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Skilehrer fahren in Andermatt die Piste runter wie anno dazumal

Am Wochenende setzten Skilehrer auf Holz statt Hightech. Anlässlich von «100 Jahre Skiunterricht Andermatt» führte die Skischule am Nätschen ein Nostalgie-Rennen durch, bei dem die Geschwindigkeit für einmal keine Rolle spielte.
Remo Infanger
Weil Stemmbogen mit Rock etwas schwierig sind, geht Anni Baumann aus Andermatt in die Hocke. (Bild: Remo Infanger, Andermatt, 26. Januar 2019)

Weil Stemmbogen mit Rock etwas schwierig sind, geht Anni Baumann aus Andermatt in die Hocke. (Bild: Remo Infanger, Andermatt, 26. Januar 2019)

Alte Holz-Skis statt moderne Carver, knöchellange Röcke anstelle von hautengen Rennanzügen und eine Riemenbindung, die mehr schlecht als recht hält: Schneesportler wurden am Samstagnachmittag, 26. Januar, bei der Nätschen-Mittelstation in Andermatt Zeugen eines Skirennens der etwas anderen Art.

Verantwortlich für die vorfasnächtliche Stimmung auf der Piste war die Skischule Andermatt. Diese feiert heuer nämlich ihr 85-jähriges Bestehen und gleichzeitig 100 Jahre Skiunterricht in Andermatt. «Die Idee des Nostalgie-Skifahrens ist es, alte Zeiten wieder aufleben zu lassen», erklärt Ruedi Baumann, Skischulleiter und Initiant des Jubiläumsanlasses. Dafür hätten aktive und ehemalige Skilehrer aus Andermatt, Sedrun und weiteren Orten ihre Estrichs nach Gewändern oder Skilehrer-Outfits aus längst vergangenen Jahrzehnten durchstöbert.

«Untenrum» eine luftige Angelegenheit

Nachdem Landammann und OK-Präsident Roger Nager die Zuschauer und knapp 50 Teilnehmer begrüsst hatte, wurde in vier verschiedenen Kategorien gestartet, die den Zeitepochen des Skisports entsprechen. Dabei gewann das Rennen nicht der, der als erstes die Ziellinie überquerte. «Eine Jury bewertet Originalität und Technik, und wie authentisch der Auftritt zwischen den Toren ist», sagt Baumann.

Dass es kein leichtes Unterfangen war, die Strecke auf den altbekannten «Pommes-Frites-Skis» zu meistern, musste auch Marcel Baumann feststellen. «Es ist natürlich eine Umstellung, plötzlich auf diese Retro-Skis umzusteigen», so der Skilehrer aus Attinghausen. «Einerseits sind sie viel länger, und durch die fehlende Taillierung wird das Bogenschwingen schwerer.» Und wie fährt es sich mit Rock? «Es ist sicher eine luftigere Angelegenheit als sonst», musste Priska Bernet in ihrer alten Damenmode feststellen. Mehr Beinfreiheit habe man deswegen aber nicht. «Beim Stemmen ist es um die Beine herum ein bisschen eng geworden.»

In den vergangenen 100 Jahren habe sich die Skischule stark verändert. «Gruppenunterricht nehmen heute fast nur noch Kinder, Erwachsene hingegen wollen einzeln oder als Paar unterrichtet werden», weiss Ruedi Baumann. Auch die heutigen Ansprüche seien andere. «Gäste wollen nicht nur unterrichtet, sondern auch abseits der Piste betreut werden», so der Skischulleiter weiter. «Die Rolle des Skilehrers entspricht heute vielmehr der eines Touristen-Guides.»

Mit Jahrgang 1939 aufs Podest

Auf das Siegertreppchen schafften es schliesslich vier Skifahrer – pro Kategorie eine Person. Lukas Gerig siegte in der Gruppe «Carving Zeit», Heidi Gamma holte sich den Sieg der «Silbernen Zeit» und Claudia Simmen fuhr auf den obersten Podestplatz der Kategorie «Goldene Zeit». Bei der Gruppe «Kronjuwelen Zeit» siegte Piero Vezani. Mit Jahrgang 1939 war er gleichzeitig auch der älteste Teilnehmer. Dass Vezani die Jury am meisten überzeugen konnte, mag kein Zufall sein – der Andermatter war 60 Jahre lang als Skilehrer tätig und bewies, dass er die eleganten Hüftschwünge keineswegs verlernt hat.

