Der Urner Landrat ist komplett – die Reaktionen

Das Kantonsparlament ist nun komplett. Bruno Arnold und Walter Baumann schaffen in Seedorf und Göschenen den Sprung ins Kantonsparlament.

Markus Zwyssig und Florian Arnold
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Bruno Arnold

Bruno Arnold

PD

Der Parteilose Bruno Arnold ist mit 266 Stimmen in Seedorf in den Landrat gewählt worden. Er zeigte sich erfreut über das gute Resultat. Dem 64-jährigen Seedorfer ist es ein Anliegen, den Stimmbürgern für die Unterstützung zu danken, die er bereits im ersten und nun auch im zweiten Wahlgang erhalten hat. Die politische Ausrichtung des ehemaligen Redaktionsleiters der «Urner Zeitung» ist klar: «Wie ich bereits im Wahlkampf transparent gemacht habe, werde ich mich der CVP-Fraktion anschliessen.» Das gute Ergebnis sei wohl auch auf mit gewissen Hoffnungen verbunden, dass er weiterhin so kritisch bleibe, wie er es bereits als Journalist gewesen sei. Auch sein breites politisches Wissen dürfte ausschlaggebend für die Wahl gewesen sein. «Ich brauche wohl nicht so eine grosse Einarbeitungszeit, denn ich bin mit den wichtigsten politischen Themen im Kanton vertraut», gibt sich Arnold überzeugt. Zudem sei er an vielen Gemeindeversammlungen in Seedorf dabei gewesen, entweder als Bürger oder als Journalist.

Flavia, Schuler-Planzer, SVP, Seedorf

Flavia, Schuler-Planzer, SVP, Seedorf

PD

Flavia Schuler erzielte 167 Stimmen. «Ich bin enttäuscht, denn ich hätte es begrüsst, wenn noch mehr Frauen in den Landrat eingezogen wären», sagte die SVP-Politikerin. Ihr Konkurrenten Bruno Arnold sei wohl etwas bekannter gewesen. Sie selber habe für den zweiten Wahlgang versucht, viele Leute zu mobilisieren. «Aber man kann halt niemanden zum Abstimmen zwingen.» Was dies für ihr künftiges politisches Engagement bedeuten wird, kann die Familienfrau noch nicht sagen.

Céline, Walker, SP, Seedorf

Céline, Walker, SP, Seedorf

PD

Céline Walker von SP/Grüne holte 75 Stimmen. «Es war für mich schön, zu sehen, dass es 75 Personen gibt, denen offenbar dieselben Dinge wichtig sind wie mir», sagt Walker. Ihrer Einschätzung nach wähle Seedorf wohl eher etwas konservativer und Konkurrent Bruno Arnold habe wohl mit viel Erfahrung und Bekanntheit gepunktet. Ihrer Motivation für die Politik tut das Resultat allerdings keinen Abstrich: «Es lohnt sich auf jeden Fall, sich weiterhin einzusetzen. Ich möchte aktiv bleiben.» Die Stimmbeteiligung in Seedorf lag bei fast 40 Prozent.

Walter Baumann holt Sitz in Göschenen

Walter Baumann, parteilos, Göschenen

Walter Baumann, parteilos, Göschenen

PD

Der 65-jährige ehemalige Göschener Gemeindeschreiber Walter Baumann schaffte im zweiten Wahlgang mit 111 Stimmen den Sprung in den Landrat. «Ich habe riesige Freude, dass ich Göschenen im Kantonsparlament vertreten darf.» Mit den Anliegen der Gemeinde ist Baumann bestens vertraut. Er ist in Göschenen aufgewachsen, war dann zwar auswärts, arbeitete aber 38 Jahre als Gemeindeschreiber. Zudem war er in vielen Vereinen aktiv. Zu den Turbulenzen im Vorfeld meint er: «Ein zweiter Wahlgang ist immer ein bisschen hitziger als der erste.» Das sei in Göschenen schon früher so gewesen. Vor allem früher sei es auch immer wieder zu Kampfwahlen gekommen. «Wir sind eine kleine Gemeinde und jeder kennt jeden. Das ist gar nicht so einfach.» Grundsätzlich sei es alles in allem trotzdem fair abgelaufen. «Der Souverän hat entschieden, ich hoffe, das wird nun auch akzeptiert.» Als Parteiloser hat sich Baumann noch nicht entschieden, welcher Fraktion er beitreten wird. «Ich werde nun mit den bürgerlichen Parteien das Gespräch suchen. Entschieden ist aber noch nichts.»

Soraya, Sägesser, SP, Göschenen

Soraya, Sägesser, SP, Göschenen

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Soraya Sägesser (SP/Juso) verpasste die Wahl um 12 Stimmen. «Ich bin stolz, dass ich nochmals 20 Stimmen gegenüber dem ersten Wahlgang zulegen konnte», sagt die Göschnerin. «Rund ein Drittel der Göschner stand hinter mir und das motiviert mich für die Zukunft.» Die erst 20-Jährige kann sich gut vorstellen, zu einem späteren Zeitpunkt nochmals zu kandidieren. Walter Baumann habe es mit Sicherheit geschafft, bei der älteren Bevölkerung Stimmen zu holen. «Als linke Politikerin ist es nicht ganz einfach, an diese Generation heranzukommen. Das ist Walter Baumann sicher besser gelungen.» Die Kandidatur von Peter Tresch habe sowohl ihr als auch Baumann Stimmen gekostet und habe somit wenig Einfluss auf das Resultat gehabt.

Peter Tresch war 2018 Landratspräsident.

Peter Tresch war 2018 Landratspräsident.

