Die Urner Blumensaison kann beginnen, aber Gärtnerei-Inhaber Bürgin sagt: «Meiden Sie die Stosszeiten»

Die Gärtnerei Bürgin öffnet am Montag wieder nach dem Corona-Lockdown. Inhaber Daniel Sutter blickt zurück auf eine schwierige Zeit und gibt Tipps an die Leser.

Christian Tschümperlin
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Die Vorbereitungen zur Wiedereröffnung laufen bei der Gärtnerei Bürgin in Schattdorf auf Hochtouren: Emsig karren die Gärtnerinnen Setzlinge umher, nehmen Lieferungen entgegen und bereiten die Verkaufsstellen vor. «Wir sind dabei, hochzufahren», sagt Inhaber Daniel Sutter auf einem Rundgang durch das üppig mit Pflanzen dekorierte Areal.

Gärtnerei-Bürgin-Inhaber Daniel Sutter hofft, dass sich die Kundschaft gut über den Tag verteilt.

Gärtnerei-Bürgin-Inhaber Daniel Sutter hofft, dass sich die Kundschaft gut über den Tag verteilt.

Bild: Urs Hanhart

Er ist froh, dass das Kapitel Shutdown für die Gärtnerei ab Montag vorerst abgeschlossen ist. Von Ende März bis Mitte Juni generiert Bürgin nämlich rund 70 Prozent des Jahresumsatzes.

Ob ihn am Montag ein Ansturm von Kunden erwartet, das kann Sutter noch nicht mit Sicherheit sagen. In Österreich jedenfalls wurden die Baumärkte überrannt. Man ist aber bereit: Das Schutzkonzept des Gärtnerei-Verbandes Jardin Suisse sieht sowohl Pflichten als auch Empfehlungen vor. Zu den Pflichten zählt die Massnahme, pro zehn Quadratmeter maximal einen Kunden zuzulassen. Die Gefahr, dass die Gärtnerei Bürgin deswegen auf ihrem 5500 Quadratmeter grossen Gelände an die Kapazitätsgrenzen stösst, besteht nicht: «Theoretisch könnten wir 550 Kunden hereinlassen», sagt Sutter. Realistisch sei dies allerdings nicht. Man will die Zahl der Kunden limitieren. Dafür stehen eine begrenzte Anzahl Parkplätze und Einkaufswagen vor dem Eingang, bei dem auf die Kunden übrigens ein aufgrund seiner Begehrtheit gut befestigter Desinfektionsspender wartet.

Es ist nicht zu spät, die Setzlinge auszutopfen 

Sutter rät seinen Kunden, die Stosszeiten von 9 bis 11 Uhr sowie von 17 bis 18 Uhr zu meiden, damit sich die Kundschaft besser über den Tag verteilt. «Zum Einkauf sollte man vielleicht nicht die ganze Familie einladen.» Die Risikogruppe ist aufgerufen, jemanden für den Einkauf zu beauftragen. Damit sich die Kundenströme nicht kreuzen, wurde ein Einbahnsystem eingerichtet. Bezahlen kann man weiterhin sowohl mit Bargeld als auch mit EC-Karte.

Gärtnerei Bürgin-Inhaber Daniel Sutter: «Wir sind dabei, hochzufahren.»
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Die Vorbereitungen laufen am Donnerstag vor dem Ende des Shutdowns auf Hochtouren.
Emsig werden Kulturen versetzt...
... und Blumen eingetopft.
Die Blumen spriessen in voller Pracht.

Gärtnerei Bürgin-Inhaber Daniel Sutter: «Wir sind dabei, hochzufahren.»

Urs Hanhart / Urner Zeitung

Weil die Kontakte mit den Gärtnerinnen vor Ort limitiert werden sollen, gibt Sutter bereits Tipps an die Leser unserer Zeitung: «Es ist noch nicht zu spät, die Setzlinge im heimischen Garten einzupflanzen. Gerade bei südländischem Gemüse wie Tomaten oder Zucchetti darf man ruhig noch ein, zwei Wochen zuwarten.» Denn in der Nacht komme es noch immer zu Bodenfrost. Nebst Setzlingen führt die Gärtnerei Bürgin ein breites Sortiment an schönen Sommerblumen. «Unter Einhaltung der Sicherheitsabstände können dazu Beratungen stattfinden.»

Ansturm vor Ostern zwang zur Einstellung des Lieferservices

Der Shutdown von Mitte März war für die Mitarbeiter der Gärtnerei Bürgin ein Schock. «Im ersten Moment wussten wir nicht, ob wir den Betrieb einstellen sollen und die Pflanzen einfach verdorren lassen», berichtet Sutter. Aus der Not hat die Gärtnerei aber eine Tugend gemacht und einen Lieferservice etabliert. «Vor Ostern wurden wir überrannt. Damit hatten wir nicht gerechnet.» Sehr rentabel sei das Konzept aber nicht gewesen: Die Mitarbeiter leisteten viele Überstunden und generierten so Lohnkosten, während die Hauslieferungen zu Buche schlugen. Deshalb stellte man den Lieferservice am 11. April ein. Die Zwischenzeit überbrückte man mit anderen Arbeiten wie Pflanzen eintopfen, Kulturen rücken et cetera. Gärtnereien wie Bürgin müssen stark auf die Kosten achten, weil sie seit Jahren einem anhaltenden Preiskampf durch die Grossverteiler ausgesetzt sind. Sutter erinnert sich an Zeiten, als es in Uri noch fünf weitere Gärtnereien gab.

Pandemie ist für Bürgin schlimmer als das Hochwasser

So etwas wie das Coronavirus hat der Bürgin-Inhaber jedenfalls in all diesen Jahren noch nie erlebt. Nach dem Neubau von Bürgin im Januar 2005 kam es im darauffolgenden August zwar zu einem Hochwasser, in dessen Folge die Gärtnerei zweieinhalb Meter tief unter Wasser stand. «Das Hochwasser hat damals alles zerstört, aber die Gefahr war sichtbar und es war ein schnelles Ende in Sicht. In der jetzigen Situation herrscht grosse Unsicherheit, wie es weitergeht.» Bei Bürgin will man aber das Beste aus der Situation machen: «Gärtnerei ist kein Job, es ist eine Lebensart. Die Pflanzen wachsen rund um die Uhr, jemand muss sieben Tage die Woche da sein», so Sutter. Die Mitarbeiter hoffen darauf, den Kunden mit den frischen Blumen und Setzlingen eine Freude in dieser schwierigen Zeit bereiten zu können.