Die Meliorationsgenossenschaft Reussebene Uri hat Grosses vor

Die Meliorationsgenossenschaft Reussebene Uri ist dafür verantwortlich, dass der Urner Talboden nicht sumpfig ist. Nun steckt man mitten im Projekt Grundlagenbeschaffung. Verwalter Martin Furrer tritt ab.

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(pd/RIN) Jährlich im März oder April führt die Meliorationsgenossenschaft Reussebene Uri (MGR) normalerweise ihre Jahresversammlung durch. Doch wegen der Coronapandemie konnte Präsident Anton Marty die Genossenschafter erst am Mittwoch, 30 September, im Restaurant Schützenhaus in Altdorf willkommen heissen, um über die anstehenden Geschäfte zu befinden.

Von links: Der neue Verwalter Elias Bricker, Präsident Toni Marty, der abtretende Verwalter Martin Furrer und das neue Vorstandsmitglied Jost Gisler.

Von links: Der neue Verwalter Elias Bricker, Präsident Toni Marty, der abtretende Verwalter Martin Furrer und das neue Vorstandsmitglied Jost Gisler.

Bild: PD

Der schriftlich abgegebene Jahresbericht wurde einstimmig gutgeheissen. «Die Wasserstände bewegten sich auf tiefem Niveau», bilanzierte der Präsident im Bericht. Dadurch konnte das Pumpwerk in Flüelen entlastet werden. Höhepunkte des Geschäftsjahres seien die Feierlichkeiten um das 100-Jahr-Jubiläum gewesen. Am 18. Oktober 2019 nutzen viele Urnerinnen und Urner die Gelegenheit, das Pumpwerk in Flüelen einmal von innen zu besichtigen. Zudem gab die Genossenschaft zum Jubiläum eine reich illustrierte Broschüre über die Geschichte des Urner Talbodens heraus.

Kamera liefert Bilder aus dem Untergrund

Die MGR steht vor der Herausforderung, das zwischen 1919 und 1925 erstellte Meliorationswerk langfristig zu erhalten. Um dies zu erreichen, hat die Genossenschaft im Jahr 2018 an der GV einen Kredit von 650'000 Franken beschlossen, um das Projekt «Grundlagenbeschaffung» zu lancieren. In drei Etappen erstellt die MGR momentan aktuelle Pläne der 100-jährigen Entwässerungsleitungen. Gleichzeitig wird mit Kanalfernsehkameras das 75 Kilometer lange Leitungsnetz auf seinen Zustand untersucht. Anschliessend will die Genossenschaft, einen Unterhaltsplan erstellen und den Entwässerungsperimeter bereinigen. Dabei sollen auch die Mitgliederdaten der Genossenschaft grundbuchamtlich auf den aktuellsten Stand gebracht werden.

Im Januar 2019 hat die MGR das Projekt «Grundlagenbeschaffung» gestartet. Inzwischen sind die Feldarbeiten in den Gemeinden Schattdorf und Erstfeld abgeschlossen. Nun steht die Datenauswertung an. Erst danach soll mit der dritten Projektetappe in den Gemeinden Altdorf und Flüelen gestartet werden. «Das Projekt ist eines der grössten Vorhaben, dass die Meliorationsgenossenschaft je realisiert hat», sagte der abtretende Verwalter Martin Furrer.

Gisler und Bricker ersetzen Furrer

Martin Furrer hat als Verwalter der Meliorationsgenossenschaft das Projekt Grundlagenbeschaffung massgeblich geprägt. Dabei war er ein wichtiger Ansprechpartner für Liegenschaftsbesitzer, die projektausführenden Firmen sowie involvierte für Behörden und Verwaltungen. Der Schattdorfer hat nun aber eine neue berufliche Herausforderung angenommen. Dadurch tritt er als Vorstandsmitglied sowie als Verwalter der Meliorationsgenossenschaft Reussebene Uri ab. Furrer amtete seit 2012 als Vorstandsmitglied und seit 2014 nebenberuflich auch als Verwalter. Er war der erst vierte Verwalter in der 100-jährigen Geschichte der Genossenschaft. Bereits sein gleichnamiger Grossvater hatte das Verwalteramt während mehrerer Jahrzehnte inne.

Die Versammlung wählte am Mittwochabend Jost Gisler aus Erstfeld an Stelle von Martin Furrer neu in den Vorstand. Der Meisterlandwirt bewirtschaftet mehrere meliorierte Flächen in der Reussebene. Als neuer Verwalter führt nun Elias Bricker aus Flüelen im Mandatsverhältnis die Geschäfte der Genossenschaft. Da Bricker kein Genossenschaftsmitglied ist, nimmt er nicht im Vorstand Einsitz. Bereits in der Vergangenheit waren die Verwalter nicht immer Vorstandsmitglieder.

Auf vielen Leitungen stehen heute Häuser

Zum Schluss der Versammlung orientierte Anton Marty die Anwesenden mit Bildern und Kanalfernsehaufnahmen über die laufenden Unterhaltsarbeiten am Leitungsnetz. Er zeigte auf, wie Schäden an den unterirdischen Leitungen überhaupt erkannt und geflickt werden. Dabei stösst er mit seinen Arbeitern immer wieder auf grosse Herausforderungen – beispielsweise, wenn eine Leitung unter einem Sportplatz oder einem Haus geflickt werden muss.

Alle Liegenschaftsbesitzer sind Mitglied

(pd/RIN) Die Meliorationsgenossenschaft Reussebene ist für die Entwässerung des früher sumpfigen Urner Talbodens westlich der Reuss zuständig. Zwischen Erstfeld und Flüelen unterhält sie ein Netz von Entwässerungsleitungen in der Länge von rund 75 Kilometer. Zum Entwässerungssystem gehören weiter künstliche Bäche wie etwa der Walenbrunnen im Rynächt oder der Giessen zwischen Altdorf und Flüelen.
Der Bund respektive der Kanton hatte die Liegenschaftsbesitzer der Reussebene bei Bau des Meliorationswerkes im Jahr 1919 dazu gezwungen, eine Genossenschaft zu gründen. Bis heute sind sämtliche Liegenschaftsbesitzer im Meliorationsgebiet zur Mitgliedschaft verpflichtet. Dabei spielt es keine Rolle, ob sie innerhalb des Perimeters Landwirtschaftsland, ein Einfamilienhaus, eine Eigentumswohnung oder lediglich einen Parkplatz besitzen.