Bild: Paul Gwerder

Peter Tresch holte nur gerade 27 Stimmen und zeigte sich auf Anfrage überrascht vom erzielten Resultat. Seine Strategie sei nicht aufgegangen, so der einstige Landratspräsident. «Nach dem ersten Wahlgang hatte ich das Gefühl, es werde schwierig für die von mir vorgeschlagene Kandidatin Soraya Sägesser.» Daher habe er sich zu einer Kandidatur im zweiten Wahlgang entschieden. «Ich dachte mir, das würde die Stimmen mehr splitten und damit könnten die Chancen für Soraya Sägesser steigen. »

Erfreut zeigte sich Tresch über die grosse Stimmbeteiligung. Diese war höher als im ersten Wahlgang und lag bei 77,5 Prozent, 307 Personen gingen wählen.«Ich danke der Bevölkerung, dass sie es mir so einfach macht und mir sagt, ich könne meine langjährige politische Tätigkeit nun an den Nagel hängen.» Das habe er schliesslich auch vor dem ersten Wahlkampf bereits im Sinn gehabt. Zum Verhältnis mit Baumann sagt Tresch, dieser sei kein Rivale. Er betont jedoch: «Ich getraue mich auch einmal an einer Gemeindeversammlung aufzustehen und zu sagen, wenn mir etwas nicht passt.»

FDP: Zufrieden, aber Ziel nicht ganz erreicht

Ruedi Cathry, Präsident der FDP Uri betont, dass Peter Tresch im zweiten Wahlgang in alleiniger Entscheidung als neuer Kandidat in Göschenen angetreten ist. «Das war weder abgesprochen mit der Geschäftsleitung der FDP Uri noch mit dem Wahlausschuss der FDP Uri.» Walter Baumann sei von alt FDP-Landrat Ernst Zgraggen vorgeschlagen worden. «Obwohl er parteilos ist, waren wir mit Baumann immer in Kontakt», sagt Cathry. «Daher wurde es für die FDP Uri eine äusserst schwierige Situation, dass Tresch nochmals ins Rennen gestiegen ist.»

Die FDP werde nun mit Baumann weiterhin im Gespräch über einen Beitritt zur Fraktion sein. «Es würde uns natürlich sehr freuen, wenn Baumann sich unserer Fraktion anschliessen würde», meinte Cathry. In der neuen Legislatur hat die FDP-Fraktion 16 Sitze im Urner Landrat, davon 3 Frauen, allenfalls kommt noch ein Sitz in Göschenen dazu. Bisher hatte die Partei 18 Sitze. «Wir sind zufrieden mit diesem Ergebnis, obwohl wir unser Ziel nicht ganz erreichen konnten. Zudem hatten wir auch am meisten Rücktritte aus dem Landrat, und dies machte das Ganze sehr herausfordernd», so Cathry. «Es ist für uns auch wichtig, dass wir nach wie vor die zweitstärkste Fraktion im Urner Landrat sind.»

Als Siegerin der Landratswahlen geht die CVP Uri hervor. Sie hat bei den Landratswahlen als Fraktion insgesamt drei Sitze dazu gewonnen. Parteipräsident Flavio Gisler spricht denn auch von einem sehr erfreulichen Ergebnis. «Dass wir nun als Wahlsiegerin hervorgehen ist eine tolle Trendwende, denn seit 1996 haben wir immer Sitze verloren», so Gisler. Nun sei die CVP klar die grösste Fraktion im Landrat. «Politisch bringt das grosse Vorteile mit sich, weil wir nun mit jeder anderen Fraktion eine Mehrheit bilden können.»

Viktor Nager, Wahlkampagnenleister von SP/Grüne, freute sich über die Resultate von Soraya Sägesser in Göschenen und Céline Walker in Seedorf. Sie hätten zwar den Sprung ins Kantonsparlament nicht geschafft, aber beachtliche Ergebnisse erzielt. «Wir sind stolz, dass wir in den beiden Gemeinden in den Wahlkampf gegangen sind.» Die Fraktion SP/Grüne konnte ihre Zahl von neun Sitzen im Landrat halten. «Es sei extrem schwierig, in einer Majorzgemeinde einen Sitz dazu zu gewinnen», so Nager. Er ist aber überzeugt: «Wir haben frischen Wind in den Wahlkampf gebracht und sehr gut abgeschnitten.»

Auch die SVP hofft noch auf Sitz in Göschenen

Die SVP-Fraktion hat neu 13 Sitze im Landrat und damit zwei Sitze verloren. «Es ist schade, dass wir es in Seedorf nicht geschafft haben», sagt Fabio Affentranger, designierter neuer Präsident der SVP Uri. Die Frauenförderung werde wohl doch nicht so konsequent durchgesetzt. «Das Parteibüchlein war wichtiger als die reine Frauenfrage.» Affentranger hofft, dass es in vier Jahren wieder besser läuft. «Wir müssen das Ergebnis nun genau analysieren mit den Ortsvertretern», so Affentranger. «Bis zu den nächsten Wahlen müssen wir versuchen, gezielt neue Kandidaten aufzubauen.»

Mit den neuen Wahlsystem sei es nicht ganz gelungen, überall den Wählerwillen richtig abzubilden, stellt Affentranger fest. So sei in Seedorf das taktische Geschick der CVP aufgegangen. Die Junge SVP habe bereits im Vorfeld vor dem neuen Wahlsystem gewarnt. Affentranger hofft noch allenfalls noch auf einen Sitzgewinn in Göschenen. Der frisch gewählte Walter Baumann habe gesagt, dass er auf der bürgerlichen Linie liege. Die SVP suche daher mit ihm das Gespräch.

Die Sitze im Urner Rathaus waren begehrt.

Die Sitze im Urner Rathaus waren begehrt.

Bild: Corinne Glanzmann (Altdorf, 4. Februar 2020)