Die Sommerausstellung im Historischen Museum Uri gibt Einblicke in die Urner Medizingeschichte

Die Urner Ärztegesellschaft feiert heuer das hundertjährige Bestehen. In der Ausstellung im Historischen Museum geht es um die Geschichte der Medizin im Kanton. Dabei werden sowohl die Schul- als auch die Volksmedizin beleuchtet.

Markus Zwyssig
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Die Sommerausstellung stiess bei der Vernissage am Dienstagabend auf grosses Interesse.

Die Sommerausstellung stiess bei der Vernissage am Dienstagabend auf grosses Interesse.

Bild: Markus Zwyssig (Altdorf, 18. August 2020)

Aktueller könnte die Ausstellung im Historischen Museum Uri nicht sein. Die Sommerausstellung in den Räumlichkeiten an der Gotthardstrasse 18 in Altdorf zeigt, wie Menschen im Kanton Uri zu früheren Zeiten mit Seuchen und Krankheiten umgegangen sind. «Die Coronapandemie hat zu einschneidenden Einschränkungen im privaten und beruflichen Umfeld geführt», sagte Matthias Halter, Präsident des Historischen Vereins Uri, bei der Vernissage am Dienstagabend. Noch immer habe sie uns fest im Griff.

Matthias Halter, Präsident des Historischen Vereins Uri, bei der Vernissage der Sommerausstellung, die mit den nötigen Schutzkonzept gezeigt werden kann.

Matthias Halter, Präsident des Historischen Vereins Uri, bei der Vernissage der Sommerausstellung, die mit den nötigen Schutzkonzept gezeigt werden kann.

Bild: Markus Zwyssig (Altdorf, 18. August 2020)

Ob das Ereignis historischen Ausmasses sei, darüber würden die Forscher zu einem späteren Zeitpunkt zu argumentieren haben. Die Auswirkungen auf Wirtschaft, Gesellschaft und Sport seien massiv. «Die globale Dimension der Pandemie ist von signifikanter Bedeutung», gab sich Halter überzeugt. «Wir müssen weit in der Geschichte zurück blättern, um ein Ereignis zu finden, bei dem wir etwas Ähnliches erlebt haben: der Zweite Weltkrieg, der vor 75 Jahren zu Ende gegangen ist.»

Der Vorstand des Historischen Vereins hat aus der Not das ursprüngliche Jahresprogramm angepasst. Die Jahresversammlung fiel aus, die Burgenfahrt musste auf 2021 verschoben werden. Halter freute sich aber, dass man das Museum trotzdem öffnen und die Sommerausstellung realisieren konnte. An der Vernissage am Dienstagabend konnte zudem eine neue Ausgabe des Historischen Neujahrsblatts vorgestellt werden.

Altes Wissen, magisches Denken

Inspiriert durch das hundertjährige Bestehen der Urner Ärztegesellschaft in diesem Jahr, widmet sich die Sommerausstellung der Urner Medizingeschichte. Walter Bär, Vorstandsmitglied des Historischen Vereins Uri und zusammen mit einem Team verantwortlich für die Ausstellung, zeigte auf, dass sowohl die Schul- als auch die Volksmedizin vorgestellt werden. Die Exponate gehören einerseits zum Fundus des Museums, andererseits haben die Verantwortlichen einige für die Dauer der Ausstellung leihweise erhalten.

Walter Bär hat zusammen mit einem Team eine Ausstellung zur Urner Medizingeschichte geschaffen, die sowohl auf die Schul- als auch die Volksmedizin eingeht.

Walter Bär hat zusammen mit einem Team eine Ausstellung zur Urner Medizingeschichte geschaffen, die sowohl auf die Schul- als auch die Volksmedizin eingeht.

Bild: Markus Zwyssig (Altdorf, 18. August 2020)

«Bis ins 20. Jahrhundert hat sich unsere Gesundheit nicht oder nicht nur auf den Körper bezogen, sondern auch die Seele umfasst», erklärte Bär. «Die Bevölkerung hat Krankheiten nicht auf fass- und behandelbare Ursachen zurückgeführt, sondern auf das Wirken von Krankheitsdämonen und Zauberhandlungen feindlich gesinnter Menschen und Mächte, ja sogar auf die Strafe Gottes.» Neben zahlreichen alten medizinischen Instrumenten sind in der Ausstel­lung auch Zeugnisse aus der Volksheilkunde zu sehen, die mit altem Wissen, aber auch mit magi­schem Denken und religiösem Glauben zu tun haben.

