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DOK-FILM: Geschichte einer Wildheuer-Tragödie

Der Urner Bergbauer Sepp Gisler ist im Sommer 2016 am Oberaxen beim Wildheuen tödlich verunglückt. Jetzt ist er in einem Dok-Film von SRF nochmals zu sehen. Dabei wird auch gezeigt, ob das Leben auf dem Bauernhof weitergeht.
Markus Zwyssig
Führt das Erbe weiter: Julia Gisler beim Wildheuen in den steilen Hängen am Oberaxen oberhalb von Flüelen. (Bilder: SRF/Beat Bieri)

Führt das Erbe weiter: Julia Gisler beim Wildheuen in den steilen Hängen am Oberaxen oberhalb von Flüelen. (Bilder: SRF/Beat Bieri)

Markus Zwyssig

markus.zwyssig@urnerzeitung.ch

Der 31. Juli 2016 war ein schwarzer Tag auf dem Oberaxen oberhalb von Flüelen. Der 62-jährige Urner Bergbauer Sepp Gisler, besser bekannt als «Axiger Sepp», stürzte beim Wildheuen an einer steilen Flanke am Rophaien 300 Meter tief in den Tod. Der Vater von vier Töchtern und zwei Söhnen war ein erfahrener Wildheuer. Er kannte die Gefahren bei dieser strengen Arbeit. Aber trotz grosser Erfahrung: Ein Restrisiko bleibt immer. Jetzt lebt «Axiger Sepp» in einem Dok-Film des 65-jährigen Regisseurs Beat Bieri nochmals auf. Gezeigt wird er am Donnerstag, 1. März, auf SRF 1 – und vorgängig beim Public Viewing im Cinema Leuziger in Altdorf.

Der Film «Der Wildheuer – Senkrecht über dem Urnersee» hat eine lange Entstehungsgeschichte. Die ersten Kontakte mit den Gislers auf dem Oberaxen knüpfte Bieri bereits im Jahr 2011. Ab März 2012 begleitete er die Familie eineinhalb Jahre lang immer wieder. «Damals wurden aber mehrere Filme über das Bergbauernwesen gedreht», blickt Beat Bieri zurück. «Daher haben wir unser Projekt vorerst auf Eis gelegt.»

Regisseur war sehr berührt von der Todesnachricht

Im Sommer 2016 kam dann aber die Meldung von «Axiger Sepps» Tod. Beat Bieri war sehr berührt. «Beim Filmen war ein freundschaftliches Verhältnis entstanden», erklärt der Luzerner Bieri. «Ich habe sehr viel Zeit mit der Familie verbracht und war oft mit ihnen unterwegs.» Dabei lernte er die Gislers vom Oberaxen zu allen Jahreszeiten und bei den verschiedensten Tätigkeiten kennen. Für den Regisseur stellte sich die Frage, die Aufnahmen endgültig auf die Seite zu legen oder den Film doch noch fertigzustellen – nun allerdings als Erinnerung an «Axiger Sepp». Der Regisseur liess sich und der Familie Zeit, wollte niemanden unter Druck setzen.

Nach einer Bedenkzeit stimmte die Familie schliesslich der Weiterführung des Projekts zu. Bieri filmte nun Julia Gisler, die jüngste Tochter, wie sie in der nicht einfachen Situation nach dem Tod des Vaters den Hof übernahm. Die 23-Jährige will den Bergbauernbetrieb weiterführen. Der Start war nicht einfach. «Der Vater hat uns von klein auf gezeigt, worauf man achten muss», sagt die junge Frau im Film. Trotzdem fehle er nun an allen Ecken und Enden. Das Wildheuen will sie aber weiter pflegen, auch wenn es gefährlich ist. Sie will jedoch noch verstärkt auf die Sicherheit achten, vorsichtig sein und stets Steigeisen anziehen. Eines ist für sie aber klar: «Wir wollen weiterhin vom Bauernbetrieb hier oben leben.»

