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Wolf, Fuchs oder Bär: Schafrisse im Kanton Uri sorgen für Wirbel

An den im August in der Göscheneralp gerissenen Schafen ist DNA eines Fuchses sichergestellt worden. Trotzdem geht der Urner Jagdverwalter weiter von einem Wolfsriss aus. Für den Tierhalter hat hingegen ein Bär zugeschlagen.
Bruno Arnold
Der Bär (im Hintergrund zu erkennen) tappte in die Fotofalle.

Der Bär (im Hintergrund zu erkennen) tappte in die Fotofalle.

Auf der Alp Ochsenbördli auf der rechten respektive südlichen Seite des Göscheneralptals sind in der ersten Hälfte des Monats August fünf der rund 50 dort gealpten Schafe gerissen worden. Zwei wurden von den Tierhaltern am Samstag tot aufgefunden, drei hatten offene Fleischwunden und mussten in der Folge notgeschlachtet werden.

«Aufgrund des Rissbilds gehen wir davon aus, dass es sich um einen Wolf gehandelt hat», hielt der Urner Jagdverwalter Josef Walker am 11. August auf Anfrage unserer Zeitung gegenüber fest. Er teilte damit die Ansicht des zuständigen Wildhüters, der die Spuren gesichert hatte. «Wie bei Rissen üblich, sind auch entsprechende DNA-Spuren gesichert und im Labor ausgewertet worden.»

Fuchs wird als Täter definitiv ausgeschlossen

Inzwischen liegt das Resultat der Laboranalyse vor: Es ist DNA eines Fuchses nachgewiesen worden. «Dass ein Fuchs die Schafe gerissen hat, schliessen wir trotzdem aus», betont Walker. «Für uns ist das Rissbild entscheidend, und das hat im ‹Fall Ochsenbördli› klar auf einen Wolf hingedeutet.» DNA-Spuren seien für die Wildhut und für die Jagdverwaltung «nicht zwingend relevant», betont Walker zudem. «Gesicherte Spuren stammen meistens von jenem Tier, das sich zuletzt am Opfer zu schaffen gemacht hat. Und das muss nicht immer der Täter gewesen sein.»

Kehrt der «Täter» an den Tatort zurück?

Die beiden Tierhalter Raphael und Hannes Bissig aus Seedorf hegten aber von Anfang an trotz der Aussagen des Wildhüters und des Jagdverwalters Zweifel. «Die Anzahl Risse, die Rissbilder und das Verhalten der Schafe war für uns speziell respektive anders als bei einem Wolfsriss», begründet Hannes Bissig die eigene Verunsicherung. «Sie beschlossen deshalb, bei einem der beiden Tierkadaver auf dem Ochsenbördli eine Wildbeobachtungskamera zu installieren. Und was sie erhofften, trat ein: Der «Täter» kehrte an den Tatort zurück und tappte bereits am ersten Abend respektive am 15. August in die Fotofalle – also mehrere Tage nach den Rissen. Zum Erstaunen der Bissig-Brüder war es aber nicht ein Wolf, sondern – ein Braunbär.

Allerdings bleibt für Walker ungeklärt, ob effektiv der Bär die Schafe gerissen hat oder ob er allenfalls nur auf den «Geschmack» gekommen ist. «Fakt ist: Bären fressen Pflanzen und Tiere. Und auch Kadaver», erklärt der Jagdverwalter.

Kora kann sich Wolf oder Bär als Täter vorstellen

Zwischenzeitlich hat er die Fotos der auf der Alp Ochensbördli gerissenen Schafe dem Verein Koordinierte Forschungsprojekte zur Erhaltung und zum Management der Raubtiere in der Schweiz (Kora) für eine Stellungnahme zukommen lassen. «Die Kora-Experten können sich aufgrund des Rissbilds durchaus vorstellen, dass ein Wolf die Tiere gerissen hat», sagt Walker. «Dass auch ein Bär involviert gewesen sein könnte, werde ebenfalls nicht grundsätzlich ausgeschlossen. Bei der anschliessenden Kadavernutzung ist es mit dem Fotofallenbild ja auch bewiesen», sagt Walker.

Argumente sprechen für den Bären

Für Hannes Bissig sprechen mehrere Argumente für die Tat eines Bären. «So hatte eines der getöteten Tiere grobe Kratzer im Gesicht gehabt. Ein Schaf war am 11. August bereits fast vollständig aufgefressen, das zweite lag damals ‹fast ungenutzt› an einen blutverschmierten Stein gedrückt. Das spricht für zwei Angriffe. Ein Wolf wäre aber wohl in einen Rausch gekommen und hätte mehrere Tiere innert kurzer Zeit gerissen», glaubt Bissig. Und noch etwas spreche für einen Bärenriss: Als Bissig am 15. August die Fotofalle aufstellte, lag das zweite getötete und rund 100 Kilogramm schwere Schaf nicht mehr beim Stein, sondern rund 20 Meter weiter unten. Ich glaube nicht, dass ein Wolf soviel Kraft hat. Zudem weiss man, dass Bären, die gestört werden, ihre Beute fortschleppen.

Untersuchungsergebnisse abwarten

Trotz der Fotos des Bären haben die Züchter das Ergebnis der DNA-Analyse bewusst abgewartet. «Wir wollten keine Beeinflussung der laufenden Untersuchung provozieren», erklärt Hannes Bissig. Die Tierhalter informierten aber Ständerat Isidor Baumann, seines Zeichens selber Schafhalter. Er organisierte ein Treffen mit Sicherheitsdirektor Dimitri Moretti und Jagdverwalter Josef Walker. «Wir wollten die Behörden und die Vertretung der Jagdverwaltung zuerst und direkt über unsere Feststellungen informieren», sagt Bissig. «Als wir die Fotos des Bären präsentierten, hat dies bei den Vertretern der Sicherheitsdirektion grosses Erstaunen ausgelöst. Dies sicher nicht zuletzt, weil sie einen Bären als Verursacher wohl in jedem Fall ausgeschlossen hatten», glaubt Hannes Bissig.

«In einem ausführlichen Gespräch haben wir unser Empfinden geäussert und kritische Fragen zur Informations- und Zusammenarbeitspraxis bei solchen Ereignissen gestellt», schildert Bissig den Inhalt des Treffens. «Wir haben uns nun darauf geeinigt, den Fall vertiefter zu analysieren und mögliche Verbesserungen in der Vorgehens- und Informationspraxis, im Speziellen bei Schadenereignissen, zu prüfen», so der Seedorfer Tierhalter.

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