Beat Jörg: «Dieser Job ist ein Glückstreffer»

Der Urner Bildungs- und Kulturdirektor will sich weitere vier Jahre als Regierungsrat für Uri einsetzen. Dabei zählt er auf sein Netzwerk und auf seine Mitarbeiter.

Markus Zwyssig
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Bildungs- und Kulturdirektor Beat Jörg will den Kanton Uri auch weiterhin mitgestalten.

Bildungs- und Kulturdirektor Beat Jörg will den Kanton Uri auch weiterhin mitgestalten.

Bild: Urs Hanhart

Vor vier Jahren erzielte Beat Jörg bei den Regierungsratswahlen das beste Ergebnis, das je ein Regierungsrat in Uri erreichte. Bei den diesjährigen Gesamterneuerungswahlen am 8. März hofft der 61-jährige Gurtneller, erneut gut abzuschneiden. «Eine ehrenvolle Wiederwahl würde mich sehr freuen», sagt der CVP-Politiker. Für ihn wäre es eine Bestätigung seiner Arbeit. Gleichzeitig verspricht Beat Jörg, dass er sich auch weiterhin engagiert einsetzen will. Er sei kein Laissez-faire-Regierungsrat, sondern bemühe sich aktiv, den Kanton voranzubringen und für die Menschen in Uri hohe Ziele zu erreichen.

Drei heisse Fragen an Beat Jörg

Ein Mitarbeiter der Bildungs- und Kulturdirektion hat als Privatperson ein Mandat für eine Schule in El Gouna übernommen. Ist das nicht Vetternwirtschaft?

Der Mitarbeiter arbeitet in einem 40-Prozent-Pensum bei der BKD. In der übrigen Zeit ist er in der eigenen Firma tätig. Aufgrund seiner Erfahrung und seiner fachlichen Fähigkeiten haben wir ihm im Auftrag des Regierungsrats die Vorbereitungsarbeiten für das Mandat übertragen. Die Trägerschaft der Schule in El Gouna äusserte sodann den Wunsch, weiterhin mit dieser Person zusammenarbeiten zu dürfen. Das haben wir respektiert, und darum haben wir unserem Mitarbeiter das Mandat am Ende auch gegeben. Und zwar in aller Transparenz. Nicht nur gegenüber dem Regierungsrat, sondern auch im Landrat haben wir offen kommuniziert, wohin die Reise gehen soll, damit der Landrat die Möglichkeit hat, gegenzusteuern, falls er will. Er wollte nicht. Nun steuert der Kanton über einen Zeitraum von drei Jahren also jeweils 10000 Franken an das Mandat bei. Im Grunde genommen ist das eher ein symbolischer Beitrag. Es ist aber nicht zuletzt auch ein wenig eine Wertschätzung des Kantons für all das, was Investor Sawiris für Uri getan hat.

Der Rektor des BWZ Uri musste in der Probezeit wieder gehen. Haben Sie sich bei der Wahl zu wenig mit der Person auseinandergesetzt?

Das BWZ Uri verdient eine ausgezeichnete Führung, und darum hat die zuständige Schulkommission des BWZ Uri auch ein professionelles und intensives Bewerbungs- und Auswahlverfahren durchgeführt, samt externem Assessment. Auf Gespräche und Tests ist aber nicht immer Verlass, und so stellte sich leider erst nach der Wahl heraus, dass der neue Rektor im Job nicht die Leistung brachte, die man erwarten darf. Das wurde indes schnell erkannt, und es wurde auch schnell gehandelt, nämlich noch während der Probezeit, die ja gewissermassen zum erweiterten Auswahlverfahren gehört. Der Trennungsprozess verlief jedenfalls nach allen Regeln der Kunst und letztlich zur Zufriedenheit aller Beteiligter. Besonders wichtig war mir bei all dem, dass die Qualität des Unterrichts am BWZ Uri in keiner Weise geschmälert wird. Dank dem hervorragenden Einsatz vor allem der Abteilungsleiterinnen und Abteilungsleiter ist das vollauf gelungen. Sie haben einen grossen zusätzlichen Effort geleistet, damit der Betrieb der Schule reibungslos laufen konnte.

