Neues Wahlsystem im Kanton Uri: «SP/Grüne konnten nicht von Einführungseffekt profitieren»

Adrian Zurfluh von der Staatskanzlei Uri ist sehr zufrieden, wie die ersten Wahlen mit dem neuen Wahlsystem abgelaufen sind. Profitieren konnten aber nicht alle Parteien wie erhofft. 

Markus Zwyssig
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Die Wahlzettel im Winkel in Altdorf sind eingetroffen. Jetzt beginnt das Auszählen.

Die Wahlzettel im Winkel in Altdorf sind eingetroffen. Jetzt beginnt das Auszählen.

Bild: Urs Hanhart (Altdorf, 8. März 2020)

Im Kanton Uri wurde in den vier Proporzgemeinden Altdorf, Schattdorf, Bürglen und Erstfeld am Wochenende erstmals mit dem doppelten Pukelsheim gewählt. Schwierigkeiten mit dem neuen Wahlverfahren gab es aber nicht, wie Adrian Zurfluh auf Anfrage ausführt. Der stellvertretende Direktor der Standeskanzlei Uri ist zusammen mit Willy Lussmann beim Kanton für eine faire Wahl verantwortlich. In den Gemeinden sei das neue Wahlverfahren ausgiebig geübt worden, so Zurfluh. Zudem setze man seit 2008 auf ein Wahlprogramm, das sich bewährt habe.  

Zurfluh lobt die Arbeit insbesondere in den Gemeinden. «Weder im Rathaus noch in den Gemeinden gab es Probleme. Im Gegenteil: Es hat alles sehr gut geklappt.» Die Parteistimmen zählen über die Gemeindegrenzen hinaus. Die Resultate bei Wahlen mit dem Doppelten Pukelsheim liegen erst vor, wenn auch die letzte Gemeinde ihre Ergebnisse geschickt hat. «Unser Plan war, dass dies bis 16 Uhr der Fall ist. Um 15 Uhr lag das Ergebnis aber bereits vor», so Zurfluh.      

Zusätzlicher Sitzgewinn ist schwierig

Die kleinen Parteien konnten diesmal nicht in dem Ausmass profitieren, wie sie es sich erhofft hatten. «Nach dem alten System hätten sich SP/Grüne als Glückspilze in drei Gemeinden Restmandate sichern können», so Zurfluh. Er macht darauf aufmerksam, dass der Einführungseffekt nicht spiele. «SP/Grüne sind bereits in allen vier Proporzgemeinden vertreten. Und da ist es halt schwierig, einen zusätzlichen Sitz zu gewinnen.» So holte die CVP in Altdorf einen Sitz, der nach dem alten Wahlsystem an SP/Grüne gegangen wäre, welche in Altdorf mehr Listenstimmen holten.

«Bei Wahlen gibt es immer Sieger und Verlierer», sagt Zurfluh. «Da der Pukelsheim über vier Gemeinden hinweg gerechnet wird, ist das Glück gerechter verteilt.» Der Landrat habe dieses System festgelegt, was es zu akzeptieren gelte. Doch Zurfluh gibt zu bedenken: «Wichtiger als das Wahlsystem ist es, gute Kandidaten auf der Liste zu haben.»

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