Bau einer neuen Hochspannungsleitung wird gerne als Generationenprojekt betitelt – zu Recht. Denn die hohen Masten prägen in der Regel danach während Jahrzehnten die Landschaft und stehen teilweise siebzig Jahre oder sogar noch länger im Einsatz. Damit die Stahlriesen überhaupt so alt werden können, werden sie mit Korrosionsschutz behandelt. Dieser ist jedoch stets der Witterung ausgesetzt. Deshalb gelangen im Lauf der Jahrzehnte Schwermetalle wie Zink und Blei in die Böden. Rund um Masten werden daher nicht selten stark erhöhte Schwermetallgehalte im Boden registriert. Die Problematik ist schon längst bekannt und nicht nur im Kanton Uri ein Thema.

Doch hier erhielt die Thematik nun neue Brisanz: Im Urner Talboden werden aktuell 31 alte Masten und deren Fundamente zurückgebaut. Denn in den vergangenen Monaten haben die Netzgesellschaft Swissgrid und die SBB ihre Leitungen entlang der Autobahn A2 bei Altdorf auf einer Länge von rund 4,7 Kilometern zusammengelegt. Dadurch gibt es Platz, damit sich der Talboden westlich des Kantonsbahnhofs entwickeln kann. In diesem Zusammenhang wird nun auch der verseuchte Boden bei den alten Masten beim Landwirtschaftsland saniert. Konkret heisst dies: Der belastete Humus an diesen Standorten wird abgetragen und unverschmutzte Erde neu eingebaut.

«Diese Sanierungen sind völlig übertrieben»

Für die Bauern bedeuten die Bodensanierungen, dass sie das Land rund um die alten Hochspannungsleitungsmasten zirka drei Jahre lang nicht voll nutzen können. Denn der neue Boden wird nun erst einmal frisch angesät und benötigt danach Zeit, um seine Struktur und Festigkeit zu erhalten. Vorläufig können die Landwirte darauf kein Vieh weiden lassen und auch nicht mit schweren Maschinen über die neue sich bildende Grasfläche fahren. Für die Nutzungseinbusse werden sie jedoch von der Netzgesellschaft Swissgrid finanziell entschädigt.

Dennoch sorgen die aktuell nicht nutzbaren Flächen mitten im Land bei den Bauern der Reussebene für viel Gesprächsstoff. «Diese Bodensanierungen sind völlig übertrieben», sagt beispielsweise ein entschädigter Landwirt, der anonym bleiben möchte, gegenüber unserer Zeitung. «Jahrzehnte lang waren die Belastungen ja kein Thema, und das Vieh kam deswegen auch nicht zu Schaden.» Die Böden in der Talebene seien ohnehin verschmutzt – so etwa durch Giftstoffe, die beim Hochwasser 2005 in die Umwelt gelangt seien, oder durch den Klärschlamm, den man in den Neunzigerjahren auf dem Landwirtschaftsland ausgetragen habe. Zudem gebe es entlang der Strassen Spuren von Schadstoffen und Blei aus der Zeit, als die Autos noch mit bleihaltigem Benzin gefahren sind.

Kanton will das Beste aus dem Projekt herausholen

Alexander Imhof, Vorsteher vom kantonalen Amt für Umweltschutz, stellt die Aussagen des betroffenen Landwirts nicht in Abrede. «Mir ist kein Fall bekannt, bei dem Vieh nur wegen dieser Bodenbelastungen Schaden erlitten hätte. Ein direkter Zusammenhang zwischen gesundheitlichen Problemen beim Vieh und der Bodenbelastung lässt sich allerdings nur schwer nachweisen», sagt er. «Das Futter von diesen Standorten ist nicht derart giftig. Doch die Böden weisen rund um die alten Masten stark erhöhte Schadstoffgehalte auf.»

Der Kanton Uri habe jedoch erreichen können, dass Swissgrid und SBB mit dem Rückbau der Masten gleich auch noch die Bodensanierung finanzieren müssen. «Die Chance dieses Projekts müssen wir packen», sagt Imhof. «Wir wollen nach Projektabschluss bei den Standorten der alten Masten keine Rückstände mehr haben. Stattdessen sollen die Bauern wieder bestes Landwirtschaftsland erhalten.» Man wolle in Zukunft keine bösen Überraschungen erleben müssen. Denn sollte der Boden dereinst anders genutzt werden, müsse man unter Umständen damit rechnen, dass es dann für verseuchte Böden Einschränkungen geben könnte. «Lässt man die Schadstoffe im Boden, so müssen diese Flächen in einem Kataster für Bodenbelastungen registriert werden, und es sind unter Umständen weitere Abklärungen notwendig.»

Zu den nun entbrannten Diskussionen bei den betroffenen Landbewirtschaftern sagt Imhof selbstkritisch: «Vielleicht haben wir vom Amt für Umweltschutz und die Swissgrid zu wenig klar informiert, was eigentlich das Ziel der Bodensanierungen sei.»

Die Netzgesellschaft Swissgrid gibt sich hingegen bedeckt und beantwortete die Fragen unserer Zeitung nur mit einem allgemein abgefassten schriftlichen Statement.

Stark verschmutzter Humus landet in Deponie

Doch was passiert eigentlich mit dem belasteten Humus, der nun entfernt wird? Gemäss Alexander Imhof vom Urner Amt für Umweltschutz werde der stark verseuchte Boden in einer speziellen Deponie entsorgt. Die weniger belastete Erde wird hingegen an Orten wieder eingesetzt, wo die Böden ohnehin Verunreinigungen aufweisen – etwa entlang von Autobahnen.

Zudem sollen die Urner Landwirte – entgegen den Befürchtungen einiger Bewirtschafter – wieder qualitativ gleichwertigen Humus erhalten. Dies haben die Projektverantwortlichen von Swissgrid und SBB so mit den betroffenen Landwirten vereinbart und war auch Bestandteil des vom Bund bewilligten Projekts. «Wenn möglich, stammt der unbelastete Humus direkt von Baustellen im Urner Talboden», sagt Imhof.

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