Im Staatsarchiv Uri geraten die Besucher ins Staunen

Am Tag der offenen Tür erhielten Interessierte Einblick in die unzähligen Bestände staatlicher und privater Herkunft.

Paul Gwerder
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Der wissenschaftliche Mitarbeiter Rolf Gisler-Jauch zeigte den Leuten die riesige Sammlung über die Werke von Karl Iten. (Bild: Paul Gwerder, Altdorf, 16. November 2019)

Der wissenschaftliche Mitarbeiter Rolf Gisler-Jauch zeigte den Leuten die riesige Sammlung über die Werke von Karl Iten. (Bild: Paul Gwerder, Altdorf, 16. November 2019) 

Das Staatsarchiv hat in erster Linie die Aufgabe, die staatlichen Dokumente, aber auch die grosse Zahl von privaten Dokumenten und Sammlungen zu sichern. Zum Aufgabenbereich gehören unter anderem die Pflege des gesamten Archivguts, wissenschaftliche und publizistische Tätigkeiten sowie die Beratung der kantonalen Verwaltung und Dritter in unterschiedlichen Archivfragen.

Zahlreiche Besucher liessen sich am Samstag bei den öffentlichen Führungen am Tag der offenen Tür von Staatsarchivar Hans Jörg Kuhn und dessen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die Gelegenheit nicht entgehen, einen Blick hinter die Kulissen werfen zu können. Sie konnten dabei feststellen, dass das Urner Staatsarchiv an der Altdorfer Bahnhofstrasse sehr viel zu bieten hat. Neben den staatlichen Unterlagen gibt es unter anderem eine Sammlung der Urner Zeitungen und Zeitschriften, Wappenbücher, Stammbäume, Karten, Pläne und unzählige Bilder von Urner Künstlern sowie als grosse Rarität auch viele alte Filme über Uri.

Riesenarchiv mit Werken von Karl Iten

Der wissenschaftliche Mitarbeiter Rolf Gisler-Jauch zeigte den Leuten die riesige Sammlung der Werke von Karl Iten (1931-2001). Der Grafiker, Künstler, Buchautor und Poet hat eine riesige Sammlung zurückgelassen, die er allesamt feinsäuberlich geordnet hatte. Iten veröffentlichte zahlreiche Bücher und Schriften über Uri, unter anderem «Uri – Land am Gotthard», «Rings um ds Ürner Chuchigänterli», «Uri damals» und «Adieu altes Uri». Im Jahr 1953 zog der gebürtige Zuger in den Kanton Uri. Bei der Dätwyler AG wurde er Chef der Werbeagentur. Gisler bezeichnete Iten als Multitalent, denn der Altdorfer war Maler, Fotograf, Texter und zudem immer ein unermüdlicher Kunstschaffender. «Es handelt sich um einen Riesenschatz, den uns Karl Iten hinterlassen hat», sagte Gisler. «Die Digitalisierung seiner Schriftstücke sowie seiner Abertausenden von Fotografien und seiner vielen Filmaufnahmen brachte uns an die Grenzen.» Nach der Auflösung seiner Werbeagentur arbeitete Karl Iten als Schriftsteller und Kunstschaffender.

Auf dem Rundgang erhielten die Besucher einen spannenden Blick hinter die Kulissen. Im benachbarten Swisscom-Gebäude sind wichtige Dokumente und Urkunden, aber auch das ganze Film- und Fotomaterial gelagert. Damit die alten Schriftstücke überleben können, darf die Luftfeuchtigkeit nicht über 50 Prozent steigen, und die Temperatur muss das ganze Jahr konstant zwischen 16 und 18 Grad liegen. Kuratorin Melanie Widmer präsentierte die Kunst- und Kultursammlung. «Hier bewahren wir verschiedene Kostbarkeiten auf», erklärte sie. Es sind dies etwa unzählige Bilder von Urner Künstlern, die das Staatsarchiv geschenkt erhalten oder auch selber erworben hat. «In diesen Räumlichkeiten präsentieren wir, was im Kanton Uri in Sachen Kunst und Kultur geleistet worden ist», so Widmer. Die älteste Urkunde, die den Grenzverlauf zwischen Uri und Glarus regelte, stammt aus dem Jahr 1196. Neben diversen wunderschönen Bildern interessierten sich die Leute auch für die Urner Siegel aus dem Jahr 1489.

Die Besucher bekamen im Staatsarchiv zahlreiche Werke von Urner Künstlern zu sehen. (Bild: Paul Gwerder, Altdorf, 16. November 2019)

Die Besucher bekamen im Staatsarchiv zahlreiche Werke von Urner Künstlern zu sehen. (Bild: Paul Gwerder, Altdorf, 16. November 2019)

Stammbuch und Wappen im Internet

Eine wahre Fundgrube ist heute das Internet, denn unter www.staur.ch findet man fast alles. «Von zu Hause können die Leute seit dem Jahr 2017 auf den riesigen Archivkatalog des Staatsarchivs Uri zugreifen», sagte Kaya Demiroglu, fachlicher Mitarbeiter. Ein Highlight ist unter anderem die Genealogie. Mit ein bisschen Übung findet man in diesem Bereich Stammbäume und Familienwappen von Urnern. Der Archivkatalog bietet zahlreiche Suchoptionen an. «Diese funktionieren wie die meisten Internet-Suchmaschinen, oder man sucht über die Archivplansuche», so der Fachmann. Dabei ist eine hierarchische Baumstruktur sichtbar. Durch Klicken auf die «Plus-Symbole» wird eine untergeordnete Ebene angezeigt und durch einen Doppelklick gelangt man zum gewünschten Datensatz. «Es lohnt sich zu forschen und zu recherchieren, denn hier findet jede Person früher oder später das Gewünschte, sei es ein Stammbuch, Musikalien oder Kunst- und Kulturgutsammlungen.»