Die Gurtneller zeigen, dass sie festen können

Der Faschingclub organisierte die 1.-August-Feier. Diese war fest in Frauenhand.

Christof Hirtler
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Das Festzelt in Gurtnellen war wegen der Schutzmassnahmen grösser als sonst.

Das Festzelt in Gurtnellen war wegen der Schutzmassnahmen grösser als sonst.

Bild: Christof Hirtler (1. August 2020)

Während Bern, Basel, Zürich, Luzern, Chur, Solothurn, Genf oder Lausanne aufgrund des bundesrätlichen Veranstaltungsverbots mit über 1000 Personen ihre Bundesfeiern strichen und auf dem Rütli Bundesrätin Simonetta Sommaruga am Nachmittag vor 200 geladenen Gästen sprach, findet ab 19 Uhr in Gurtnellen Wyler die 1.-August-Feier statt. Organisiert wird sie vom Faschingclub Gurtnellen, ein allfälliges Defizit wird von der Gemeinde übernommen.

Partysound und selbstgebackene Kuchen

Beim Spiel- und Begegnungsplatz an der Reuss steht das Festzelt, wegen der Schutzmassnahmen grösser als üblich, die Tisch- und Bankgarnituren stehen weiter auseinander und am Eingang muss man sich einschreiben. Zwei Girlanden mit Plastikfähnchen, eine mit dem Schweizer Wappen, die andere mit den Kantonswappen, die am Eingang aufgebauten Tombolapreise, ein Grillstand, eine Theke mit Kuchenbuffet, Kühlschränke und eine Musikanlage gehören zur schlichten Ausstattung der Bundesfeier in Gurtnellen. Zurzeit ist ab Laptop Ländlermusik zu hören, um 20 Uhr dröhnt Ballermannsound aus den Lautsprechern: «Atemlos durch die Nacht» (Helen Fischer), «Schatzi schenk mir ein Foto» (Mickie Krause) oder «Das geht ab» (Frauenarzt und Manny Marc). Rund 50 Personen sitzen an den Tischen, mit Ausnahme von drei Silenern, alle aus Gurtnellen. Auf dem Spielplatz zündet die Dorfjugend inzwischen ihr Feuerwerk: Ladykracher, Knallteufel, Knatterbälle, Irrlichter, Rauchtöpfe und Wunderkerzen.

Die Kinder zündeteten auf dem Spielplatz ihr Feuerwerk.

Die Kinder zündeteten auf dem Spielplatz ihr Feuerwerk.

Bild: Christof Hirtler (1. August 2020)

Die Präsidentin des Faschingclubs Gurtnellen, Sandra Dittli, hält die Fäden zusammen. Sie steht an der Theke, serviert und wird um 22 Uhr eine kurze Ansprache halten: „Für Gurtnellen ist die 1.-August-Feier eines der wenigen Dorffeste, die es noch gibt. Man kann sie an einer Hand abzählen: die Fasnacht, die Chilbi im Wyler und im Dorf und ein Fest der 1999 fusionierten Guggenmusik Smürfer-Spätzinder im September. Dieses Jahr organisiert der Faschingclub die 1.-August-Feier alleine. Nächstes Jahr wird die Brassband Gurtnellen wieder mithelfen. «Die Vereine sind für das Dorfleben zentral», sagt Sandra Dittli. «Ohne die Vereine gäbe es in Gurtnellen kein Dorfleben.» Das wichtigste an der Gurtneller 1.-August-Feier ist das Zusammensein. Auch das Feuerwerk hat Tradition. Anstatt im privaten Rahmen ein paar Raketen zu zünden, spenden viele Gurtneller für das gemeinsame Feuerwerk im Dorf.

Um 22.45 Uhr ist es so weit: Die Kinder erhalten Fackeln und der Zug setzt sich in Bewegung Richtung Dorfbrücke. Dort haben sich bereits einige Leute versammelt, um das Feuerwerk zu bestaunen. Nach einem ohrenbetäubenden Knall ergiesst sich ein zauberhaftes Schauspiel aus Silberweidenbouquets, Goldregen und Leuchtsternen – Lila, Grün, Blau, Rot, Gold – in den Gurtneller Nachthimmel. Um Mitternacht wird als letzter Programmpunkt des Abends im Festzelt die Tombola verlost und bis in die Morgenstunden weitergefeiert. «Miär machet wiiter, so lang miär meegid», hatte die Präsidentin an ihrer Ansprache versprochen.