Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Interview

«Tellenbar»-Betreiber: «Der grösste Konkurrent ist Social Media»

David Bär, Betreiber der «Tellenbar», kehrt dem Gastrogewerbe den Rücken. Im Interview spricht er über Erfolgsrezepte und heikle Gäste.
Florian Arnold
Bald wird er zum letzten Mal in der «Tellenbar» Bier zapfen: David Bär. Bild: Florian Arnold (Altdorf, 23. Juli 2019)

Bald wird er zum letzten Mal in der «Tellenbar» Bier zapfen: David Bär. Bild: Florian Arnold (Altdorf, 23. Juli 2019)

Der 30-jährige David Bär hat fünf Jahre lang die «Tellenbar» in Altdorf geführt, den grössten Nachtklub im unteren Reusstal. Nachdem er den Pachtvertrag 2014 unterschrieben hatte, wurde ihm nun eine Verlängerung angeboten. Doch der Altdorfer «Partykönig» hat sich entschlossen, den Nachfolgevertrag nicht zu unterzeichnen. Im Gespräch mit unserer Zeitung zeigt Bär auf, dass das Handwerk eines Barbetreibers weiter reicht, als selber gerne Feste zu feiern.

Sie wollen ihren Pachtvertrag für die «Tellenbar» nicht verlängern. Haben Sie genug vom Partyleben?

David Bär: Es sind mehrere Gründe. Man wird etwas älter, der Altersunterschied zwischen den Gästen und mir wird grösser. Und ich bin der Meinung, dass eine Bar ein Gesicht braucht. Deshalb war ich praktisch jedes Wochenende hier. Im vergangenen Jahr habe ich an einem einzigen Samstag gefehlt. Immer am Wochenende da zu sein, das habe ich nach fünfeinhalb Jahren langsam gesehen.

Viele halten die Aufgabe eines Barbetreibers nicht so recht für Arbeit. Was sagen Sie solchen Personen?

Wenn an einem Abend 400 Leute in einer Bar sind, geht immer irgend etwas kaputt. Während der Woche gibt es also meistens etwas zu flicken. Ich kaufe ein, plane Events und erstelle Flyer dafür. Für 24 Angestellte, die im Stundenlohn angestellt sind, gibt es im Büro einiges zu tun. Und von Donnerstag bis Samstag bin ich hinter der Bar.

Trotzdem ist es der Traum von vielen, eine Bar zu betreiben. Auch für Sie?

Definitiv. Das Schönste ist es für mich immer noch, am Samstagabend zu arbeiten und mit den Gästen zu reden. Ich bin jeden Samstagabend sehr gerne hier, ich schaue das nicht als Arbeit an. Ich kenne viele Gäste und Vereine und trinke und feste mit ihnen zusammen.

Man wird nicht von heute auf morgen ein «Partykönig». Wie lief das bei Ihnen ab?

Ich habe mit 18 begonnen, Tische abzuräumen. Dann half ich dabei, Events zu planen. Bevor ich aber den Laden übernommen habe, besuchte ich die Wirtefachschule und Cocktail-Kurse. Ich wollte eben den Sprüchen vorbeugen wie: «Nur weil er weiss, wie man an der Bar trinkt, heisst das noch lange nicht, dass er weiss, wie man hinter der Bar steht.» Für mich hat es gepasst, die «Tellenbar» mit 24 Jahren zu übernehmen. Denn ich hatte eine Ausbildung als Primarlehrer abgeschlossen. Nicht vorstellen könnte ich mir aber, erst mit 35 eine Bar zu übernehmen. Denn die Energie, um jedes Wochenende zweimal bis 6 Uhr auf der Matte zu stehen werde ich bestimmt nicht mehr haben.

Die «Tellenbar» gilt als eine der erfolgreichsten Urner Bars. Was ist das Erfolgsrezept?

