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Reportage

Die Axenstrasse wird auf Vordermann gebracht

Aus der Axen-Sperrung macht das Astra eine Chance: Tunnels und Strasse werden in Stand gesetzt. Ein Augenschein vor Ort.
Christian Tschümperlin

Das Astra nutzt die Gunst der Stunde: Im Schatten des Felssturzes am Axen werden zahlreiche Bau- und Instandsetzungsarbeiten verrichtet, die sonst in dieser Weise nicht möglich gewesen wären. Das Zeitfenster dazu wird vielleicht bald geschlossen. Womöglich soll der Axen schon am Freitagmittag wieder aufgehen.

Malerin Melanie Rand aus Bürglen deckt die Ränder einer zu beschichtenden Fläche ab. (Bild: Christian Tschümperlin, 11. September 2019)

Malerin Melanie Rand aus Bürglen deckt die Ränder einer zu beschichtenden Fläche ab. (Bild: Christian Tschümperlin, 11. September 2019)

«Nach dem Felssturz hat sich das Astra sofort überlegt, welche Unterhaltsarbeiten wir am Axen durchführen können, während dieser geschlossen ist», sagt Axenstrasse-Projektleiter Willi Reck auf dem Weg zum Gumpisch-Tunnel. Die Axenstrasse sei eine Autobahn dritter Klasse, eine Bundesstrasse. Das Astra untersucht den Zustand aller Nationalstrassen abschnittsweise im fünfjährigen Turnus. «Je schlechter der Zustand einer inspizierten Strecke ist, desto kürzer wird der Turnus», so Reck. Dann werde eine Gewichtung vorgenommen: Zwischen Strassen in gutem oder genügendem Zustand und solchen, die gesperrt werden müssen, gibt es noch zwei Zwischenstufen, bei denen eine Strasse instandgesetzt wird.

Jetzt ist auch klar, wann die Strasse wieder befahrbar ist:

Der Axen wurde das letzte Mal 2017 inspiziert. «Daraus wurden Massnahmen abgeleitet», sagt Reck. Nach der Sperrung der Axenstrasse infolge des Felssturzes von Ende Juli 2019 wurden vom Astra schnellstmöglich die nötigen finanziellen Mittel bereitgestellt, um die baulichen Massnahmen vorzunehmen.

Axen schon ab Freitagmittag offen?

(see) Am Donnerstag finden die letzten Tests der Warnanlage an der Axenstrasse statt. Verlaufen die Tests erfolgreich, soll die Axenstrasse ab Freitagmittag wieder für den Verkehr freigegeben werden. So hiess es am Mittwoch vom Amt für Betrieb Nationalstrassen (AfBN) auf Anfrage des «Boten der Urschweiz». Das Bundesamt für Strassen (Astra) wird am Donnnerstag konkret informieren, wann die Sperre genau aufgehoben wird.

Willi Reck kommt beim Gumpisch an, steigt aus dem Wagen und grüsst einige Bauarbeiter. «Insgesamt arbeiten wir beidseitig der gesperrten Zone mit 16 Unternehmen zusammen. Zu Spitzenzeiten hatten wir bis 50 Leute auf der Baustelle.» Dabei handelt es sich um Bauunternehmungen, Belagsbauer, Schlosser, Maler oder Reinigungsfirmen. Vorgenommen werden Belagsarbeiten, Signalisations-Auffrischungen, Tunnel- und Mauerwerk-Sanierungen und Schlosserarbeiten.

Rekrutierung von Personal war ein Problem

«Wir arbeiten in normalen, leicht verlängerten Schichten, inklusive Samstagen», sagt Reck. Schliesslich wolle man kosteneffizient bleiben. «Das grösste Problem war, in den Sommermonaten die Leute zusammenzubekommen.» Für die Belagsarbeiten habe man deshalb die Arbeiter von einer Baustelle an der Gotthardpasstrasse abgezogen. «Die Situation erfordert auf allen Seiten Flexibilität.»

