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Sisiger Gemeindepräsident Abegg über «Axenverhinderer»: «Die Situation wird langsam absurd»

Der Sisiger Gemeindepräsident Timotheus Abegg spricht über die Stimmung im Dorf und sagt, was er von «Axenverhinderern» hält.
Interview: Bruno Arnold
Gemeindepräsident Timotheus Abegg freute sich am vergangenen Samstag über den Grossaufmarsch beim Strassenfest in Sisikon und über die damit unter Beweis gestellte Solidarität mit den Sisigern. (Bild: Bruno Arnold (Sisikon, 17. August 2019))

Gemeindepräsident Timotheus Abegg freute sich am vergangenen Samstag über den Grossaufmarsch beim Strassenfest in Sisikon und über die damit unter Beweis gestellte Solidarität mit den Sisigern. (Bild: Bruno Arnold (Sisikon, 17. August 2019))

Seit dem Felssturz vom 28. Juli ist die Axenstrasse zwischen Sisikon und der Tellsplatte für den Strassenverkehr gesperrt. Dies dürfte bis Mitte September so bleiben. Gemeindepräsident Timotheus Abegg ist seither der gefragteste Sisiger – nicht nur bei der Organisation von Sondermassnahmen, sondern auch bei den Medien. Im Interview nimmt er unter anderem Stellung zur Situation im Dorf, zum Strassenfest vom Samstag und zum Warten auf den Entscheid des Eidgenössischen Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek).

Ist Gemeindepräsident von Sisikon seit dem 28. Juli ein Vollamt?

(lacht)

Zwei Wochen war es das definitiv. Es ist einiges gelaufen, die ganze Sache hat mich wirklich enorm gefordert und auch belastet. Der Gemeinderat musste in Kooperation mit dem Bund, den Kantonen Uri und Schwyz sowie den Nachbargemeinden Flüelen, Riemenstalden und Brunnen innert kurzer Zeit verschiedene Dinge orga­nisieren. Ich denke etwa an Aufgaben in den Bereichen Polizei- und Feuerwehrwesen sowie medizinische Versorgung, aber auch an die Postzustellung oder die Abfallentsorgung und einiges mehr.

Wie erleben Sie die Stimmung im Dorf rund drei Wochen nach der Axensperrung?

Es gibt zwei Lager respektive ein lachendes und ein weinendes Auge. Die einen schätzen die plötzliche Ruhe im Dorf, die mit dem Ausbleiben des Verkehrs eingekehrt ist, aber auch den spürbaren Zusammenhalt der Bevölkerung. Die andern, die bisher täglich die Axenstrasse als Weg zur Arbeit benützen konnten, müssen sich neu organisieren und zum Teil grosse Umwege rund um den See herum in Kauf nehmen. Dazu kommt, dass die Gastronomie in Sisikon massive Einbussen zu verzeichnen hat und somit grossen finanziellen Schaden davonträgt.

Sisikon organisiert ein gemütliches Fest auf der Strasse. Wie lange dauert es, bis die Sisiger «richtig» auf die Strasse gehen?

Unter Umständen nicht mehr lange. Aktuell erhalten wir – auch dank des Medieninteresses – eine Super-Plattform, um auf unser Anliegen aufmerksam zu machen. Ich befürchte aber, dass wir Sisiger schon bald nach der Aufhebung der Sperre wieder in Vergessenheit geraten werden.

Dann ist das Strassenfest so etwas wie Galgenhumor?

(lacht)

Ja, das kann man so sehen. Allerdings soll unsere Aktion auch ein klares Statement an die Regierung sowie an die Gegner der Umfahrung sein.

Wie wollen Sie Ihrem Anliegen in Zukunft Aufmerksamkeit auf nationaler Ebene verschaffen, um nicht wieder in Vergessenheit zu geraten?

Wir müssen wohl neue Ideen kreieren, um auf die unzumutbaren Zustände mit rund 16000 Fahrzeugen hinzuweisen, die tagtäglich durch Sisikon verkehren. Bereits seit Jahrzehnten wird der Ausbau der Axenstrasse verzögert und verhindert. Es ist an der Zeit, endlich Position zu beziehen und Nägel mit Köpfen zu machen. Wir wollen endlich ernst genommen werden. Nicht nur der Bund, sondern auch die Kantone Schwyz und Uri müssen in dieser Angelegenheit vorwärtsmachen, Klartext sprechen und die «Axenverhinderer» zur Vernunft bringen. Wir warten mittlerweile bereits seit bald fünf Jahren auf die Plangenehmigungsverfügung. Eigentlich war die Eröffnung des Tunnels ja für 2017 geplant. Jetzt könnte es unter Umständen noch immer rund zehn Jahre dauern, falls die Gegner die Verfügung des Uvek ans Bundesverwaltungs- und Bundesgericht weiterziehen. Meines Erachtens ist die ganze Situation langsam, aber sicher absurd. Auch beim Uvek müsste man sich ernsthafte Gedanken machen zu dieser jahrelangen Pendenz. Das ist nicht gerade gut für das grundsätzliche Vertrauen in Behörden und Amtsstellen. Wir haben deshalb auch Gespräche mit den Urner und Schwyzer Bundesparlamentariern geführt und sie aufgefordert, in unserem Interesse aktiv zu werden.

Sie haben also kein Verständnis für das gegnerische Komitee, das den Bau der neuen Axenstrasse wegen der drohenden Kapazitätserweiterung verhindern will?

Nein, mittlerweile überhaupt nicht mehr. Ich finde diese Haltung mittlerweile fast schon lächerlich. Mit den geplanten flankierenden Massnahmen auf der alten Axenstrasse erreichen wir höchstens eine Verkehrsverlagerung in den Berg hinein. Wir provozieren damit keine Kapazitätserweiterung. Hinzu kommt, dass es immer gefährlicher wird auf der Axenstrasse und dass es somit eine Pflicht ist, auf Bundesebene endlich was zu unternehmen für die Sicherheit der Bevölkerung.

Aber vier statt zwei Spuren bringen im Normalfall mehr Verkehr.

Dass das gesamte Verkehrsaufkommen schweizweit generell steigen wird, ist meines Erachtens kaum zu verhindern. Aber was den Axen betrifft, dürften die Zahlen in etwa gleich bleiben und sicher nicht derart stark ansteigen, wie die Gegner dies weismachen wollen. Dafür dürften die erwähnten flankierenden Massnahmen.

Haben die Sisiger Gemeindebehörden mit den Gegnern Gespräche geführt?

Solche Gespräche hat es in der Vergangenheit gegeben. Während des laufenden Verfahrens war dies aber nicht mehr der Fall, da die Positionen ganz einfach verhärtet sind. Vielleicht müsste man wirklich das Verbandsbeschwerderecht abschaffen oder die Einsprecher privat haftbar machen und ihnen im Falle einer Niederlage die Kosten auferlegen, die durch Verzögerungstaktiken nachweislich entstehen.

Und Ihr Tipp ans Uvek?

Die gleichzeitige Realisierung der beiden Tunnels ist aus nationaler Sicht – und ohne Sisiger Eigeninteressen in den Vordergrund zu stellen –sicher die optimale Lösung. Durch eine Etappierung, beispielsweise mit dem Vorziehen des Baus des Sisikoner Tunnels, würde die Realisierung der ganzen neuen Axenstrasse nämlich nur teurer, und auch die Bauzeit dürfte sich dadurch verlängern. Dies ist nicht die Lösung der Probleme am Axen.

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