Man muss dem Urner verschiedene Sachen bieten. Ich könnte nicht jedes Wochenende nur Rock oder nur Hip Hop spielen. So laufen einem die Leute weg. Man muss vor Ort sein, die Gäste kennen, mit ihnen mal eins trinken, wissen, wer die Floorballer oder die Ringer sind und sich informieren. Wichtig sind auch die Räumlichkeiten. Die der «Tellenbar» sind sehr anfängerfreundlich: Es gibt eine Tanzfläche, ein DJ-Pult, Lounges zum Sitzen, eine aufgeteilte Bar, ein Fumoir.

Sie haben öfters Schlagerstars auftreten lassen. Haben Sie damit viel Risiko auf sich genommen?

Man muss verschiedene Dinge anbieten. Dem Urner ist es langweilig, wenn er jedes Wochenende das gleiche Gesicht hinter dem DJ-Pult sieht. Man muss mal die Bühne aufstellen und eine Mallorca-Rampensau herholen, eine Ex-Miss-Germany oder auch mal einen Zauberer oder eine einheimische Band.

In der Gastroszene scheint ein wenig der Wurm zu stecken. Worauf führen Sie das zurück?

Es ist auffällig, wie viele Betreiberwechsel es gibt. Ich stelle zum Beispiel fest, dass die Leute immer später in die Bar kommen. Früher war abends um 11 oder halb 12 viel los, heute geht vor 1 Uhr morgens nichts. Das ist für kleine Bars ein Genickbruch. In der «Tellenbar» haben 300 bis 400 Leute Platz. So kann man das noch aufholen.

Liegt es an der Konkurrenz?

Der grösste Konkurrent ist für mich Social Media. Wir sind früher im Ausgang mit anderen Leuten in Kontakt gekommen und haben so Dinge über andere Menschen erfahren. Dafür braucht man heute den Ausgang nicht mehr, denn man weiss ja schon alles wegen Social Media.

Und die Konkurrenz unter den verschiedenen Gastrobetrieben?

Wir haben ein gutes Verhältnis untereinander. Man spricht sich ab. Mit dem «Costa Rica» im Dorfzentrum schauten wir zum Beispiel, dass wir nicht gleichzeitig eine Hip-Hop-Party machten. Und wenn es im «Zwyerhaus» eine Elektroparty gibt, muss ich nicht auch eine anbieten. So gibt es eine Auswahl. Auf alle zu schauen, ist halt nicht immer möglich. Aber meistens sucht man das Gespräch, wodurch sich auch spezielle Kombinationen ergeben: Für das «Oktoberfest» bieten wir etwa die Afterparty an, dasselbe gilt fürs Freitagsschiff. So profitiert man gegenseitig.

In Bars kommt es auch zu unangenehmen Situationen. Wie war das bei Ihnen?

Wo viel getrunken wird, gehen auch Dinge kaputt. Ich musste einige Hausverbote aussprechen, weshalb ich mir auch schon Drohungen anhören musste. Zum Glück wurde nie eine umgesetzt.

Wie schaffen Sie es, mit schwierigen Gästen umzugehen?

Es kommt etwas darauf an, was sie gemacht haben. Wer viel trinkt und einen «Seich» macht, dem biete ich an, den Schaden selber zu flicken. Danach kann man die Sache mit einem Shot abhaken und muss nicht nachtragend sein. Wer aber nicht darauf eingeht, der erhält ein Hausverbot.

Ist so ein Hausverbot denn etwas Schlimmes?

Am Anfang nehmen es die Leute oft nicht tragisch. Aber mit der Zeit merken sie, dass es in dieser Grösse sonst nichts gibt und die Kollegen trotzdem hier sind.

Können Sie nun das Leben als «Partykönig» einfach beiseite legen?

Ich habe noch keine konkreten Pläne. Ich kann als Lehrer arbeiten und Stellvertretungen übernehmen, wenn mich jemand anstellt. In der Gastroszene sehe ich mich aber nicht mehr. Ich will am Wochenende meinen Hobbys nachgehen. Allenfalls werde ich im Eventbereich anzutreffen sein.

Und was passiert mit der «Tellenbar»?

Der heutige Besitzer, David Garcia, wird die Bar wieder selber führen. Zurzeit sucht er nicht nach einem anderen Pächter. Wer Party machen will, kann das auch nach Februar 2020 in der «Tellenbar» tun.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.