Ist das Institut Kulturen der Alpen ein Prestigeprojekt, das Uri nichts bringt?

Im Gegenteil! Es ist ein kleines feines Institut, das stark in Uri verankert ist und sehr viel zum positiven Image unseres Kantons beitragen wird. Zusammen mit den beiden Korporationen hat der Kanton einen Trägerverein Wissenschaft Uri gegründet, dem hervorragende Leute wie Ruth Wipfli Steinegger, Hans-Rudolf Schurter und Ivo Schillig angehören. Mit Romed Aschwanden fanden wir sogar einen hoch talentierten Urner Jung-Akademiker als Geschäftsführer. Das Forschungsinstitut bringt viele neue Leute nach Uri, und diese werden überrascht sein, wie fortschrittlich der Kanton ist. Wahrgenommen wird das Institut weit über die Zentralschweiz hinaus schon jetzt, noch vor der offiziellen Eröffnung am 29. Februar. Renommierte nationale Medien haben darüber geschrieben. Das Institut Kulturen der Alpen wird ganz bestimmt ein Erfolg.

Seit seinem Einzug in den Regierungsrat vor acht Jahren ist Jörg Urner Bildungs- und Kulturdirektor. «Meinen Job mache ich noch immer gleich gern wie am Anfang», sagt er. «Regierungsrat zu sein, ist ein Privileg. So viel Verantwortung, Gestaltungsraum und auch Abwechslung bieten vermutlich nur wenige Jobs.» Und was muss ein guter Regierungsrat mitbringen? Ein Studium oder gar ein Doktortitel seien natürlich hilfreich, aber nicht unbedingt entscheidend. Wichtig sei das Führungshandwerk. Man müsse Freude daran haben, Verantwortung zu tragen, seine Ziele und Werte glaubwürdig zu verkörpern, seriös zu arbeiten und einen guten Draht zu den Menschen zu finden. «Das alles dürfen die Bürger von ihren Politikern mit Recht erwarten.»

Das Engagement für Vereine ist geblieben

«In einem kleinen Kanton wie Uri ist man ja immer sehr nahe bei den Menschen», sagt Jörg. Das geniesst er, denn schon früher war er ein Vereinstyp. Auch heute ist er bereit, seine Freizeit für ein funktionierendes Vereinsleben einzusetzen. So hat er den 125 Jahre alten Männerchor Harmonie Altdorf durchs Jubiläumsjahr begleitet. Er half der Musikschule Uri tatkräftig, die Feierlichkeiten zum 40-Jahr-Jubiläum zu gestalten, und er engagiert sich als OK-Präsident bei verschiedenen sportlichen Grossanlässen, zum Beispiel bei der Tour de Suisse in Andermatt in diesem oder bei der Winteruniversiade im Urserntal im kommenden Jahr.

Um in anspruchsvollen Vorhaben Erfolg zu haben, brauche es ein gutes Netzwerk, sagt Jörg. Er ist überzeugt, dass dies und die Einbindung aller Anspruchsgruppen gerade im politischen Leben zu guten und tragfähigen Lösungen führt. Er selber habe insbesondere als Offizier in der Armee viele Kontakte knüpfen dürfen, von denen er noch heute profitiert. Ein aktuelles Beispiel dafür ist das neue Urner Institut Kulturen der Alpen, das er im Herbst gemeinsam mit seinem alten Offizierskameraden Bruno Staffelbach, dem heutigen Rektor der Universität Luzern, aus der Taufe heben konnte.

Während seiner bisherigen Tätigkeit als Regierungsrat erlebte Jörg auch sehr berührende Momente. Unvergesslich bleibt ihm die Neat-Eröffnung. An der Seite der damaligen Bundespräsidentin Doris Leuthard konnte er als Urner Landammann das Jahrhundertbauwerk einweihen. Manchmal seien es aber auch unscheinbare Dinge, die einen prägten. «Es ist die Kunst des Lebens, Kleinigkeiten nicht zu verpassen.» Dass er die Bildungs- und Kulturdirektion, zu der auch der Sport gehört, leiten darf, bezeichnet der ehemalige Oberstufenlehrer als Glückstreffer. Eine gute Ausbildung sei entscheidend für das Lebensglück jedes Menschen.

Sehr gute Schulen bei moderaten Kosten

Im Bildungsbereich ist auf nationaler Ebene einiges vorgegeben. Wie gross ist da überhaupt der Spielraum? «Genug gross, damit ein Kanton wie Uri sich das passende Bildungssystem auf den Leib schneidern kann.» So entspricht beispielsweise das von Uri gewählte Sprachenkonzept nicht der nationalen Strategie. Und auch bei der Einführung des Lehrplans 21, die in Uri reibungslos ablief, habe der Erziehungsrat, den Jörg präsidiert, die eine und andere Stellschraube auf eine Uri-taugliche Position drehen können. Auf diese Weise gelinge es dem Kanton im Verbund mit den Gemeinden seit jeher, sehr gute Schulen zu führen und die jungen Menschen hervorragend auszubilden, und das erst noch zu vergleichsweise moderaten Kosten.

Grosse Strahlkraft hat Uri laut Jörg seit langem im kulturellen Bereich. «Was wir heute haben, wollen wir mit unserem neuen Kulturförderungsgesetz sichern», sagt er. Die Vernehmlassung findet im Frühsommer statt, sodass der Landrat das Gesetz im Herbst beraten kann. Das letzte Wort hat dann das Volk an der Urne. Jörg erhofft sich von diesem Vorhaben eine breite Diskussion zur Kulturförderung, «sodass die Menschen in Uri vielleicht noch ein wenig mehr schätzen und geniessen, was sie heute an kulturellen Angeboten schon haben.» Auch in diesem Jahr kann sich der Kulturdirektor auf einige Premieren auf verschiedenen Urner Bühnen freuen.

Alltagstrott hinter sich lassen und neue Ideen entwickeln

Zu kreativen Höchstleistungen ermuntert Jörg auch seine Mitarbeiter. «Wenn wir wirklich vorankommen wollen, müssen wir den Alltagstrott immer mal wieder hinter uns lassen und neue Ideen entwickeln.» Weil seine Leute genau das tun würden, sei die Bildungs- und Kulturdirektion enorm gut aufgestellt, sagt Jörg. «Wir haben eine gemeinsame Art entwickelt, Herausforderungen zu erkennen und sie zu meistern. Daher werden wir auch in den kommenden vier Jahren hohe Ziele setzen und erreichen können.»

Neben der Schaffung des Kulturförderungsgesetzes erwähnt Jörg die bauliche Sanierung und Erweiterung des Staatsarchivs und der Kantonsbibliothek, die verbesserte Integration von ausländischen Menschen in die Gesellschaft, die Revision des Schulgesetzes und die Einführung von Tagesstrukturen am Kollegi. Im sportlichen Bereich stehen mehrere Grossanlässe an. Dazu zählen – nebst dem Schlusswochenende der Tour de Suisse in Andermatt – vor allem die von Jörg mitverantworteten diesjährigen Schweizer Meisterschaften im Langlauf und die Langlaufwettkämpfe der Winteruniversiade 2021. Für Jörg als passionierten Langläufer eine Herzenssache.

Die «Urner Zeitung» porträtiert alle Kandidaten für die Regierungsratswahlen vom 8. März. Den Anfang macht der Urner Bildungs- und Kulturdirektor Beat Jörg.