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Gemeindepräsident Bruno Gamma: «Der grosse Wechsel ist auch eine Chance»

Im Gemeinderat sind fünf Mitglieder neu dabei. Präsident Bruno Gamma hofft, dass die Turbulenzen vorbei sind. Um das Dorf zu beleben, setzt er auf die Initiative von Privatpersonen. «Der Gemeinderat kann nur die Rahmenbedingungen optimieren», so Gamma.
Markus Zwyssig
Bruno Gamma beim Eingang des Gemeindehauses: Hier geht der neue Gemeindepräsident seit dem 1. Januar 2019 öfters ein und aus. (Bild: Markus Zwyssig, Schattdorf, 9. Januar 2019)

Bruno Gamma beim Eingang des Gemeindehauses: Hier geht der neue Gemeindepräsident seit dem 1. Januar 2019 öfters ein und aus. (Bild: Markus Zwyssig, Schattdorf, 9. Januar 2019)

Über die Weihnachts- und Neujahrstage hat Bruno Gamma weniger Ferien gemacht als auch schon. «Ich habe die Zeit für das Aktenstudium genutzt», sagt der 51-jährige Schattdorfer. Er war zwar 10 Jahre lang in der Baukommission tätig, wovon 6 Jahre als Präsident. Im Gemeinderat geht es für ihn aber im wahrsten Sinne des Wortes von 0 auf 100. Er ist seit dem 1. Januar neu dabei und hat gleich das Präsidium übernommen.

«Es braucht eine gewisse Einarbeitungszeit», gibt er zu bedenken. Gamma hat sich das ehrgeizige Ziel gesteckt, in zwei bis drei Monaten die Dossiers zu kennen. Eine Herausforderung sich gründlich einzuarbeiten, sei es auch für die vier Ratskollegen, die ebenfalls neu dabei seien (Philipp Muheim, Daniela Planzer, Heinz Keller und Beat Planzer). «Als Gemeindepräsident kommt aber erschwerend dazu, dass ich mich in allen Bereichen auskennen muss.» Der 51-jährige Schattdorfer betont jedoch, dass die Unterstützung durch die Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung sehr gut sei.

Kein Neuanfang, aber eine Zäsur

Der Schattdorfer Gemeinderat hat personell turbulente Zeiten hinter sich. Gleich fünf Mitglieder hatten auf Ende 2018 ihren Rücktritt erklärt. «Von Neuanfang zu sprechen, ist vielleicht ein bisschen übertrieben», meint Gamma. «Aber wenn fünf von sieben Mitgliedern ein Gremium verlassen, kann man das sicher als Zäsur bezeichnen.» Sicher ist für Gamma, dass der grosse Wechsel Veränderungen mit sich bringt. «Die neuen Mitglieder bringen neue Ansichten und Ideen mit, zudem setzen sie neue Schwerpunkte.» Der Gemeinderat sei eine Kollegialbehörde. Gamma will denn auch nicht seine eigenen Ideen voranstellen, sondern vielmehr die Interessen des Gremiums nach Aussen vertreten und Ansprechperson für die Anliegen der Bevölkerung sein.

«Die neuen Mitglieder bringen neue Ansichten und Ideen mit, zudem setzen sie neue Schwerpunkte.»

Die Rochade habe sich nun mal so ergeben, blickt er zurück. «Wir müssen das nicht nur als schwierige Situation, sondern eher als Chance betrachten. Grundsätzlich wollen wir die Vorarbeiten des bisherigen Gemeinderats weiter führen», sagt Gamma. Er ist überzeugt, dass in den vergangenen Jahren gute Grundlagen geschaffen worden sind. Als Beispiele erwähnt er das Immobilienkonzept, die Überlegungen zum Entwicklungsschwerpunkt Schattdorf in der Industriezone mit entsprechender Strassenführung und Infrastrukturen sowie die flankierenden Massnahmen zur West-Ost-Verbindung (WOV).

Zur Person: Die Jugendjahre hat er auswärts verbracht

Bruno Gamma (1967, FDP) ist in Schattdorf aufgewachsen, wo er auch die Primarschule besucht hat. Seine Jugendzeit verbrachte er in einer Aussengemeinde von Bern und in Küssnacht am Rigi. Mit 22 Jahren kehrte er in den Kanton Uri zurück. Beruflich machte Gamma zuerst eine Lehre als Hochbauzeichner. Danach absolvierte er das Abendtechnikum in Luzern und bildete sich in einem Nachdiplomstudium in Projektmanagement weiter. Er ist seit 1990 in Schattdorf tätig. Gamma ist Vater von drei erwachsenen Söhnen. Er lebt in einer Beziehung mit einer Partnerin aus Wien. Sie wird per März in den Kanton Uri kommen. (MZ)

Turbulent waren die Zeiten auch in der Gemeindeverwaltung. «Das hatte mit krankheitsbedingten Ausfällen und personellen Wechseln zu tun», sagt Gamma. «Auch in diesem Bereich soll eine Beruhigung eintreten», gibt sich Gamma zuversichtlich. «Jetzt gibt es wieder klare Ansprechpersonen.» Der Gemeinderat soll sich um die strategische Ausrichtung kümmern können. Die gesamte Organisation und auch die Administration hingegen, sollen bei der Verwaltung liegen.

