Urner Kontrabassist ist dank der Musik schon quer durch die halbe Welt gereist

Lukas Traxel hatte erst überlegt, Musiklehrer zu werden. Doch dann entdeckte er seine Leidenschaft für den Kontrabass. Die brachte den 25-Jährigen schon nach Südafrika, China, Russland und so weiter.

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Lukas Traxel mit seinem Kontrabass. (Bild: PD)

Lukas Traxel mit seinem Kontrabass. (Bild: PD)

(pd/eca) «Diese Eindrücke und mit den Menschen vor Ort in den Dialog zu treten, egal ob während des Konzerts durch die Sprache der Musik oder nachher direkt, sind unbezahlbare Erlebnisse, welche die Schattenseiten und grossen Entbehrungen des Musikerdaseins bei weitem überstrahlen», sagt Lukas Traxel.

Als freischaffender Musiker spielt der Urner derzeit 140 bis 180 Konzerte jährlich in über einem Dutzend verschiedener Formationen, die man alle am ehesten dem Begriff Jazz zuordnet. Dabei ist er viel unterwegs. «Aber das gefällt mir auch am besten an meinem Beruf», sagt er und ergänzt:

«Die Musik hat mich schon nach Südafrika, China, Japan, Russland, Albanien und etliche mal quer durch Westeuropa gebracht.»

Dass er Musiker wurde, sei eher einer Verkettung von Zufällen zu verdanken. «Eigentlich hatte ich mir mal überlegt, Musiklehrer zu werden. Als ich jedoch zum Kontrabass wechselte und meine grosse Leidenschaft für dieses Instrument und diese Musik entdeckte, kamen immer mehr Angebote, und von einem Tag auf den anderen musste ich mich damit auseinandersetzen, ob ich überhaupt Musiker sein will», erzählt er. Zu Beginn sei dieser Weg noch schwieriger gewesen, denn die Konzerte hatten «noch nicht wahnsinnig gute Konditionen, und ich verbrachte sehr viel Zeit alleine nachts in Zügen». Mit der Zeit wurden die Umstände besser: von den Mitmusikern über die Auftrittsorte bis zu den Gagen. «Da habe ich mich entschieden, den Weg des freischaffenden Musikers weiterzuverfolgen. Diese Entscheidung habe ich bis heute nicht bereut.»

Im letzten Moment zum Kontrabass gefunden

Als Kind war Traxel Schüler der Musikschule Uri. Er fing mit Blockflöte an und wechselte dann für «drei eher unmotivierte Jahre» zur Trompete. Er wollte gerade mit dem Musikunterricht aufhören, ein Kollege von Traxel, ein Schlagzeuger, unbedingt einen Bassisten für seine Band brauchte. Dieser Freund sei immer wieder mit neuen CDs zu ihm gekommen und habe ihm Musik mit tollen Bassläufen vorgespielt, «bis ich mich in die Frequenz und die Rolle des Basses verliebt hatte».

Dass er dann weiter den Musikunterricht besuchte, war eine Bedingung seiner Eltern, damit er sich seinen ersten E-Bass besorgen durfte.

«Irgendwann war dann in der Musik, die ich hörte, immer öfter Kontrabass anstatt Bassgitarre zu hören. So hab ich dann beschlossen, mich auf den Kontrabass zu fokussieren. Und damit habe ich das Instrument gefunden, das mich bis heute tagtäglich begleitet.»

Von Lehrer und Ensembles der Musikschule profitiert

Eine weitere Weiche auf dem Weg zum Musiker stellte für Traxel dessen E-Bass-Lehrer Thomas Stalder. «Er war sehr motiviert, seine Schüler voranzubringen», sagt der 25-Jährige. «Ich habe technisch sehr schnell Fortschritte gemacht, sodass wir von Rockmusik zum anspruchsvolleren Jazz gewechselt sind. Das war mein erster Kontakt mit dieser Musik, welche mich seit jenem Zeitpunkt fasziniert.» Der Unterricht sei sehr fordernd gewesen und auf seine Bedürfnisse zugeschnitten. «Ab dem Moment, als für mich ein Musikstudium in Frage kam, hat Thomas Stalder sehr viel Wert auf die Fähigkeiten gelegt, welche in meinem jetzigen Berufsalltag ausschlaggebend sind, zum Beispiel Notenlesen, Improvisation oder die Fähigkeit, einen Notentext möglichst schnell in Musik umzuwandeln. Davon profitiere ich bis heute, und ich bin ihm dafür sehr dankbar.»

Daneben lernte er viel von den Ensembles der Musikschule Uri, darunter der Big Band unter der Leitung von Christian Simmen, wo seine Passion für den Jazz weiter wuchs.

«Ich denke, dass solche Ensembles zu den wichtigsten Punkten einer Musikschule gehören und jeder sich daran beteiligen sollte.»

Ebendiese Beteiligung wünscht Traxel der Musikschule Uri daher zum 40-Jahr-Jubiläum. «Denn zusammen Musik machen macht immer noch am meisten Spass.» Musikschulunterricht und das Erlernen und Spielen eines Instruments stimuliere – wissenschaftlich belegt – das Gehirn enorm, steigere die Gedächtnisleistung und fördere Attribute wie Kreativität, Fokussierung, Geduld oder Durchhaltewillen, zählt er auf.

«All das und die Möglichkeit, sich durch ein Instrument ausdrücken zu können, sind meiner Meinung nach für jedes Kind ein Gewinn und etwas, das es ins Erwachsenenleben mitnehmen wird. Ob es nun weiter Musik macht oder nicht.»

Der Text ist Teil einer Reihe von Artikeln zum 40-jährigen Bestehen der Musikschule Uri, die in unregelmässiger Reihenfolge bis zu den Musicalaufführungen am 24. und 25. Mai erscheinen. Als nächstes stehen am 29. und 30. März die Lehrerkonzerte in Andermatt und Altdorf an. Weitere Infos unter www.musikschule-uri.ch.