Die Spitex testet auf Corona: Der Kanton Uri als Vorreiter

Als schweizweit erster Kanton führte der Kanton Uri Coronatests mit Hilfe der Spitex durch. Das soll die Spitäler entlasten.

Christian Tschümperlin
Drucken
Teilen
Spitex-Mitarbeiterin Regula Gisler bei einem Coronatest: Er dauert nur wenige Sekunden, schmerzt nicht, ist aber unangenehm.

Spitex-Mitarbeiterin Regula Gisler bei einem Coronatest: Er dauert nur wenige Sekunden, schmerzt nicht, ist aber unangenehm.

Christian Tschümperlin (8. April 2020)

Regula Gisler von der Spitex Uri hat diese Tage einen vollen Terminkalender: Allein am Mittwoch hat sie bei zehn Patienten den Coronavirus-Test durchgeführt. Nun ist Patientin Nummer 11 an der Reihe. Angst, sich anzustecken, hat Gisler keine. «Ich bin gut geschützt», sagt sie und zieht sich Mundschutz, Handschuhe, Schutzbrille und einen Schutzanzug über. Mit dabei ist dieses Mal auch Kantonsarzt Dr. med. Jürg Bollhalder. «Es ist die Idee, Personen mit leichten Symptomen zu Hause zu testen, um unnötige Wege zu vermeiden. Wir waren schweizweit die ersten mit diesem Konzept.» Die Spitex Uri macht die Nasen-Rachen-Abstriche bei den Leuten zu Hause mit speziell geschultem Pflegefachpersonal. Gisler wird dabei unterstützt von zwölf weiteren Pflegefachpersonen.

Schmerz wird selber eingeschätzt

Gisler klingelt. Die betroffene Patientin öffnet die Türe, sie trägt selber einen Mundschutz. Die Patientin klagt über eine Stirnhöhlen-Entzündung. «Auf einer Skala von 1 bis 10, von gesund bis todkrank, wie fühlen Sie sich?», fragt Gisler drinnen. «Im Moment fühle ich mich gut, aber heute Morgen hätte ich mir eine 7 oder 8 gegeben.» In den letzten Tagen sei es stetig schlechter geworden. Gisler notiert alles auf ihren Fragebogen.

Mit Blick auf die Stirnhöhlen-Entzündung sagt Kantonsarzt Bollhalder: «Das Coronavirus führt zu vielen verschiedenen Symptomen.» Anhand der Symptomen allein könne man kaum sagen, ob jemand das Coronavirus hat. Die Dunkelziffer schätzt Bollhalder als hoch ein. «Manche Leute zeigen kaum oder nur milde Symptome.» Häufig komme es vor, dass Leute über fehlenden Geschmackssinn klagen. «Die ersten validen Antikörpertests sollen aber in 1-2 Wochen kommen, dann kann man die Dunkelziffer abschätzen.»

«Es tut nicht weh, ist aber unangenehm»

Mit dabei hat Gisler eine Kiste mit dem persönlichen Schutzmaterial, dem Desinfektionsmittel und dem Test. Der Test dauert nur wenige Sekunden. Das Wattenstäbli muss über die Nase bis ganz nach hinten zum Rachenraum geschoben werden. Die Patientin muss niesen. «Weh tut es nicht, aber es ist unangenehm.»

«Patientin Nummer 11» ist als Pflegehelferin tätig.  «Die Tests erfolgen nur bei Personen, die die vom BAG definierten Testkriterien erfüllen. Insgesamt haben wir schon etwa 380 Tests im Kanton durchgeführt.»

Nun wird die Patientin isoliert und ihr Mann in Quarantäne gesetzt, bis das Testergebnis eingetroffen ist. Das heisst, sie darf das Haus nicht mehr verlassen. «Wir haben jemanden, der für uns die Einkäufe besorgt», sagt sie.

Labor in Basel untersucht

Ursprünglich wurden alle Tests beim nationalen Referenz-Labor in Genf gemacht. Aufgrund der hohen Nachfrage wurden aber zusätzliche Labors zertifiziert. Der Test der Patientin Nummer 11 wird in ein Labor in Basel geschickt. «Dabei wird überprüft, ob das Genom des Virus vorhanden ist», so Bollhalder.

Der Test kostet rund 200 Franken, die Kosten werden von der Krankenkasse oder vom Kanton übernommen.

Mehr zum Thema