Sport und Schule: Infrastrukturen als Herausforderung für Gemeinde

Eine Auslegeordnung brauche es bei den öffentlichen Infrastrukturanlagen der Gemeinde, gibt sich Gamma überzeugt. «Im Sport- und Freizeitbereich stellt sich die Frage, was die Gemeinde alles zur Verfügung stellen soll und kann. Fussballklub und Ringerriege haben diesbezüglich zu Eigeninitiativen gegriffen.» Auch im schulischen Bereich seien die Möglichkeiten vom finanziellen Rucksack der Gemeinde abhängig. Bei den Schulanlagen Spielmatt stellt sie die Frage nach einer Sanierung oder einem Neubau. «Das wird eine der grösseren Herausforderungen, die auf uns in den nächsten Jahren zu kommt», so der Gemeindepräsident.

«Wir brauchen uns nicht zu verstecken.»

Zum Vorwurf Schattdorf sei ein Schlafdorf, meint Gamma: «Wir brauchen uns nicht zu verstecken, auch wenn es gewisse Hausaufgaben gibt, die wir machen müssen.» Als positive Beispiele erwähnt Gamma die verschiedenen Sportanlagen inklusive Pumptrack, das Gesundheitszentrum, das an der Rüttistrasse entstanden ist mit Alters- und Pflegeheim Rüttigarten, mit den Behindertenbetrieben Uri, mit Spitex Uri sowie die weiterhin wachsende Industriezone an der Umfahrungsstrasse.

Zur Kritik, im Dorfkern sei nichts los, gibt er zu bedenken: «Die Bedürfnisse haben sich verändert.» So viele Restaurants wie früher könnten heute wirtschaftlich gar nicht mehr existieren. «Wir müssen ehrlich sein: Ein Dorffest einmal im Jahr ist zwar schön, aber das könnten wir nicht drei- oder viermal wiederholen.» Früheren Zeiten könne man nachtrauern, man müsse aber den Veränderungen ins Gesicht schauen. Gamma würde es schön finden, einen markanten Dorfkern zu schaffen. Dazu gehöre allenfalls auch ein zusätzliches Restaurant oder eine Begegnungszone. «Als Gemeinderat können wir nur mithelfen, die Rahmenbedingungen zu optimieren. Die Initiative, etwas umzusetzen, muss von Privatpersonen kommen.» Gamma denkt neben Käufern alter und zum Teil leer stehender Immobilien im Dorfkern an Gastrobetreiber, an einen Arzt, an Gewerbetreibende oder an ein Detailhandelsgeschäft.

Gamma hat Verständnis für die Urner Kantonalbank

Die geplanten Umstrukturierungen bei der Urner Kantonalbank und die Tatsache, dass ab Dezember kein Personal mehr vor Ort sein wird, geben in Schattdorf zu reden. «Das ist schade», sagt Bruno Gamma. Er habe Verständnis für die negativen Reaktionen vor allem der älteren Bevölkerung. «Andererseits hat sich das Kundenverhalten geändert. Es ist doch heute nur noch selten der Fall, dass man an den Schalter der Bank geht oder ein persönliches Gespräch mit einem Berater sucht.» Die Bank funktioniere nach wirtschaftlichen Kriterien. «Der Kontakt mit der Bank erfolgt heute vorwiegend via E-Banking. Bezüge und Einzahlungen macht man am Automaten.» Zudem betont er: «Das Gebäude der Urner Kantonalbank bleibt erhalten. Es wird lediglich anders genutzt.»

Veränderungen müsse man auch bei der Post akzeptieren. «Wir versuchen bei der Post politischen Druck auszuüben, damit Schattdorf und die umliegenden Gemeinden nicht zu kurz kommen», so Gamma.

Vermehrte Zusammenarbeit, aber noch keine Fusionen absehbar

Bruno Gamma ist überzeugt, dass es in Zukunft vermehrt die Zusammenarbeit über die Gemeindegrenzen hinaus braucht. Was heute etwa im sozialen Bereich, beim Wasser und Abwasser sowie im EDV-Bereich gut funktioniere, könne weiter ausgebaut werden. «Wenn jeder seine eigenen Brötchen backt und nur seinen Garten beackert, dann wäre dies wirtschaftlich nicht effizient.»

Zusammenarbeit ja, aber von Fusion möchte er noch nicht sprechen. «Ich glaube, da sind wir noch nicht so weit.» Der Umbruch in den Gemeinden sei zu wenig stark, dass man Fusionen durchziehen könne. «Der Stolz der einzelnen Gemeinden ist zu gross und der finanzielle Druck noch zu klein», so Gamma.

Die «Urner Zeitung» stellt in loser Folge die neuen Urner Gemeindepräsidenten vor. Bereits erschienen sind am Samstag, 5. Januar, ein Porträt von Renata Graf, Hospental, und am Mittwoch, 9. Januar ein Porträt von Toni Stadelmann, Seedorf.

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