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Theater in Erstfeld zeigt den langen Kampf der Eisenbahnerfrauen

Die «Ürner Spielliit» zeigten im Depot das Theaterstück «Ai d Fraiä selled derfä stimmä», das sie bereits viermal in Olten aufführen durften. Und Historikerin Elisabeth Joris erinnerte an die Umstände der Frauen 1918.
Paul Gwerder
Die «Ürner Spielliit» zeigten auf, unter welch schlechten Arbeitsbedingungen die Eisenbahnerfrauen aus Erstfeld damals arbeiten mussten. (Bild: Paul Gwerder (Erstfeld, 28. September 2018))

Die «Ürner Spielliit» zeigten auf, unter welch schlechten Arbeitsbedingungen die Eisenbahnerfrauen aus Erstfeld damals arbeiten mussten. (Bild: Paul Gwerder (Erstfeld, 28. September 2018))

Am Freitagabend wurde in der alten Remise des Depots in Erstfeld die Aufführung des Ensembles «Ürner Spielliit» zum Landesstreik von 1918 gezeigt. Regier führte Lory Schranz, den Text lieferte Lukas Meili.

Das Stück durften die Urner bereits viermal am Theater zum Landesstreik in der alten Hauptwerkstätte beim Bahnhof Olten zeigen. Nach 27 Aufführungen mit mehr als 460 Spielern aus der ganzen Schweiz mit 13500 Besuchern war dort das Werk bis zur letzten Zusatzvorstellung ausverkauft. Das erfolgreiche Theaterstück erinnerte die Menschen an den Generalstreik, der vom 12. bis zum 14. November 1918 dauerte. 250000 Menschen hatten damals den Mut, die Arbeit niederzulegen und gemeinsam für eine soziale und gerechte Schweiz zu kämpfen.

«Jetzt ist fertig, jetzt wird gestreikt.»

So auch in Erstfeld: Inmitten der zahlreichen historischen Lokomotiven, die den bekannten Öl- und Schmierfettgeruch ausströmten, sassen die Besucher dicht gedrängt auf Bänken in der grossen Halle und sahen das Theaterstück «Ai d Fraiä selled derfä stimmä». Dabei verlegten Frauen und Männer unter einem riesen Lärmspektakel symbolisch Schienen, die sie mittels Hammer und Ketten in die richtige Lage brachten und befestigten.

1918 waren die Arbeitsbedingungen miserabel, die Löhne tief und die Lebensmittel teuer, sodass viele Menschen an Hunger litten. Dies erging auch den Gleisarbeiterinnen so, die sich nicht nur an den schlechten Arbeitsbedingungen störten, sondern sich auch immer wieder für das fehlende Frauenstimmrecht einsetzten. Diese Frauen im Erstfelder Eisenbahnmilieu standen im Zentrum des Theaterstücks. So kam es, dass eine Stimme auf der Gleisbaustelle rief: «Jetzt ist fertig, jetzt wird gestreikt.» Und die Frauen in den Übergewändern verlangten gemeinsam: «Ai d Fraiä selled derfä stimmä.»

In Erstfeld wurde kurz vor dem Landesstreik im Jahr 1915 der politische Frauenverein gegründet. Die mutigen Frauen trafen sich regelmässig im Kasino und kämpften für Frauenrechte, Gleichberechtigung und das Stimmrecht. Bis es dann endlich soweit war, verging noch eine lange Zeit, obwohl die Stimmen der Frauen nie verstummt waren. Erst am 7. Februar 1971 wurde das Frauenstimmrecht in der Schweiz eingeführt.

Zugverkehr im ganzen Land zum Erliegen gebracht

Nach dem Theaterstück erzählte Historikerin Elisabeth Joris, wie es zu dieser Zeit ausgesehen hat. «Die Menschen waren unzufrieden, und mit dem Generalstreik wollten sie auf die Missstände im Land hinweisen.» Entscheidend sei gewesen, dass die Eisenbahner mitmachten, denn so sei der Zugsverkehr praktisch im ganzen Land zum Erliegen gekommen. Als dann das Militär eingriff und den Streik beendete, waren sich die Gewerkschaftler einig: «Wir haben zwar diesen Kampf verloren aber nicht unsere Ehre».

Zum Abschluss des kulturellen Anlasses spielte das Schlagzeugensemble von der Musikschule Uri unter der Leitung von Christoph Gautschi Auszüge aus der Begleitmusik zur Eröffnung des Gotthardbasistunnels.

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