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Der zehnjährige Baumeister aus dem Urnerland

Graben, sägen, hämmern, konstruieren: Seit nunmehr vier Jahren baut der 10-jährige Alex Furrer an seiner Hütte. Mittlerweile ist sein Werk bereits dreistöckig – höher geht nicht, sonst bräuchte er eine Baubewilligung.
Christof Hirtler
Alex Furrer steigt aus dem Stollen, der von seiner Hütte dorthin führt, wo er nach Grundwasser gräbt. (Bild: Christof Hirtler, Erstfeld, 26. März 2018)

Alex Furrer steigt aus dem Stollen, der von seiner Hütte dorthin führt, wo er nach Grundwasser gräbt. (Bild: Christof Hirtler, Erstfeld, 26. März 2018)

In Erstfeld steht vis-à-vis des Altersheims Spannort die Hütte des Buben Alex Furrer. Sie ist so gross, dass sie auf dem Satellitenbild zu sehen ist. Sechs Meter hoch, acht Meter breit – sie fällt auf, die Hütte von Alex Furrer. «Reaktionen gibt es nur positive», sagt Sandra Furrer, die Mutter von Alex. «Passanten und Besucher des Altersheims sind hell begeistert, dass ein Bub heute noch so spielen darf. Auch wenn er am Sonntag sägt und hämmert, stört es niemanden.» Ihr Sohn Alex ergänzt, dass er nicht viel höher als sechs Meter bauen dürfe, da er sonst eine Baubewilligung bräuchte.

Die Hütte von Alex ist Ausdruck seiner eigenen Kreativität und seines Gestaltungswillens. Grundverschieden von den tristen, langweiligen Spielplatzanlagen mit Rutschbahnen, Sandkasten, Betonröhren, Schaukeln, Gummimatten, Schnitzelböden und Sitzbänken für die Mütter, die ihre Schützlinge überwachen. Alles genormt, abgesichert, fixfertig und eher langweilig.

Spielend lernen und Erfahrungen sammeln

Spielen heisst herumtüfteln, ausprobieren, Grenzen überschreiten, Risiken eingehen. Und sich manchmal wehtun: «Ich will nicht immer alles sehen, was Alex gerade macht», sagt Sandra Furrer. Alex hat sich schon mit der Dekupiersäge in den Finger geschnitten oder einmal knapp an der Stromzufuhr des Hauses vorbeigepickelt. Mit der Kippfräse darf er nur arbeiten, wenn sein Vater Wisi dabei ist. Der Meisterbauer ist seit 20 Jahren Zimmermann bei der Gotthard Holzbau GmbH. Er teilt mit Alex die Werkstatt in der Garage und unter-stützt ihn beim Hüttenbau. Die Ideen aber kommen von Alex.

Begonnen hat alles vor vier Jahren. Eigentlich wollte er damals nur nach Grundwasser graben. Es sprudelt, wenn Alex zu erzählen beginnt: «Zuerst habe ich einen Sickerungsschacht ausgehoben, habe gegraben und gegraben und stiess auf Sand. Da habe ich gedacht, ich baue darüber ein Dach, damit es nicht in den Schacht regnet.» Daraus sei dann die erste Hütte entstanden, die sie dann wieder abgerissen hätten, da sie zu wenig stabil war. «Wir fingen wieder von vorne an: Zuerst setzten wir mehrere lange Pfosten, befestigten daran die Wände, die Böden, bauten Treppen und Leitern.» Die Seilbahn, die Kletterwand, die Rutschbahn, der Fahnenmasten, Tisch und Stühle und verschiedene Anbauten kamen dazu. Seine Schwestern Sina und Anja brauchen den Tisch zum «Chöcherle». «Den Mädchen habe ich schon einen Teil als Tabuzone erklärt, weil sie immer alles verdreckt haben. Die halten uns nur vom Bauen ab», beschwert sich Alex.

An einer langen Eisenschiene hängt ein Seil, mit dem Alex hin- und herschaukeln kann. Geländer hat es auch – als Absturzsicherung. Der Vater schaut für Sicherheit und Statik. «Zuerst war die Hütte nur zweistöckig, dann bat ich meinen Vater, dass wir einen dritten Stock bauen. Der ist für die Vögel reserviert. Da kommt jeden Tag eine Amsel, singt, spaziert herum, das ganze Geländer ist bereits voller Vogelmist.» Das mag Alex weniger, er hat gerne Ordnung: Rings um die Hütte mäht er das Gras mit dem Fadenmäher.

In zwei Metern Tiefe stösst er auf Grundwasser

Das Fertige interessiert Alex nicht, das Machen und Verändern ist das Interessante. Seine Hütte wandelt sich ständig. Pausenlos hat er neue Ideen. Die Hütte hat auch einen Keller. Über eine Leiter steigt man in den dunklen Untergrund und gelangt in einen mit Holzträgern abgestützten Stollen. Dieser führt zu einer kleineren zweiten Hütte. Dort gräbt sich Alex durch Sandsteinschichten in die Tiefe. Zwei Meter tief müsse er graben, um auf Grundwasser zu stossen. «Gold hat er aber noch keines gefunden», meint Mutter Sandra Furrer lachend.

Mit dem Bauen kam die Leidenschaft: Das Zusammenbauen von Lego-Traktoren ist längst keine Herausforderung mehr für ihn. Er entwickelt landwirtschaftliche Maschinen wie Heuwender oder Kippanhänger, die er mit Fernbedienungen per Funk bedienen kann. Er baut Boote, Flieger oder eine Alphütte: «Die Alphütte – ein Gadenhaus – kann ich Stock für Stock auseinandernehmen und wieder zusammensetzen», erklärt der 10-Jährige. Neben dem Stall gibt es eine Küche mit Feuerloch und über eine Treppe kommt man zum Obergaden und zu den Schlafräumen. «Die Bettdecke habe ich mit Hundehaaren gestopft, das Kissen auch», sagt Alex.

Traumberuf: Legotechnik-Erfinder

In der Garage der Familie Furrer steht auch ein fahrbarer Kristallverkaufsladen. Diese Kästchen mit Strahlen hat er schon oft im Maderanertal gesehen. Auf der Alp Griessern besitzen seine Grosseltern eine Hütte. Ein Paradies mitten in den Bergen.

Und das Wichtigste: Es hat einen Bach. Gold hat Alex dort bis jetzt noch nicht gefunden, wer weiss, vielleicht kommt das ja noch. Einen Schatz hat Alex bestimmt entdeckt: seine Leidenschaft für das Bauen, seine Kreativität. Er will Bauer werden oder Zimmermann oder Legotechnik-Erfinder.

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