Die Ausstellung im Historischen Museum Uri gibt einen breiten Einblick in die Urner Medizingeschichte.

Die Ausstellung im Historischen Museum Uri gibt einen breiten Einblick in die Urner Medizingeschichte.

Bild: Markus Zwyssig (Altdorf, 18. August 2020)

Die Ausstellung zeigt aber auch den medizinischen Fortschritt vom damaligen Bader zum heuti­gen akademischen Mediziner. Erzählt wird von Plagen und Epidemien, unter denen die Menschen litten. Beschrieben wird die Entwicklung vom Ar­men- zum Kran­kenhaus. Die Ausstellung wirft einen Blick in die früheren Badestuben so­wie auf den Tagesablauf bei einem Kuraufenthalt und schildert die damali­gen Praktiken vor, während und nach der Geburt.

Im Historischen Museum Uri ist eine Sommerausstellung zur Urner Medizingeschichte mit vielen historischen Dokumenten zu sehen.

Im Historischen Museum Uri ist eine Sommerausstellung zur Urner Medizingeschichte mit vielen historischen Dokumenten zu sehen.

Bild: Markus Zwyssig (Altdorf, 18. August 2020)

«Der Rückgang der Säuglingssterblichkeit war weitgehend das Ergebnis der laufenden Verbesserungen der Geburtshilfe und der Säuglingspflege», so Bär. Für den Rückgang der Kindersterblichkeit seien die Massnahmen gegen die Ausbreitung ansteckender Infektionskrankheiten ausschlaggebend gewesen. «Beherrschten früher vornehmlich Infektionskrankheiten und schwerwiegende Epidemien das Krankheitsbild des Menschen, so traten im 20. Jahrhundert Erkrankungen des Herz-, Kreislauf- und des Atmungssystems und des Bewegungsapparats sowie zunehmend psychosoziale Störungen in den gesundheitlichen Mittelpunkt».

Neujahrsblatt: Jungfernkopfbedeckungen, Sozialwesen im Schächental und Papierkrippen

Romed Aschwanden freute sich, an der Vernissage am Dienstagabend die neuste Ausgabe des Historischen Neujahrsblatts vorzustellen. Er ging auf die inzwischen bereits 125-jährige Geschichte des Druckerzeugnisses ein. Darin schreiben sowohl namhafte Historiker als auch engagierte Amateurforscher. Die Bücher seien eine gute Quelle für historische Arbeiten zu Urner Themen. In der neusten Ausgabe hat Alois Kempf am Beispiel dreier Witwen aus dem Schächental über das Sozialwesen im 18. und frühen 19. Jahrhundert geschrieben. Sander Kunz geht auf die Jungfernkopfbedeckungen in der Schweizer Tracht ein. Rahel Wunderli schreibt über die Entwicklungen der Korporation Uri seit 1888. Walter Bär stellt die Papierkrippen für Weihnachten vor. Romed Aschwanden schliesslich geht auf die 125-jährige Geschichte des Neujahrsblatts ein. 

Sie haben für die neustes Ausgabe des historischen Neujahrsblatts geschrieben: Rahel Wunderli, Alois Kempf, Romed Aschwanden, Sander Kunz und Walter Bär (von links).

Sie haben für die neustes Ausgabe des historischen Neujahrsblatts geschrieben: Rahel Wunderli, Alois Kempf, Romed Aschwanden, Sander Kunz und Walter Bär (von links).

Bild: Markus Zwyssig (18. August 2020)

Hinweis: Die Ausstellung im Historischen Museum Uri ist bis 14. Oktober jeweils mittwochs, samstags und sonn­tags von 13 Uhr bis 17 Uhr geöffnet. Gruppen können die Ausstellung auch aus­serhalb dieser Öffnungszeiten – mit oder ohne Führung/mit oder ohne Apéro – besuchen (Auskunft Fa­milie Arnold, Te­lefon 041 870 19 06).

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