Der Hochwasserschutz im Kanton Uri ist jetzt erlebbar

Im Urnerland ist viel in den Hochwasserschutz investiert worden. Nun zeigt ein neuer Themenweg, was alles umgesetzt wurde.

Urs Hanhart
Drucken
Teilen
Einer der zwölf Standorte des Themenwegs befindet sich bei der Schächenmündung in Attinghausen.

Einer der zwölf Standorte des Themenwegs befindet sich bei der Schächenmündung in Attinghausen.

Bild: Urs Hanhart (28. Mai 2020)

Die Baudirektion Uri veranstaltete gestern im Bereich der Schächenmündung in Attinghausen eine kleine Eröffnungsfeier. An diesem markanten Punkt befindet sich neuerdings eine sofort ins Auge stechende, weil recht grosse Informationstafel mit dem Titel «Wie der wilde Schächen zahmer wird». Dieser ist einer von insgesamt zwölf Tafelstandorten, die sich zwischen Schattdorf und Flüelen erstrecken.

Hochwasserereignisse haben Uri in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder schwer getroffen, insbesondere in den Jahren 1977, 1987 und 2005. Um gegen Wassermassen künftig besser geschützt und vorbereitet zu sein, hat die Baudirektion in den vergangenen 15 Jahren viele bauliche Massnahmen realisiert. Jetzt zeigt der neue Themenweg Hochwasserschutz Uri auf unterhaltsame Art, was alles realisiert wurde. Insgesamt wurden seither auf dem ganzen Kantonsgebiet über 75 Millionen Franken investiert.

Themenweg ersetzt alten Lehrpfad

Bis Ende 2019 hatte ein Lehrpfad entlang der Reuss auf die Hochwasser von 1977 und 1987 sowie die damals getroffenen Schutzmassnahmen hingewiesen. «Was nach 2005 realisiert wurde, war bisher kein Thema. Weil die alten Lehrpfadtafeln nicht mehr aktuell waren, beschloss das Amt für Tiefbau der Baudirektion Uri, etwas Neues zu schaffen», erklärte Thomas Huwyler von der Baudirektion. Gemeinsam mit der Agentur Steiner Sarnen Schweiz AG sei nach einem neuen Ansatz gesucht worden. In Form eines Themenwegs sei man schliesslich fündig geworden. «Der Themenweg sollte mehrere Kriterien erfüllen, optisch frisch und zeitgemäss sein, unterhaltsam und überraschend, leicht verständliche Texte aufweisen und verschiedene Zielgruppen wie Familien, Schulklassen, Wanderer oder Fachinteressierte ansprechen. Ich glaube, dieser Spagat ist uns gelungen», so Huwyler.

Fritz Epp, Projektleiter Infrastruktur bei der Baudirektion, ging kurz auf die verschiedenen Standorte des Themenwegs ein. In der Nähe von Jumbo und Manor wird beispielsweise aufgezeigt, wie das Schattdorfer Industriegebiet vor Hochwasser geschützt wird. Eine weitere Infotafel gibt es im Bereich des Notentlastungskanals an der Stillen Reuss. Nördlich von Attinghausen wird über die Hochwasser-Notenentlasung via Autobahn informiert. Auch der imposante Stiglissammler in Bürglen gehört zum neuen Themenweg. Beim Bahnhof in Flüelen befindet sich ebenfalls eine Tafel. Dort gibt es einen Einstiegstext ins Thema und allgemeine Informationen zum Hochwasserschutz. «Die Gesamtlänge des Themenwegs beläuft sich auf rund sieben Kilometer. Er eignet sich gut für eine Wanderung oder lässt sich mit einer kurzen Velotour verbinden», sagte Epp.

Die Projektverantwortlichen der Steiner Sarnen Schweiz AG entwickelten Ideen, um die Inhalte kriteriengerecht vermitteln zu können. Dazu gehören Fragen, die sich an Kinder richten, Steinskulpturen zum Anfassen oder weiterführende Informationen, die via Smartphone oder Internet (www.ur.ch/hochwasserschutz) abgerufen werden können.

Eine klare Linie hineingebracht

«Der alte Lehrpfad bestand aus 15 Stationen und war nicht mehr aktuell. Beim neuen Themenweg haben wir eine klare Linie hineingebracht», sagte Designer und Szenograf Jean-Louis Vidiere zum Konzept. «Zudem kommen die Standorte jetzt besser zur Geltung. Man kann eine kleine Geschichte erleben. Je mehr man in Seenähe kommt, umso mehr entspannt sich die Gefahrensituation.» Die Steiner Sarnen Schweiz AG lieferte übrigens auch das Konzept für das Leuchtturm-Projekt auf dem Oberalppass.

Die Kosten für den neuen Themenweg belaufen sich auf 100000 Franken. Davon werden 35 Prozent vom Bund übernommen. Für die restlichen 65 Prozent kommt der Kanton Uri auf. Urner Firmen haben den Themenweg vor Ort umgesetzt.