Die Vision «Kraftwerk Erstfeldertal» ist kurz vor der Fertigstellung

Ende 2020 wird das Kraftwerk Erstfeldertal in Betrieb genommen und über 7000 Haushalten Strom liefern. Das Projekt wurde im Schnelldurchlauf realisiert.

Georg Epp
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Die Vision des Kraftwerks Erstfeldertal hat eine lange Geschichte. Bereits 1920, also vor 100 Jahren, wurden erste Stauversuche am Fulensee unternommen. In den 50er-, 60er- und auch 80er-Jahren rückte der Alpbach wieder in den Fokus der Energiegewinnung, alle Projektstudien wurden aber nie umgesetzt. Dank einem aussergewöhnlichen Effort ab Ende 2017 wird die Vision eines Kraftwerks im Erstfeldertal nun doch noch Wirklichkeit. Das Kraftwerk geht Ende 2020 in Betrieb und wird Strom für 7200 Haushalte liefern. Werner Jauch, Verwaltungsratspräsident des Kraftwerks Erstfeldertal AG, freute sich über das grosse Interesse am «Tag der offenen Baustelle», denn der Shuttlebus zur Wasserfassung Schopfen war gut ausgelastet. Die Besucherinnen und Besucher hielten sich an das Schutzkonzept und die Maskenpflicht.

Am «Tag der offenen Baustelle» konnten Besucher den Fortschritt des Kraftwerks Erstfeldertal bestaunen.

Am «Tag der offenen Baustelle» konnten Besucher den Fortschritt des Kraftwerks Erstfeldertal bestaunen.

Bild: Georg Epp (Erstfeld, 29.08.2020)

Eines der grössten, noch nutzbaren Gewässer in Uri

2017 war ein Kraftwerk am Alpbach im Erstfeldertal praktisch kein Thema mehr. Die Zusage für die nationale Förderung für das Projekt hatte nur noch bis Ende Jahr Gültigkeit. Damit hätte das Projekt eine wichtige wirtschaftliche Basis verloren. Trotz der schwierigen Ausgangslage versuchte EWA – energieUri die Zusage für die kostendeckende Einspeisevergütung für das Kraftwerk verlängern zu lassen und erarbeitete gleichzeitig eine Vorstudie für ein kleineres Werk. Die Verlängerung gelang Ende Dezember 2017. Das war der Startschuss für die Wiederbelebung des Projekts und einen damit verbundenen Wettlauf gegen die Zeit: Bis Ende 2018 mussten die Konzession und die Baubewilligung für das Projekt vorliegen. Dieser Prozess nimmt in der Regel mehr als zwei bis drei Jahre in Anspruch.

Ab Jahresende 2017 ging es Schlag auf Schlag mit dem Projekt Kraftwerk Erstfeldertal. Im Februar 2018 einigten sich die Projektpartner –die Gemeindewerke Erstfeld, EWA – energieUri, der Kanton Uri und die Korporation Uri – über die neue Projektorganisation. Ende Juli 2018 wurde das Baugesuch zur Vorprüfung eingereicht. Im August konnten sich die Träger des Projekts mit den Umweltschutzorganisationen einigen. Am 3. Oktober 2018 erteilte der Urner Landrat dem Projekt die Konzession ohne Gegenstimme. Am 19. Oktober 2018 wurde das Baugesuch publiziert und aufgelegt. Da keine Einsprachen eingingen, erhielt das Projekt Kraftwerk Erstfeldertal am 19. November 2018 schliesslich die Baubewilligung.

Dieser Prozess im Zeitraffer, der einen Projektfortschritt bis hin zur Baubewilligung in weniger als ein Drittel der sonst üblichen Zeit möglich machte, ist eine einmalige und aussergewöhnliche Leistung. Die Projektmitarbeitenden leisteten unzählige Überstunden und verzichteten auf Ferien und Freizeit im 2018, sonst hätte es nicht gereicht.

Trotz Corona sind die Arbeiten auf Kurs

Am 17. Mai 2019 erfolgte der Spatenstich für das Kraftwerk Erstfeldertal. Nach etwas mehr als einem Jahr Bauzeit sind im Sommer 2020 zahlreiche wichtige Meilensteine erreicht. Am Freitag, dem 13. März 2020, erfolgte der Durchbruch beim Rohrstollen. Die Untertagsarbeiten mit Sprengvortrieb beim Entsanderstollen, Schrägschacht und Rohrstollen sind abgeschlossen. Die Arbeiten an der Kraftwerkzentrale sind ebenfalls auf Kurs. Ende 2020 wird das Kraftwerk planmässig in Betrieb gehen. Das ist nicht selbstverständlich, denn die Coronapandemie stellte zusätzliche Herausforderungen: Das fing an mit den Schutzmassnahmen des Bundesamtes für Gesundheit auf den Baustellen. Auch die internationalen Lieferketten wurden sehr schnell unterbrochen. Und schliesslich leisteten die Mineure aus Österreich und Deutschland einen Sondereffort.

Beim KW Erstfeldertal wird Triebwasser im Gebiet Schopfen auf 730 Metern Höhe gefasst. Die Fassung besteht im Wesentlichen aus einer neun Meter breiten Stauklappe, einem Grobrechen, zwei Einlaufschütze, einem Spülschütz, dem Feinrechen, einer horizontalen Rechenreinigungsmaschine und einem HSR-Entsandersystem. Daran anschliessend gelangt das Triebwasser in eine Druckrohrleitung aus Stahl der Dimension DN 1400. Auf seinem Weg zur Maschinenzentrale auf 464 m ü. M. strömt es durch die rund 1'000 Meter lange Rohrleitung, die auf einer Länge von 900 Metern durch einen Stollen führt. In der Kraftwerkzentrale sind drei Maschineneinheiten mit einer Leistung von insgesamt 11,5 Megawatt (MW) untergebracht. Konkret handelt es sich um zwei baugleiche, grössere Peltonturbinen mit einer Nennleistung von jeweils 5,75 MW und eine kleinere Winterturbine – ebenfalls eine Peltonturbine mit 0,65 MW.

Nachhaltiger Strom für die Energiezukunft

Die Investitionssumme für das Kraftwerk Erstfeldertal beträgt 37 Millionen Franken, der Ausbau der Wasserkraft ist eine zentrale Stossrichtung der Energiestrategie des Kantons Uri. Das Kraftwerk Erstfeldertal unterstützt zusammen mit den anderen neuen Kraftwerken Bristen, Gurtnellen, Schächen und Palanggenbach diese Strategie und auch die Energiestrategie des Bundes. Das Kraftwerk wird pro Jahr rund 500'000 Franken Wasserzinsen generieren und für zusätzliche Steuereinnahmen für die Gemeinde Erstfeld und den Kanton Uri sorgen.

Zahlen und Fakten zum Kraftwerk Erstfeldertal

Kraftwerktyp: Laufwasserkraftwerk

Fassung: 730 m ü.M.

Zentrale: 482 m ü.M.

Druckleitung: 1000 m

Durchmesser Druckleitung: 1400 mm

Bruttogefälle: 248 m

Ausbauwassermenge: 5,5 m3/s

Leistung: 11,5 MW

Jahresproduktion: 32 GWh

Investition: ca. 37 Millionen Franken

Wasserzinsen: ca. 500'000 Franken/Jahr

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