Die Baubranche bleibt das Sorgenkind im Kanton Uri

Die Wirtschaftsprognosen von BAK Economics sehen für den Bereich Tourismus rosig aus.

Markus Zwyssig
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2019 und 2020 dürfte sich die Konjunktur im Kanton Uri im Vergleich zur Gesamtschweiz unterdurchschnittlich entwickeln. Das geht aus der am Donnerstag vorgestellten Urner Wirtschaftsprognose von BAK Economics hervor. Das Forschungsinstitut erstellt diese im Auftrag der Urner Kantonalbank (UKB) einmal pro Jahr. Christoph Bugnon, UKB-CEO, zeigte auf, dass für die Weltwirtschaft mit einem verhaltenen Wachstum gerechnet wird. Das Bruttoinlandprodukt (BIP) der Schweiz werde 2019 nur leicht zulegen (0,7 Prozent), zeige aber für 2020 etwas stärkere Tendenzen (1,3 Prozent). BAK Economics geht für den Kanton Uri von einer praktisch stagnierenden BIP-Entwicklung aus (2019: 0,4 beziehungsweise 2020: 0,1 Prozent).

Schlecht sind die Aussichten gemäss BAK im Urner Baugewerbe. Sowohl die Bautätigkeit als auch die geplanten Bauvorhaben lagen 2018 zum Teil deutlich im zweistelligen Minusbereich. Die rückläufige Tendenz zeigt sich 2019 zwar etwas milder, sodass das Minus in der Urner Bauwertschöpfung Ende Jahr bei 1,4 Prozent liegen dürfte. 2020 ist wieder eine Verschärfung mit einem Rückgang von 2,1 Prozent zu erwarten. Damit fallen die Bauwirtschaftsprognosen für Uri deutlich schlechter aus als für die Gesamtschweiz.

Obwohl die Aufwertung des Schweizer Frankens gegenüber dem Euro die Exporte grundsätzlich hemmt, verzeichnete Uri gemäss BAK Economics in den Bereichen Maschinen und Elektronik gute Exportzahlen. Insgesamt steigerte sich die Urner Wertschöpfung in der Kunststoff- und Investitionsgüterindustrie im laufenden Jahr um 1 Prozent (Schweiz: 1,3 Prozent). Auch im nächsten Jahr dürfte das Wertschöpfungswachstum in Uri (0,7 Prozent) im Vergleich zur Gesamtschweiz (weiterhin 1,3 Prozent) unterdurchschnittlich ausfallen.

Tiefe europäische Strompreise machen den Energiehandel für Schweizer Produzenten schwierig und drücken auf die Stromproduktion. Der erwartete Wertschöpfungsrückgang (1,3 Prozent) ist 2019 im Urner Energiesektor weniger hart als gesamtschweizerisch (2,1 Prozent). Für das kommende Jahr wird ein leichterer Rückgang prognostiziert (Uri 0,9 Prozent und Schweiz 0,8 Prozent).

Überdurchschnittliches Wachstum im Tourismus

Beim Tourismus sieht es im Kanton Uri erfreulich aus. «Die Zahlen sind im schweizweiten Vergleich überdurchschnittlich gewachsen», stellte Bugnon erfreut fest. In der ersten Jahreshälfte 2019 erzielte Uri bei den Logiernächten das zweitbeste Resultat aller Kantone. Die Übernachtungen von Schweizer Gästen nahmen um 20 Prozent zu. Das Wertschöpfungswachstum im hiesigen Tourismus dürfte 2019 insgesamt 3,3 Prozent erreichen (Schweiz: 0,9Prozent). «Das Tourismusresort Andermatt ist dabei ein starker Treiber», so Bugnon.

Für 2020 sieht die Prognose von BAK Economics für Uri ein geringeres Wachstum von 1,3 Prozent vor, da sich die ungünstige Wechselkurssituation Franken/Euro auf die Nachfrage von Gästen aus Europa negativ auswirkt. Dennoch dürfte das Urner Wertschöpfungswachstum im Tourismus überdurchschnittlich bleiben. Der starke Franken bewirkt zudem, dass Touristen aus dem Euro-Raum den Schweizer Detailhandel weniger berücksichtigen. Zusammen mit dem Druck seitens Online-Handelsgeschäft resultiert im Detailhandel voraussichtlich ein leichter Rückgang. Dies gilt ebenso für den Grosshandel, sowohl schweizweit als auch in Uri.

Die Zahl der Arbeitslosen ist im Kanton Uri nach wie vor tief. Die Anzahl der Beschäftigten steigt 2019 insgesamt um 0,5Prozent an, mit stärkerer Tendenz im Dienstleistungssektor. Der Wert liegt unter dem schweizerischen Mittel (1,2 Prozent). Vor dem Hintergrund der abschwächenden Konjunktur dürften die Urner Beschäftigtenzahlen 2020 stagnieren. Die Arbeitslosenquote erreichte in Uri zuletzt 1,2 Prozent; sie ist damit im Vergleich zum Vorjahr leicht angestiegen, liegt aber deutlich tiefer als in der restlichen Schweiz (2,3 Prozent).

Die Mietpreise sinken im Kanton Uri vor allem bei den Altbau-Wohnungen. Ein deutlicher Anstieg ist bei den Preisen für Wohneigentum festzustellen. Dieser ist in Uri im Vergleich zur Gesamtschweiz besonders ausgeprägt. «Das sehr tiefe Zinsumfeld schafft Anreize zum Investieren», so Bugnon.

Kantonsbahnhof soll Impulse liefern

Grosse Hoffnungen setzt Bugnon auf den geplanten Kantonsbahnhof in Altdorf. «Insgesamt werden in den nächsten Jahren im Gebiet des neuen Kantonsbahnhofs rund 200 Millionen Franken investiert», so der UKB-CEO. Das werde entsprechende Impulse auslösen.

Derweil sucht die Bank für ihren heutigen Hauptsitz an der Bahnhofstrasse 1 einen Käufer. Die Bank will aber auch nach dem Zügeltermin 2022 ins neue Gebäude am Bahnhofplatz weiterhin am bisherigen Standort vertreten sein, jedoch nicht mehr als Eigentümerin, sondern als Mieterin.

Hinweis: Weitere Informationen zur Prognose von BAK Economics sind auf www.ukb.ch/wirtschaftsprognose ersichtlich.