Den Frauenstreik braucht es auch in Uri

Zum nationalen Frauenstreik am 14. Juni 2019

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In der Westschweiz, in der italienischen Schweiz und in der Deutschschweiz. Ja sogar im konservativen Uri. Überall kommen in diesen Tagen Frauen zusammen ... Allen ist klar: Es braucht wieder einen Frauenstreik. Denn mit dem gegenwärtigen Schneckentempo in der Schweiz kann es in der Gleichstellung nicht weitergehen. 1991, nach dem ersten Frauenstreik mit Christiane Brunner und den Frauen des SMUV (Schweizerischer Metall- und Uhrenarbeiterverband) – heute Unia – ging zwar ein Ruck durch die Politik. Dank dem Frauenstreik holte der Bundesrat den Entwurf des Gleichstellungsgesetzes hervor, der schon lange in der Schublade gelegen hatte. 1996 trat das Gesetz in Kraft. Sechs Jahre später kam die Fristenregelung. 2005 die Mutterschaftsversicherung. Doch die Diskriminierung der Frauen hält an.

Mini-Jobs und Mini-Renten. Nach wie vor verdienen Frauen rund 20 Prozent weniger als Männer, wobei mehr als die Hälfte des Lohngrabens nicht mit fehlender Ausbildung, Erfahrung oder Verantwortung erklärbar ist. Und immer noch sind drei Viertel aller Stellen im Tieflohnsektor mit Frauen besetzt. Bekommt eine Frau ein Kind, wird es im Job oft noch schwieriger. Obwohl Kündigungen wegen Mutterschaft missbräuchlich sind, sehen viele Frauen ihren vorherigen Job nicht wieder, wenn sie aus dem Mutterschaftsurlaub zurückkommen.

Bei der UBS wurden Frauen nach der Mutterschaftspause offenbar zurückgestuft. Der Mutterschaftsurlaub diene der Schweizer Grossbank als Anlass, langfristige Bonuskürzungen zu verfügen. Mehrere «top women bankers» hätten sich darüber beklagt. Einer UBS-Angestellten sei der Bonus viermal tiefer eingestuft worden – nachdem sie viermal ein Kind bekommen hatte. In vielen Fällen seien die Boni um einen Drittel oder mehr gekürzt worden. Und ich denke, dass die UBS nicht das einzige Unternehmen ist, das handelt. Also ist der Frauenstreik einmal mehr bitternötig.

Frauen geraten viel öfter in die Teilzeitfalle: Fast 25 Prozent arbeiten in Mini-Pensum. Um über die Runden zu kommen, haben manche zwei Jobs. Daneben die unbezahlte Hausarbeit, die noch immer überwiegend an den Frauen hängen bleibt. Das rächt sich bis ins Alter: Nicht selten heisst Frau sein dann auch arm sein. Über ein Drittel aller Frauen hat nur die AHV. Ohne Ergänzungsleistungen ginge es nicht.

Geht es um Geld, macht das Geschlecht oft den Unterschied. Aber nicht nur dort. Auch bei sexueller Belästigung, Alltagssexismus und Gewalt. Angriffe auf Frauen – im Ausgang und auf offener Strasse – haben sich in der Schweiz in den letzten 20 Jahren verdreifacht, das hat die «Sonntagszeitung» ausgerechnet. Und auch zu Hause sind viele Frauen nicht sicher: Das muss sich dringend ändern, finden immer mehr Frauen: Es reicht! Sie beginnen, von ihren Erfahrungen zu erzählen und den Statistiken ein Gesicht zu geben.

Am 14. Juni wollen wir ein Zeichen setzen, auch in Uri, dazumal am Frauenstreik. Am 14. Juni 1991 war ich im OK, heute ist meine Enkelin dabei, darauf bin ich stolz. Ich wünsche uns Frauen, dass wir mit dem erneuten Streik der Gleichberechtigung näher kommen und viele Frauen am 14. Juni mitmachen werden.

Maya Lorenzoni, Göschenen