Diese Urner Speedsurferin fährt allen davon

Die Flüelerin Heidi Ulrich hat 2020 alle ihre Rennen mit einer Goldmedaille abgeschlossen.

Christian Tschümperlin
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Heidi Ulrich war in der Saison 2020 nicht mehr zu stoppen. Viele Rennen absolvierte sie in Südfrankreich.

Heidi Ulrich war in der Saison 2020 nicht mehr zu stoppen. Viele Rennen absolvierte sie in Südfrankreich.

Bild: PD

Die Urner Windsurferin Heidi Ulrich ist weiterhin auf Rekordjagd: Die 36-Jährige hat in der noch laufenden Saison alle Rennen, an denen sie teilnahm, gewonnen. Dabei stellte sie einen neuen Geschwindigkeitsrekord auf offener See mit maximal 84 Kilometern pro Stunde «Speed» auf. Es ist die am schnellsten gefahrene «Session», wie es bei den Surfern heisst, die dieses Jahr gemessen wurde. «Leider reicht es nicht für den Titel des Weltrekordes, weil wir mit dem GPS gemessen haben und keine Offiziellen dabei waren», sagt sie am Telefon.

Ulrich befindet sich derzeit in Südfrankreich und bereitet sich auf das vierte und letzte Rennen des Jahres vor. «Ich versuche nochmals, einen Rekord aufzustellen mit GPS über 250 Meter.» Es zählt die höchste Durchschnittsgeschwindigkeit. «Das Wetter ist nicht top, aber es ist wärmer als zu Hause», sagt sie humorvoll. Bei den gewonnenen Rennen handelt es sich um eine Distanz über eine nautische Meile in Südfrankreich, eine über 500 Meter, sowie zwei andere GPS-Rennen, eins davon in Südfrankreich und eins zu Hause im Urnersee.

Die Kaltfront wusste sie zu nutzen

GPS-Rennen sind speziell. «Da kann weltweit jeder teilnehmen und seine GPS-Daten hochladen.» Es wird also eine Fahrt im Urnersee mit einer irgendwo sonst auf dem Globus verglichen. «Das Urnersee-Rennen war witzig. Eine Kaltfront mit viel Wellenbildung war angesagt», berichtet die Flüelerin. Sie sei früh raus aufs Wasser, um beim ersten Eintreffen der Böen über den glatten See surfen zu können. «Später schaffen die Wellen zu viel Reibungswiderstand.» So konnte sie eine der Medaillen einheimsen.

Heidi Ulrich blickt mit gemischten Gefühlen auf die vergangene Saison, trotz der vielen Erfolge. «Es fühlt sich doch nicht gleich an wie sonst. Es ist anders», sagt sie. Die vielen abgesagten Rennen, die kleinen Teilnehmerzahlen bei den Rennen, die doch stattfanden, der Lockdown. «Es war ein gutes Jahr, aber trotzdem schade.» Während des Lockdowns befand sie sich 90 Tage lang zu Hause statt draussen auf dem Meer. «Dafür war ich fast jeden Tag auf dem Urnersee.» Letztes Jahr hatte sie noch coronafreie Fahrt und konnte zwei Weltrekorde aufstellen. Nun sagt sie: «Mit dem dritten Weltrekord klappt es vielleicht nächstes Jahr. Diese Rechnung möchte ich begleichen.»