Unter allen Startnummern wurde auch ein Paar Skis, signiert von Wendy Holdener, verlost. Diese durfte Roman Cavegn nach Hause nehmen. Nach dem Rennen führte ein Umzug durch das Dorf Andermatt. Bei der anschliessenden Skichilbi in der Aula beim Bodenschulhaus liessen die Gäste und Skilehrer das 100-Jahr-Jubiläum ausklingen.

Lederschuhe zum Schnüren und Holzbretter ohne Stahlkanten – für geübte Skilehrer wie Gerhard (rechts) und Werner Danioth kein Grund für Stemmbogen. (Bild: Remo Infanger (Andermatt, 26. Januar 2019))
Die Teilnehmer des Nostalgie-Rennens liessen längst vergangene Zeiten auch modisch wieder aufleben. (Bild: Remo Infanger (Andermatt, 26. Januar 2019))
Eine bunte Schar ehemaliger und aktiver Skilehrer hat sich zum Nostalgie-Rennen getroffen. (Bild: Remo Infanger (Andermatt, 26. Januar 2019))
Nico Meier (rechts) und Roman Cavegn aus Sedrun donnerten mit dem Schlitten die Strecke runter. (Bild: Remo Infanger (Andermatt, 26. Januar 2019))
Piero Vezani aus Andermatt (links), der mit Jahrgang 1939 der älteste Teilnehmer und Sieger der Kategorie «Kronjuwelen Zeit», begutachtet die Fahrt von Konkurrentin Anni Baumann aus Attinghausen. (Bild: Remo Infanger (Andermatt, 26. Januar 2019))
Wie anno dazumal geht es für Piero Vezani aus Andermatt (rechts) und Gerhard Danioth aus Andermatt nicht mit Lift, sondern zu Fuss zum Startpunkt des Skirennens. (Bild: Remo Infanger (Andermatt, 26. Januar 2019))
Weil Stemmbogen mit Rock etwas schwierig sind, geht Anni Baumann aus Attinghausen in die Hocke. (Bild: Remo Infanger (Andermatt, 26. Januar 2019))
Die Teilnehmer des Nostalgie-Rennens liessen sich modisch so einiges einfallen, im Bild Sandro Muscas (vorne, links) und Roland Wild (vorne, rechts) aus Sedrun. (Bild: Remo Infanger (Andermatt, 26. Januar 2019))
Gerhard Danioth (links) und Werner Danioth aus Andermatt geniessen das Nostalgie-Rennen. (Bild: Remo Infanger (Andermatt, 26. Januar 2019))
In alter Militäruniform fährt es sich auch heute noch gut Ski. (Bild: Remo Infanger (Andermatt, 26. Januar 2019))
Voll Konzentration fährt Walter Bernet aus Andermatt auf alten Skis den Hang hinab. (Bild: Remo Infanger (Andermatt, 26. Januar 2019))
Marc Graf aus Sedrun startete beim Nostalgie-Rennen in der Kategorie «Kronjuwelen Zeit». (Bild: Remo Infanger (Andermatt, 26. Januar 2019))
Hat bis heute nicht ausgedient: die gute alte Stemmbogen-Technik. (Bild: Remo Infanger (Andermatt, 26. Januar 2019))
Für das Nostalgie-Skirennen holten die Teilnehmer alte Holz-Skis aus dem Estrich. (Bild: Remo Infanger (Andermatt, 26. Januar 2019))
Auch junge Athleten versetzten sich in längst vergangene Zeiten. (Bild: Remo Infanger (Andermatt, 26. Januar 2019))
15 Bilder

Nostalgie-Skirennen in Andermatt

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