Diese Urnerinnen und Urner kandidieren für ein Richteramt

Auf der Liste der neuen Kandidaten für das Obergericht und die beiden Landgerichte stehen sieben neue Namen. Auch ohne Veränderung kann im Urserntal von einer historischen Wahl gesprochen werden.

Florian Arnold
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Bei den Urner Richterwahlen vom 10. Februar kommt es zu keinem grossen Sesselrücken. Vom Amt im Obergericht zurückgetreten sind vier Personen: Margret Planzer (CVP, Altdorf), Hansruedi Burgener (SP, Erstfeld), Beatrice Iseli (SVP, Schattdorf) und Robert Stampfli (SVP, Schattdorf). Fürs Präsidium und das Vizepräsidium treten erneut die beiden CVP-Vertreter Rolf Dittli und Thomas Dillier an. Neu verpflichten lassen möchten sich Stefan Flury (CVP, Altdorf) und die beiden SVP-Vertreter Renata Graf (Hospental) und Roman Osusky (Bürglen). Ausserdem stellt sich Angelica Züst (SP, Altdorf) zur Wahl. Sie wird 2019 30-jährig und wäre somit das jüngste Mitglied des Gremiums. Sämtliche zur Wahl stehenden Richter waren bei ihrem Amtsantritt älter als sie.

Kandidaten für das Obergericht des Kantons Uri

Präsident, Rolf Dittli, CVP, Altdorf
13 Bilder
Vizepräsident, Thomas Dillier, CVP, Altdorf
Max Gisler, CVP, Altdorf
Martin Blaser, CVP, Schattdorf
Urs Dittli, CVP, Schattdorf
Stefan Flury, CVP, Altdorf
Angelica Züst, SP, Altdorf
Daniela Bär, SP, Schattdorf
Renata Graf, SVP, Hospental
Roman Osusky, SVP, Bürglen
Werner Baumann, FDP, Altdorf
Tony Z'graggen, FDP, Altdorf
Christoph Wipfli, FDP, Flüelen

Präsident, Rolf Dittli, CVP, Altdorf

Das Landgericht Uri verlassen Elsbeth Marty (CVP, Altdorf), Regula Waldmeier (CVP, Flüelen) sowie Vizepräsident Heinz Gisler (FDP, Bürglen). Dieser soll durch Philipp Arnold (FDP, Flüelen) ersetzt werden, der heute als Gerichtsschreiber tätig ist. Der Wiederwahl stellt sich auch Landgerichtspräsidentin Agnes Planzer (CVP, Flüelen). Für die beiden CVP-Sitze treten Leo Brücker (Altdorf) und Nathalie Danioth (Bürglen) an.

Kandidaten für das Landgericht Uri

Präsidentin Agnes Planzer, CVP, Flüelen
10 Bilder
Vizepräsident Philipp Arnold, FDP, Flüelen
Martina Deplazes, CVP, Altdorf
Nathalie Danioth, CVP, Bürglen
Leo Brücker, CVP, Altdorf
Pia Schuler, SP, Erstfeld
Heinz Keller, SP, Schattdorf
Michael Kunkel, FDP, Flüelen
Rita Gisler, SVP, Schattdorf
Hansuedi Küttel, SVP, Altdorf

Präsidentin Agnes Planzer, CVP, Flüelen

Gewählte werden zu letzten Richtern

Überhaupt keine Änderungen soll es im Landgericht Ursern geben. Trotzdem kann von einer historischen Wahl gesprochen werden. Denn die Gewählten werden als die letzten Richter des Landgerichts Ursern in die Geschichte eingehen. Am 26. November 2018 haben die Urner dem neuen Gerichtsorganisationsgesetz mit 78,9 Prozent sehr deutlich zugestimmt, die einhergehende Verfassungsänderung wurde sogar mit 80,0 Prozent gutgeheissen. Mit der Gesetzesänderung verbunden ist die Abschaffung des Landgerichts Ursern im Jahr 2023. Nicht ganz erstaunlich, dass die Vorlage im Urserntal am wenigsten Zuspruch fand. Realp sagte mit 58,1 Prozent am stärksten Nein, gefolgt von Hospental mit 55,2. In der grössten Urschner Gemeinde Andermatt kam allerdings ein klares Ja von 61,5 Prozent zu Stande.

Kandidaten für das Landgericht Ursern

Präsidentin Silvia Russi, parteilos
7 Bilder
Vizepräsident Walter Regli, parteilos
 Alfred Walker, parteilos
Roland Simmen, parteilos
Ange Furrer, parteilos
Yvonne Jörg, parteilos
Anton Simmen, parteilos

Präsidentin Silvia Russi, parteilos

Zwei bis zehn Verhandlungen

Das Einzugsgebiet des Gerichtsbezirks Ursern umfasst rund 1800 Einwohner, dasjenige des Gerichtsbezirks Uri über 34000, also fast zwanzigmal mehr. Jährlich finden in Andermatt jeweils nur zwischen zwei und zehn Verhandlungen statt. Das Gesamtgericht trifft sich zudem nur zu zwei bis drei Verhandlungen im Jahr. Einen Grossteil der Fälle kann Gerichtspräsidentin Silvia Russi alleine entscheiden. Die häufigsten Fälle drehen sich um Konkurse und familienrechtliche Angelegenheiten. Das Gesamtgremium wird öfters bei strafrechtlichen Prozessen einberufen. Auch für Gerichtsschreiberin Karin Müller ist der Arbeitsaufwand für das Landgericht Ursern mit 10 bis 15 Prozent relativ gering.

Auch wenn die Richterwahlen eher Formsache sein werden, möchte das Urner Volk offenbar nicht darauf verzichten. 2004 stimmte es über die Einführung von «stillen Wahlen» für Gericht, Ständerat, Regierungsrat, Landammann und Landesstatthalter ab. Damit hätten reine Pro-forma-Wahlen mit gleich vielen Kandidaten wie Sitzen verhindert werden können. Das Volk sagte damals mit 52,9 Prozent Nein.