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Die Gier hat fatale Folgen

In den alten Zeiten, wenn wieder einmal ein schlechter Sommer die Bauern mit fast leeren Händen von der Alp abziehen liess, haben die Bürgler Sennen ihre Alpabfahrt trotzdem gefeiert und bei etwas spärlicherem Trank und Tanz langsam vergessen, was ihnen dort oben so Ungerades begegnet ist. Man erzählt sich, dass in solchen Zeiten manchmal ein Heidenweiblein erschienen sei, das an der Sennenkilbi aus ihrem Rock Käse und Brot verteilt habe, und zwar gerade so viel, dass niemand hungern musste. Und tatsächlich, nie sei ihr Rock leer geworden, bis nicht auch der Letzte satt geworden war. Wer das Heidenweiblein war, das mal als junge Magd, mal als alte Frau erschien, und woher es genau kam, wusste niemand.

Heldenweiblein macht Drohung wahr

Einmal wollte es ein junger Kerl genauer wissen. Er umtanzte und umschmeichelte das Heidenweibchen, flüsterte ihm schöne Worte ins Ohr und machte ihm so lange den Hof, bis es ihm verriet, wo es wohnt. «Dü därfsch mich go bsuächä, aber dü därfsch nid gierig syy – suscht sells yych allnä schlächt gah!», sagte ihm das Heidenweibchen – und war daraufhin spurlos verschwunden. Der junge Knecht war jedoch nur auf seinen persönlichen Profit aus. Er zimmerte mit zwei anderen Knechten einen riesigen Karren und zog damit auf die Alp des Heidenweibleins. Dort bot sich ihnen tatsächlich ein paradiesischer Anblick: Während rundherum schon der Raureif am Boden stand, grasten hier die dicksten Kühe auf saftigsten Wiesen, und die Keller standen voller Käse. Mit lautem Getöse begannen die Burschen, die Keller zu räumen, alles auf ihren Wagen zu packen und das Vieh zusammenzutreiben – unter dem Wehklagen des Heidenweibleins. Doch dieses war nicht so harmlos, wie es aussah. Es machte seine Drohung wahr. Mit einem Male zog ein dreitägiges Unwetter durchs ganze Tal, liess den Schächen über die Ufer treten, fegte ganze Dächer von den Häusern weg und liess unzählige Stein­lawinen niedergehen.

Das Heidenweiblein wurde an der Sennenkilbi seitdem nie mehr gesehen. An dem Ort, wo sein Heimwesen gestanden ist, waren über Jahrzehnte oder Jahrhunderte nur noch Felsblöcke zu sehen, ohne dass Moos oder Flechten daraus gewachsen wären. Erst in den vergangenen Jahren, sagt man, würden dort langsam wieder einzelne Bergblumen blühen. (red)

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