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Bürglen: Der Seelsorger warnt vor dem Kollaps

Die Situation in der Pfarrei Bürglen ist äusserst angespannt. Mit René Deiss steht in den arbeitsreichsten Wochen des Jahres nur noch eine Person für die seelsorgerischen Tätigkeiten zur Verfügung. Er erläutert die Gründe aus seiner Optik.
Bruno Arnold
Die Kirche in Bürglen. (Bild: Urs Hanhart, 4. Juni 2018)

Die Kirche in Bürglen. (Bild: Urs Hanhart, 4. Juni 2018)

Eigentlich ist René Deiss in einem 80-Prozent-Verhältnis als Seelsorger in Bürglen angestellt. Doch aktuell leistet der gebürtige Fricktaler ein Arbeitspensum, das weit über 100 Prozent hinausgeht, weil er momentan für sämtliche seelsorgerische Tätigkeiten in der drittgrössten Urner Gemeinde verantwortlich ist. Der Grund: Pfarrer Wendelin Bucheli ist seit bald zwei Monaten krankgeschrieben (wir berichteten).

Pfarrer Wendelin Bucheli. (Bild: Urs Hanhart, 18. Juni 2015)

Pfarrer Wendelin Bucheli. (Bild: Urs Hanhart, 18. Juni 2015)

Deiss absolviert zurzeit ein Mammutprogramm: Er erteilt Religionsunterricht, bereitet Wortgottesdienste, Buss- und Versöhnungsfeiern vor, sucht Priester, die – im Gegensatz zu ihm – Sakramente spenden dürfen, erstellt Einsatzpläne für die Mariannhiller-Patres, die während der krankheitsbedingten Abwesenheit von Pfarrer Bucheli in die Bresche springen. Deiss führt Taufgespräche, unterstützt und begleitet Angehörige von Verstorbenen in den Tagen des Abschiednehmens. Er nimmt sich Zeit für Personen, die persönliche Krisen durchmachen, mitten in der Nacht anrufen und Hilfe suchen. «Gerade in der Advents- und Weihnachtszeit werden unsere Dienstleistungen besonders stark in Anspruch genommen», erklärt er.

Ratschlag von offizieller Seite hilft nicht

René Deiss, Seelsorger der katholischen Pfarrei Bürglen. (Bild: Bruno Arnold, 18. Dezember 2018)

René Deiss, Seelsorger der katholischen Pfarrei Bürglen. (Bild: Bruno Arnold, 18. Dezember 2018)

«Vielen Leuten ist vermutlich nicht klar, was es heisst, als Seelsorger eine Pfarrei ohne Pfarrer zu leiten», sagt der 48-Jährige. Er möchte keinesfalls jammern, warnt aber vor einem drohenden Kollaps: «Ich weiss nicht, wie lange ich diese Belastung noch aushalte.» Seit zwei Monaten sei er nun fast rund um die Uhr für die Pfarrei da, stehe Wochenende für Wochenende in der Kirche.

Deiss ist überzeugt: «Vielen Pfarreiangehörigen ist nicht bewusst, wie prekär die Lage tatsächlich ist. Viele Bürgler glauben wohl nicht, dass die Pfarrei bald ohne Seelsorger dastehen könnte.» Da helfe ihm persönlich auch der Ratschlag von offizieller Seite nur wenig, dass er halt machen solle, was möglich sei. «Als Seelsorger kann man das nicht. Man will immer und möglichst umfassend helfen.» Deiss nennt ein konkretes Beispiel: «Wenn jemand gestorben ist, dann will ich mir Zeit nehmen für die Trauernden. Ich kann nicht einfach sagen: mein herzliches Beileid. Wir treffen uns am Samstag an der Urnenbestattung.»

Grosse Spannungen sind seit Monaten da

Im Stich lassen möchte Deiss die Pfarrei Bürglen auf gar keinen Fall. Er gesteht aber gleichzeitig, dass ihm die aktuelle Lage enorm zu schaffen mache. Besonders belastend sei die Tatsache, dass man ihn in jüngster Zeit beschimpfe und dass man ihn da und dort für die verfahrene Situation in der Pfarrei verantwortlich machen wolle. «Pfarrer Bucheli ist nicht krank, weil es im Pfarreiteam nicht funktioniert», ist Deiss überzeugt. «Unser Verhältnis ist sehr gut. Ich habe auch jetzt regelmässig telefonischen Kontakt mit ihm.» Den Hauptgrund für die Erkrankung des Pfarrers sieht der Bürgler Seelsorger viel mehr «in den seit Monaten anhaltenden grossen Spannungen zwischen Wendelin Bucheli und dem Kirchenrat».

Deiss kennt die Ursachen des Zwists nicht, betont aber: «Ich glaube nicht, dass die ganze Sache mit der Angelegenheit zu tun hat, welche die Pfarrei Bürglen 2015 in die Schlagzeilen der Medien gebracht hat.» Zur Erinnerung: Wendelin Bucheli hatte im Oktober 2014 ein lesbisches Paar gesegnet, was gegen die katholische Lehre verstösst. Daraufhin war er von Bischof Huonder zum Rücktritt aufgefordert worden. Der Kirchenrat und der grosse Teil der Pfarreiangehörigen stärkten damals Bucheli vorbehaltlos den Rücken. Der Bürgler Pfarrer konnte bleiben.

Fronten sind mittlerweile verhärtet

Die Ursachen der Spannungen kennt Deiss nicht. Was er aber definitiv weiss: Heute haben der Kirchenrat und der Pfarrer das Heu – im Gegensatz zu Anfang des Jahres 2015 und aus welchen Gründen auch immer – nicht mehr auf der gleichen Bühne. «Die Fronten sind verhärtet. Es ist trotz grosser Bemühungen nicht gelungen, die Parteien zu einem Gespräch am runden Tisch zu bewegen, um die Differenzen zu bereinigen», sagt Deiss. Einmal wollte der Kirchenrat nicht, ein anderes Mal lenkte der Pfarrer nicht ein.

Trotzdem hat Deiss die Hoffnung nicht ganz aufgegeben. Er glaubt an einen Neustart mit dem bis auf zwei Mitglieder neu zusammengesetzten Kirchenrat. Um aber im gleichen Atemzug anzufügen: «Es wird nicht einfach sein, die Situation bis Mitte Januar zu bereinigen.» Bis zu diesem Zeitpunkt ist Pfarrer Wendelin Buche­li offiziell krankgeschrieben. «Und damit die künftige Zusammenarbeit aller involvierten Kreise klappt, müssen wir zuerst – und unbedingt – gemeinsam eine Basis des Vertrauens schaffen können», erklärt Deiss.

Feiern und Gottesdienste an Weihnachten organisiert

In einem Punkt kann Deiss Entwarnung geben: Die Feiern und Gottesdienste an Weihnachten sind organisiert. Am 24. Dezember findet ein Wortgottesdienst mit integriertem Krippenspiel statt. Die Mitternachtsmesse und die heilige Messe am Weihnachtstag werden von Mariannhiller-Patres mitzelebriert. Schliesslich wird Generalvikar Martin Kopp die Abendmesse vom 25. Dezember gestalten.

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