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Die Natur besser kennen lernen

Rund 60 Artenspezialisten entdeckten unzählige Lebewesen und Pflanzen. Zudem waren viele Naturliebhaber mit ihren Kindern und Experten unterwegs, um sich vor Ort orientieren zu lassen.
Paul Gwerder
Wildhüter Fredy Arnold erläutert Details zu Fotofallenaufnahmen. (Bild: Paul Gwerder, Urnerboden, 1. Juli 2018)

Wildhüter Fredy Arnold erläutert Details zu Fotofallenaufnahmen. (Bild: Paul Gwerder, Urnerboden, 1. Juli 2018)

In diesem Jahr fand der 20. Geo-Tag der Natur statt. Dabei handelt es sich um die grösste Feldforschungsaktion Europas. Angeregt wurde diese Aktion vor zwei Jahrzehnten von der Zeitschrift Geo, die damit das Bewusstsein für die Biodiversität in unseren Breiten wecken will. Auch der Kanton Uri beteiligte sich im Jubiläumsjahr an dieser Aktion.

Am Wochenende durchstreiften Forscher 24 Stunden lang die Wiesen und Weiden, den Wald, die Moorflächen und Steilhänge auf dem Urnerboden, um den verschiedenen Pflanzen, Tieren, Pilzen und Flechten auf die Schliche zu kommen. Rund 60 Forscher haben stichprobenweise die biologische Vielfalt erhoben, ausgezählt und sichtbar gemacht.

Urnerboden bietet beste Voraussetzungen

Der Urnerboden bietet mit seinen Weiden, extensiven Wiesen, Hoch- und Flachmooren, Wald- und Felspartien, dynamischen Auen und Quellgebieten beste Voraussetzungen für eine Vielfalt an alpinen Pflanzen und Tierarten. Die Artenspezialisten fanden denn auch viele Tiere und Pflanzen, wie die Auswertung der Forschungsergebnisse am Sonntagabend zeigte. Ambros Hänggi war positiv überrascht, als er die ansehnlichen Resultate präsentierte: «So wurden etwa 50 verschiedene Vogelarten und 15 Säugetiere entdeckt, darunter die kleinen Spitzmäuse. Registriert wurden aber auch rund 50 unterschiedliche Schnecken-, 30 Spinnen- und 154 Käfer- sowie 50 Tag- und rund 120 Nachtfalterarten sowie viele Heuschrecken und Insekten». Die Leute staunten nicht schlecht, dass man auf dem Urnerboden auch 380 Pflanzen fand und dazu 22 verschiedene Pilzsorten.

Bevölkerung konnte sich an 18 Exkursionen beteiligen

Am Sonntag hatte die Bevölkerung Gelegenheit, den Fachleuten an 18 Exkursionen über die Schultern zu schauen – von hiesigen Wildtüren über Amphibien und Reptilien sowie Schmetterlingen bis hin zu Medizinalpflanzen oder Wasserinsekten. Gruppenweise marschierten die aus der ganzen Schweiz angereisten Naturliebhaber, darunter auffallend viele Eltern mit ihren Kindern, «bewaffnet» mit Feldstechern, Insektennetzen oder Lupen zu den einzelnen Schauplätzen.

Besonders viele Leute interessierten sich für die Wildtiere. Wildhüter Fredy Arnold zog mit ihnen durch das nahegelegene Wäldchen und musste sie schon bei der Begrüssung enttäuschen: «Wir werden hier an diesem heissen Tag keine Wildtiere zu sehen bekommen, denn diese sind viel weiter oben.» Und weiter erklärte er: «Besonders erfreut sind wir, dass es seit ein paar Jahren in den Jegerstöcken Steinböcke zu sehen gibt. Gemsen und Rehe wohnen das ganze Jahr hier, während der Hirsch im Winter Richtung Glarnerland weiterzieht». Auf dem Urnerboden leben aber auch Marder, Schneehasen, Füchse, Dachse, Murmeltiere und zunehmend auch Feldhasen. Auf der Wanderung kam die interessierte Gruppe an einer Fotofalle vorbei. Der erfahrene Wildhüter erklärte, wie diese funktioniert und zeigte dazu ein paar wunderschöne Aufnahmen von Wildtieren, die fotografiert wurden. Arnold zeigte auf einer Karte, wo es im Kanton Uri Jagdbanngebiete gibt und erklärte: «Hirsche sind hochintelligente Tiere. Wir konnten immer wieder beobachten, dass sie genau wissen, wo sie vor Jägern sicher sind.»

Schmetterlinge und Käfer interessieren

Für die Kinder war es besonders interessant, mit der Koryphäe Ladislaus Reser auf «Falterjagd» zu gehen. Er kennt rund 1500 Schmetterlingarten auf einen Blick. Beeindruckend war, wie die Gehilfen des Fachmanns in kurzer Zeit mit ihren grossen Netzen Schmetterlinge einfingen und nach einer kurzen Erläuterung durch Ladislaus Reser wieder in die Freiheit entliessen.

Den jüngsten Geo-Tag-Besuchern machte es grossen Spass, am Bachufer nach Käfern zu buddeln. Adrienne Frei unterstützte die Kinder bei der Suche, denn ohne ihre Hilfe hätte man die kleinen Lebewesen, die als artenreichste Tiergruppe gilt, oft gar nicht gefunden. Viel Wissenswertes erfuhren die Kinder auch in der Jungforscher-Feldwerkstatt des Urners Urs Wüthrich. In der Turnhalle gab es zahlreiche Tierpräparationen und Fotos zu sehen. Den Wild- und Honigbienen und dem Wildheuen waren eigene Stände gewidmet.

Urner Justizdirektorin spricht von Riesenerlebnis

Für die Urner Regierungsrätin Heidi Z’graggen war der Sonntag, an dem sie auch an einigen Exkursionen teilnahm, ein Riesenerlebnis: «Ich bin enorm beeindruckt, wie sich die Forscherinnen und Forscher an diesen beiden Tagen mit der Natur auseinandergesetzt haben», sagte sie unserer Zeitung gegenüber. «Es war aber sicher auch ein riesiges Erlebnis für die Gäste, welche die Vielfalt der Pflanzen und Tiere hier auf der grössten Schweizer Alp erleben durften».

Die Verantwortlichen haben mit diesem GEO-Tag auf dem Urnerboden ihr Ziel vollständig erreicht, denn in Zukunft werden die Leute die Natur mit ganz anderen Augen betrachten und Pflanzen und Tiere entdecken, die ihnen bis heute unsichtbar geblieben sind.

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