Aufgrund des Unterbruchs kann nun vieles saniert werden. Vieles, was sonst schwierig oder gar nicht zu sanieren wäre. Reck geht an zwei Malern vorbei, die gerade den Gumpisch-Tunnel neu beschichten. Eine Stelle ist noch schwarz von den Abgasen. «So sah vorher der ganze Tunnel aus», sagt Reck. Der Neuanstrich soll die Sicherheit im ganzen Tunnel erhöhen, weil die weisse Farbe das Fahrlicht reflektiert. Zudem ist die Oberfläche nun feiner. «Wenn man bei der Tunnelreinigung mit der Düse drüber geht, läuft der Dreck sofort hinunter», so Reck.

Es wäre ausgeschlossen gewesen, die Tunnels neu zu beschichten, wenn Verkehr auf dem Axen rollt. «Es gibt Tunnels, bei denen man nachts mit einer Umfahrung hätte arbeiten können.» Doch auch da hätte das Problem bestanden, dass die Anstrich-Abdeckungen tagsüber vom Fahrtwind der vorbei fahrenden Lastwagen hätten hinuntergerissen werden können. Zwischen Flüelen und Sisikon wurden alle Tunnels frisch beschichtet, vier auf der Urnerseite (Zingel, Axen, Tellsplatte, Gumpisch) und drei Tunnel auf der Sisiger Seite (Kleine Galerie, Buggital, Stutzegg).

Willi Rick, Projektleiter Axenstrasse. (Bild: Christian Tschümperlin, 9. September 2019)

Willi Rick, Projektleiter Axenstrasse. (Bild: Christian Tschümperlin, 9. September 2019)

9000 Quadratmeter mit 3,3 Tonnen Farbe bemalt

Insgesamt werden 9000 Quadratmeter Fläche bemalt mit 3,3 Tonnen Farbe, wie der ebenfalls vor Ort anwesende Philipp Arnold von der Firma «Am Surface» sagt. In seinem Werk in Saarbrücken im Saarland wird die Farbe hergestellt, die für den Tunnelanstrich verwendet wird. «So viel Farbe in so kurzer Zeit zu organisieren, war eine Herkulesaufgabe», sagt er. Man habe Tag und Nacht durchproduziert. «Unsere Farbe wird europaweit eingesetzt. Es handelt sich dabei um eine High-Tech-Beschichtung, die an der Oberfläche eine Nano-Struktur etabliert. Der Vorteil ist, dass man ohne Grundierung die Farbe direkt aufspritzen kann.»

Reck deutet auf die Linienführung am Boden: «Eine Linie ist ausgefranst, das entspricht nicht den Vorgaben.» Auch diese Bodenmarkierungen würden neu bespritzt. «Es gibt keine bessere Zeit als jetzt, dies zu tun.» Dabei gilt für alle Arbeiter das Trittbrettfahrer-Prinzip: «Wir müssen damit rechnen, dass die Arbeiten jederzeit beendet werden können. Wenn die Geologen sagen, dass der Verkehr wieder rollen kann, dann müssen wir räumen und gehen», gibt Reck zu bedenken. Doch die Arbeiten sind im Zeitplan, bis zur geplanten Wiederöffnung sind voraussichtlich alle Arbeiten abgeschlossen.

Belagsarbeit für über eine halbe Million Franken

Auf dem Rückweg fährt Reck über einen Strassenabschnitt mit neu gemachten Belag. «Wir machen für mehr als eine halbe Millionen Franken Belagsarbeit», so Reck. Den grössten Teil davon in Sisikon. Nach dem Tunnel Tellsplatte liegen Steine auf der Fahrbahn. Es kommt zu einem kurzen Halt: Reck lässt das Autofenster hinunter, ein Bauarbeiter eilt heran: «Wir haben eine vorsorgliche Sprengung gemacht und müssen die Steine noch wegräumen. Die Zone war absturzgefährdet», sagt der Bauarbeiter.

Auf der Axenstrasse werden zahlreiche Unterhaltsarbeiten ausgeführt. (Bild: Christian Tschümperlin, 9. September 2019)

Auf der Axenstrasse werden zahlreiche Unterhaltsarbeiten ausgeführt. (Bild: Christian Tschümperlin, 9. September 2019)

Das Astra hat aus der Not eine Tugend gemacht: Nach der Wiedereröffnung können sich die Autofahrer auf einen in Stand gesetzten Axen freuen.

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