Der Thriller vom Axen

Der Fels hält die Schweiz in Atem. Derweil nimmt die politische Diskussion Fahrt auf.

Christian Tschümperlin
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An Seilen hängend sind die Bauarbeiter damit beschäftigt, den Axen sicherer zu machen.

An Seilen hängend sind die Bauarbeiter damit beschäftigt, den Axen sicherer zu machen.

Bild: Valentin Luthiger

Hoch oben über dem Axen löst der Regen am 28. Juli rund tausend Tonnen Gestein. Darunter sind zwei grosse Blöcke von 200 und 300 Kubikmetern. Im Bereich Gumpisch stürzen die Gesteinsmassen zum Teil bis in den Urnersee hinunter. Verletzt wird dabei niemand. Doch auch die übrigen Massen drohen abzustürzen, direkt auf die Strasse. Die Strasse wieder sicher zu machen, ist keine leichte Aufgabe. Bis zum 13. September bleibt sie gesperrt.

Unterdessen fahren Bagger und Lastwagen auf. Das Astra nutzt die Gunst der Stunde und macht aus der Not eine Tugend: Am Axen werden Belagsarbeiten, Signalisations-Auffrischungen, Tunnel- und Mauerwerk-Sanierungen sowie Schlosserarbeiten vorgenommen. Die Zeit drängt, denn die beiden Blöcke liegen in einer Rinne und müssen gesprengt werden. Weil man diese aus Sicherheitsgründen nicht betreten darf, müssen die Bohrungen für die Sprengladung vom Helikopter aus am hängenden Seil vorgenommen werden. Installiert wird zudem eine Überwachungsanlage.

Diese schlägt nach der Wiedereröffnung schon bald Alarm: Am 2. Oktober ereignet sich prompt ein zweiter Murgang. Der Axen wird erneut gesperrt, diesmal bis zum 12. Oktober. In aller Eile werden Schutznetze installiert und ein Ablenkdamm gebaut. Damit soll die Sicherheit für den Langsamverkehr gewährleistet werden. Die ganzen Massnahmen kosten rund 10 Millionen Franken.

Fussgänger nutzen Alternativweg

Ab dem 20. Dezember dürfen Velos, Mofas und Traktoren den gefährlichen Abschnitt wieder befahren. Fussgänger müssen aber auf den Weg der Schweiz ausweichen.

Der Axen als Nadelöhr ist schon lange ein Politikum. Eigentlich existiert unter dem Namen «A4 neue Axenstrasse» seit Jahrzehnten ein Projekt, das die wichtige Verbindungsstrasse zwischen den Kantonen Uri und Schwyz sicherer machen soll. Der Ausbau ist aber durch Einsprachen blockiert. Umweltverbände machen sich wegen einer möglichen Kapazitätserweiterung Sorgen. Durch den Felssturz am Axen kommt Bewegung in die Politik: Ständerat Josef Dittli reicht im Dezember eine Interpellation ein und Simonetta Samaruga kann sich vorstellen, den Perimeter «Tunneleinfahrt Gumpisch» prioritär zu behandeln.

Dagegen wollen die Umweltorganisationen ihrerseits nicht opponieren, sofern mit der Galerie Gumpisch kein Präjudiz für den Bau eines Sisiger und Morschacher Tunnels geschaffen werde.

Die Schiffstation Tellsplatte ist gerettet

Die Nachricht von der Schliessung der Schiffstation Tellsplatte wirft Ende Januar hohe Wellen: Die Schifffahrtsgesellschaft des Vierwaldstättersees (SGV) gibt ihren Entscheid bekannt, den geschichtsträchtigen Ort nicht mehr anzusteuern. Der Schiffsteg ist marode. Fachpersonen veranschlagten die Kosten für eine nachhaltige Sanierung bei zirka 600'000 Franken. Die SGV will diese nicht alleine tragen. Doch auch der Sisiger Gemeindepräsident beklagt sich, dass seiner Gemeinde das Geld für eine Sanierung fehle. Gemäss Finanzierungsschlüssel sollte sich die Gemeinde mit 100'000 Franken beteiligen.

«Tells Helden» bringen Finanzierung auf Kurs

Anfang Mai kommt aber Land in Sicht: «Tells Helden» sammeln mit einer Crowdfunding-Aktion über 50'000 Franken an Spenden für die Schiffstation Tellsplatte. Bis Oktober kommt der Rest des Betrages von 100'000 Franken zusammen. Weitere Rückendeckung gibt es vom Sisiger Landrat Theophil Zurfluh. In einer Interpellation erkundigt er sich, ob eine gesetzliche Grundlage für eine Kostenbeteiligung des Kantons bestehe. Mitte November fällt der Entscheid im Urner Landrat zu Gunsten des Projekts: Der Kanton will 250'000 Franken zur Sanierung beitragen. Die SGV ihrerseits übernimmt auch 250'000 Franken. (cts)