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«‹Dr Tyyfel› begegnet mir nicht mehr lange»

Bruno Arnold, Redaktionsleiter der Urner Zeitung, wird mit fast 64 Jahren nochmals für einen neuen Arbeitgeber tätig sein. In seiner Jahresendkolumne verrät er, welche Frage ihm gegenwärtig am häufigsten gestellt wird und warum er fast täglich em «Tyyfel» begegnet.
Bruno Arnold, (Noch-)Redaktionsleiter
Die Redaktion der «Urner Zeitung» dankt für das im Jahr 2018 geschenkte Vertrauen und wünscht allen «ä güätä Rutsch» sowie «äs güäts Nyyws»; hinten von links: Carmen Epp, Bruno Arnold und Urs Hanhart; vorne, von links: Philipp Zurfluh, Mägi Planzer, Florian Arnold und Markus Zwyssig. (Bild: Boris Bürgisser, Altdorf, 21. Dezember 2018)

Die Redaktion der «Urner Zeitung» dankt für das im Jahr 2018 geschenkte Vertrauen und wünscht allen «ä güätä Rutsch» sowie «äs güäts Nyyws»; hinten von links: Carmen Epp, Bruno Arnold und Urs Hanhart; vorne, von links: Philipp Zurfluh, Mägi Planzer, Florian Arnold und Markus Zwyssig. (Bild: Boris Bürgisser, