Dieser Urner verdiente mit Söldnern ein Vermögen

Das Staatsarchiv Uri hat das Regimentbuch eines Urner Soldunternehmers geschenkt bekommen. Darin sind verschiedene Details, die auch die tonangebenden Urner Familien betreffen, enthalten.

Hans Jörg Kuhn, Staatsarchivar Uri
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Eine Privatperson aus dem Kanton Zürich schenkte dem Staatsarchiv Uri Karl Alfons Besslers Regimentbuch. Ein an Geschichte interessiertes Mitglied der Familie hatte das Buch 1960 in einem Antiquariat im spanischen Tarragona gekauft. Der Inhalt zeigt zahlreiche Facetten des soldatischen Lebens in diesem Urner Regiment.

Das erste Viertel des 18. Jahrhunderts war für das Königreich Spanien eine unruhige Zeit. Nach einem überstandenen Erbfolgekrieg, hatte sich König Philipp V. auf dem spanischen Thron etabliert und rang in der Folge vor allem mit England um die Stellung Spaniens im europäischen Mächtesystem. Dafür brauchte er schlagkräftige Truppen, um die spanischen Ansprüche notfalls mit Gewalt durchzusetzen.

Porträt von Karl Alfons Bessler.

Porträt von Karl Alfons Bessler.

Bild: PD

Liste der Kompanieeigentümer wirft Licht auf Urner Familien

Das selbständige Militärunternehmertum bildete in diesem Kontext für die damals in Uri tonangebenden Familien die wichtigste Existenzgrundlage. Sämtliche vorsitzende Herren des Landes engagierten sich in diesem Wirtschaftszweig. Karl Alfons Bessler war dabei eine prägende Figur. 1725 hatte er für den spanischen König ein Regiment mit 3200 Soldaten und 60 Offizieren angeworben. Die aus mehreren Kompanien zusammengesetzte Truppe gehörte jedoch nicht ihm allein, sondern war eine gemeinsame Investition der führenden Urner Familien. So zeigt die Liste der Kompanie-Eigentümer mit den Familien Crivelli, Jauch, Püntener, Schmid und Tanner das «Who is Who» des damaligen Landes Uri. Neben dem ökonomischen Aspekt, ermöglichten die fremden Dienste den Urner Eliten auch die Aneignung von Herrschaftswissen, Sprachkenntnissen sowie verfeinerten Manieren und Umgangsformen. Die Urner Oberschicht pflegte damals deshalb einen feinen, beinahe höfischen Lebensstil.

Die 60 Offizierstellen im Regiment Bessler waren zu zwei Dritteln mit Urnern besetzt. Auf der Stufe der Soldaten waren diese jedoch nur noch marginal vertreten. Das Land hatte wohl ganz einfach ein zu kleines Reservoir an verfügbaren Männern, um den Bedarf der zahlreichen Söldnertruppen zu decken. Zudem wurde das Söldnerwesen im Laufe des 18. Jahrhunderts für Soldaten finanziell immer unattraktiver. Verdiente im Jahr 1725 ein Söldnersoldat noch etwa gleichviel wie ein Maurergeselle in Zürich, verschlechterte sich dieses Verhältnis bis zum Ende des Jahrhunderts auf noch gut die Hälfte.

Soldunternehmen brachte reichsten Urner hervor

Karl Alfons Bessler durchlief die damals übliche Laufbahn eines Schweizer Soldunternehmers. Die ursprünglich aus Deutschland stammende Familie Bessler hatte 1499 das Urner Landrecht erworben. Karl Alfons Bessler übte in Uri verschiedene einflussreiche Ämter aus. So amtete er während vier Jahrzehnte als Pannerherr (Vorsteher des Militärs) und zweimal bekleidete er das Amt des Landammanns.

Seine ersten Erfahrungen in spanischen Diensten hatte er als Unteroffizier im Regiment seines Vaters gesammelt. Im Laufe seines Lebens wurde der junge Bessler einer der erfolgreichsten Soldunternehmer der Eidgenossenschaft, besass verschiedene wertvolle Grundstücke und Immobilien im Urner Talboden und empfing Pensionen aus Frankreich im grossen Stil. Dies alles verhalf ihm zu einem sehr grossen Einkommen und machte ihn zu einem der reichsten Urner seiner Zeit. Bei seinem Tod hinterliess er den Nachkommen rund 150'000 Gulden. Ein Vermögen, das sich auch im Vergleich mit reichen Städtern in der Eidgenossenschaft nicht zu verstecken brauchte.

Willkommenes Kapital für Uri

Die Jahre 1725 bis 1735 waren goldene Zeiten für Kompanieeigentümer und brachten die grössten Bargeldzuflüsse. Dies war im Land Uri sehr willkommen, da ansonsten kaum Geld vorhanden war. Die Landwirtschaft und das Transportwesen ernährten die Menschen normalerweise zwar ausreichend. Ein kontinuierlicher Zuwachs an Kapital war mit dieser Wirtschaftsweise jedoch nicht zu erreichen. Beispielsweise wurde der Bau der prachtvollen Pfarrkirche in Schattdorf im Jahr 1733 beinahe ausschliesslich mit spanischem Geld finanziert, das erfolgreiche Soldunternehmer wie Bessler gespendet hatten.

Der Erfolg der Urner Truppen in fremdem Diensten brachte also sichtbare Auswirkungen in der Heimat. Viele der grosszügigen Wohnsitze in Uri und Ursern, aber auch Kirchen, Kapellen und die kirchliche Kunst aus der Zeit vor 1798, hatten oft nur mit Mitteln aus dieser Quelle geschaffen werden können. Das Regimentbuch Karl Alfons Besslers ist als Schriftquelle ein wichtiger Mosaikstein, der uns die Epoche der grossen Solddienstunternehmer noch etwas genauer verstehen lässt.

Strafen für lasterhaftes Verhalten

In diesem Zusammenhang steht das Regimentbuch des Urner Kommandanten Karl Alfons Bessler. Er oder sein Schreiber verfassten das Buch während der Dienstzeit in Spanien in den Jahren 1725 bis 1728 in den Städten Aranjuez, Madrid und Tarragona. Das Buch umfasst 270 handgeschriebene Seiten und enthält Ordnungen, Reglemente und Exerzieranweisungen, die für den Kommandanten des Regiments, seine Offiziere und die Soldaten gültig waren. Ebenfalls enthalten ist der Vertrag Besslers mit dem spanischen König, mit welchem dieser die Schweizer Truppe für sich verpflichtete.

Das Buch enthält Regeln für zahlreiche Aspekte des täglichen Lebens im Regiment. Wer beispielsweise um Geld spielte, stahl oder sich mit Prostituierten einliess, musste mit drakonischen Strafen rechnen. Mehrfach wird der Spiessrutenlauf als Strafe bereits für kleinere Vergehen angedroht. Dabei hatte der Verurteilte mit entblösstem Oberkörper und zusammengebundenen Händen eine aus Soldaten gebildete Gasse zu durchschreiten, und wurde dabei von den Soldaten mit Haselruten (Spiessruten) oder Steigbügelriemen traktiert.

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