Leserbrief

Die Sonne Argentiniens wird nie mehr aufgehen

Zum Tod von Diego Maradona

Giulio Zenoni, Altdorf
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Ich glaube, Sie erahnen, wovon ich schreibe. Richtig. Vom einzigen Fussballkünstler, der sogar Tore mit der Hand erzielen durfte. Diegito Armando Maradona. Ein Begnadeter! Verliebtes, hilfloses Kind bis zum 25. November 2020. Seine Art zu leben hat in unserer Zeit von Eitelkeitshetze und Selbstfindung, Inszenierungen an den zahllosen Cüpli-Events (sie erinnern mich an Begräbnisse) keinen Platz mehr.

Ich kenne Argentiniens Seele als Terzo-Italiener, als Nachfahre von Einwanderern in die Schweiz. Urgrossvater Giulio bürgerte sich 1923 in Gurtnellen, als Steinhauer und Gelegenheitswirt, ein. Friedrich Gisler unterschrieb von Amtes wegen in Kunstschrift für das stolze Uri im Rathaus. Argentiniens Indianer der 30-er Jahre wurden durch emigrierende Italiener und Spanier ebenfalls durchgemischt. Man darf sogar von einer Durchwürzung sprechen. Man speiste plötzlich Salami und schloss ein Mahl mit Dolce di Lece ab. Die Seele Argentiniens gibt es nicht. Maradona war der Ersatz, der Traum einer Vision, die 1986 im Aztekenstadion Mexiko die göttliche Erfüllung fand: Fussballweltmeister!

Sie können lesen und visionieren aus Maradonas Leben, was sie wollen. Die Fragezeichen, Geheimnisse, Faszination dieses zerbrechlichen Genies werden für immer bleiben. Seien sie versichert: auf der Schützenmatte Altdorf, auf dem Grünen Wald Schattdorf, ESC Campo Erstfeld, Aschoren Flüelen und auf sämtlichen Pausenplätzen Uris hätte es ohne diesen Strassenkicker Maradona nie und nimmer so viele Nacheiferer, inspirierte und infizierte Jugendliche gegeben.

Die Nummer 10. Trotz allem. Der Traum vom glücklichen, erfüllten Leben, mit dem Segen Papst Franziskus. Oder kann gar Udo Jürgens Buenos Dias Argentina helfen?