Leserbrief

«Der geplante Kreisel ist nicht nur komplex, er erhöht auch die Gefahr von Unfällen»

«Schattdorfer wollen Kreisel bodigen», Ausgabe vom 6. Juni

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Der neue Knoten bei der Schächenbrücke gibt in Schattdorf zu reden.

Der neue Knoten bei der Schächenbrücke gibt in Schattdorf zu reden.

Visualisierung: PD

Wohl niemand aus Schattdorf ist gegen einen Kreisel bei der Schächenbrücke. «Kreisel erhöhen die Sicherheit auf der Strasse und machen den Verkehr flüssiger, vermindern Lärm und Abgase», sagt das Bundesamt für Statistik. Um diese Ziele zu erreichen müsste jedoch auch die Gotthardstrasse gegen Süden direkt erschlossen werden. Dies ist der Wunsch der 1750 Petitionären. Der geplante Kreisel mit drei Anschlüssen ist nicht nur komplex, er erhöht auch die Gefahr von Unfällen.

Zuerst müsste man von der Gotthardstrasse direkt vor der Crivelli-Kapelle abbiegen, darauf einen vortrittsberechtigten Fuss- und Veloweg kreuzen, um erst einmal in die Dorfstrasse zu gelangen – und dann endlich in den Kreisel. Ein Rückstau auf die Gotthardstrasse ist damit programmiert. Die Absicht dieser unmöglichen Kreiselführung ist klar: Der Kanton möchte mit dieser Schikane die Fahrzeuglenker dazu bewegen, den Umweg über die Adlergartenstrasse / Dorfstrasse zu wählen, um damit die Hauptstrasse vom Durchgangsverkehr zu entlasten.

Mit diesem Trend würde Schattdorf momentan wohl einmalig dastehen. Schweizweit möchten alle Gemeinden den Durchgangsverkehr aus dem Dorfzentrum raushalten und möglichst nur notwendige Autofahrten im Dorfkern. Vor nicht mal sieben Jahren (22. September 2013) hat das Stimmvolk von Schattdorf an der Urne über einen Kredit von 1,25 Millionen Franken abgestimmt, für die Neugestaltung des Dorfkerns. Der Gemeinderat beabsichtigte die Schaffung einer Begegnungszone bei der Sternenkurve zu realisieren. Der Begriff «Begegnungszone» ist die offizielle Bezeichnung der verkehrstechnischen Massnahmen. Mit der Begegnungszone wird den Fussgängerinnen und Fussgängern die Verkehrsfläche zum Einkaufen und Flanieren oder als Begegnungsstätte zur Verfügung gestellt. Fussgängerinnen und Fussgänger geniessen gegenüber Fahrzeugen den Vortritt (Auszug aus der Botschaft vom Gemeinderat Schattdorf zur Urnenabstimmung). Ebenfalls steht in dieser Botschaft: «Der Gemeinderat verspricht alles zu tun, was in seinem Kompetenzbereich liegt, um sich für einen lebendigen Dorfkern einzusetzen.»

Und heute – keine sieben Jahre später – steht der Gemeinderat Schattdorf, gemäss Aussage vom Gemeindepräsidenten Bruno Gamma, hinter einem Projekt, das alles versucht, um den Hauptverkehr von der Gotthardstrasse weg durch ebendiesen Dorfkern umzuleiten. Wie kommt es zu diesem krassen Gesinnungswandel innerhalb einer so kurzen Zeitspanne? Was hat sich an der Situation in Schattdorf derart verändert? Nichts, rein gar nichts – ausser der Demission des gesamten Gemeinderats von damals! Stellt man die beiden Projekte, September 2013 «Neugestaltung des Schattdorfer Dorfkerns» und 2014 «Kreisel Schächenbrücke» nebeneinander, wird klar, dass der Kanton bereits zur Zeit dieser Urnenabstimmung beabsichtigte, den Durchgangsverkehr von der Gotthardstrasse weg über das Dorfzentrum umzuleiten. Dass die Baudirektion diese Information zurückhielt, mag aus Sicht des Kantons verständlich sein, um einer allfälligen Annahme der Begegnungszone vorzubeugen. Eine transparente Information sieht jedoch anders aus.

Der Widerstand aus Schattdorf kommt spät, zu spät? Über die mangelhafte Informationspolitik des damaligen Gemeinderates darf man bloss den Kopf schütteln. Hätte der Gemeinderat das Volk über diese unvernünftige Lösung so orientiert, wie es jetzt die IG «WOV für alle» getan hat, wäre es nie zu einem Ja aus Schattdorf gekommen. Wir hätten vor Abschluss des Planungsprozesses reagieren können. Noch ist der Kreisel nicht gebaut, der Schaden erst auf dem Papier angerichtet. Ich bitte die Initianten der Petition, hart zu bleiben. Die nächsten Generationen werden euch dafür noch dankbar sein. Da lohnt es sich auch, eine angedrohte Verzögerung der neuen West-Ost-Verbindung in Kauf zu nehmen.

Hans Truttmann, Schattdorf