Die Familie Gisler ist auf das Gras aus den steilen Hängen angewiesen. Das Heu aus den Planggen liefert das Futter für die Tiere des Betriebs auf dem Oberaxen. Die Familie kauft kein fremdes Futter dazu. Trotz Direktzahlungen ist es aber schwierig, zu überleben. Der Ertrag aus dem Wildheuen beeinflusst direkt die Zahl der Tiere, die auf dem Hof gehalten werden können. Das Wirtschaften ist recht beschwerlich. Die Kälber müssen rechtzeitig zum Schlachten ins Tal transportiert werden – bevor sie zu schwer sind für den Transport mit der Seilbahn. Denn eine Fahrstrasse nach Flüelen gibt es nicht. Die Fahrt mit dem Tier in der Kabine ist nicht einfach, erfordert jedes Mal viel Kraft und Nerven. Bei einem Biobetrieb mit Muttertierhaltung ist es schwierig, ein Tier von der Herde zu trennen. So kann besonders ein Muni gefährlich werden, wenn er nicht handzahm ist.

Filmer verlor selber Boden unter den Füssen

Der Luzerner Beat Bieri hat über 40 Dok-Filme gedreht. Viele sind in der Zentralschweiz entstanden. «Dabei habe ich insbesondere Uri gut kennen gelernt», sagt er. Viele neue Eindrücke kamen auch bei den Dreharbeiten für den neuen Dok-Film dazu – übrigens den letzten vor Bieris Pensionierung. «Für einen Städter habe ich ungewohnte Eindrücke gesammelt», sagt er. Erfahren hat er dabei auch, wie es ist, bei einem starken Föhnsturm im Bergheimet von der übrigen Welt abgeschnitten zu sein. Bieri hat aber auch selber erlebt, wie gefährlich das Wildheuen ist. Bei Dreharbeiten kam er im steilen Gelände auf dem nassen Gras ins Rutschen. Im letzten Moment konnte ihn «Axiger Sepps» Tochter Bernadette festhalten.

Dass das Wildheuen in der Stadt einen Exotenbonus geniesst, will Bieri nicht von der Hand weisen. «Ich habe den Film kürzlich bei einem Privatanlass zu meiner bevorstehenden Pensionierung einem kleinen Publikum in einem Kino in Zürich gezeigt», sagt der Dok-Filmer. Dabei sei echte Bewunderung für das traditionelle Handwerk zu spüren gewesen. «Die Kinobesucher waren erstaunt, wie gefährlich und streng Menschen arbeiten müssen, um ihre Lebensgrundlage zu sichern.»

«Axiger Sepp» war schon in seiner Jugendzeit, als es noch keine Seilbahn auf den Oberaxen gab, an den steilen Wildheuplanggen im Rophaiengebiet unterwegs. Über die Kantonsgrenzen hinaus bekannt war er aber auch als virtuoser Ländlermusikant. Mit seinem Schwyzerörgeli spielte er zu Beginn vor allem mit dem Echo vom Franzästock auf, mit der Zeit aber auch mit bekannten Schweizer Ländlermusikanten wie Rees Gwerder, Dominik Marty («Sity Domini») oder Ruedi Marty («Schachä Ruedi»). Später trat der Flüeler Bergbauer oft auch mit seiner Familienkapelle auf, in der Tochter Julia und Sohn Dominik (mit Downsyndrom) mitspielten. Daher kommt im Dok-Film auch die Ländlermusik nicht zu kurz.

Grosses Interesse am Public Viewing

Bereits vor einiger Zeit hat Bieri auf seinem Laptop «Axiger Sepps» Frau Pia und Tochter Julia den 50-minütigen Film in einer Rohfassung vorgeführt. «Die beiden Frauen waren sehr berührt von dem, was sie sahen», erinnert sich der Luzerner Filmer. Die übrigen Familienmitglieder sehen den Film in einem vollbesetzten Kino zum ersten Mal – beim Public Viewing vom kommenden Wochenende im mehr als 300 Personen Platz bietenden Cinema Leuzinger in Altdorf. Genau so wie ganz viele Urner, die sich Bieris Produktion ebenfalls nicht entgehen lassen wollen. Die erste Vorstellung war übrigens nach nur drei Tagen ausverkauft. Deshalb wird der Film am Sonntag, 25. Februar, nochmals gezeigt.

Hinweis

Der Dok-Film «Der Wildheuer – Senkrecht über dem Urnersee» ist am Donnerstag, 1. März 2018, um 20.05 Uhr auf SRF 1 zu sehen. Wer beim Public Viewing im Cinema Leuzinger in Altdorf am Sonntag, 25. Februar, um 11 Uhr dabei sein möchte, muss seinen Platz unbedingt unter

www.cinema-leuzinger.ch oder telefonisch unter 041 870 50 00 reservieren. Der Eintritt ist frei.

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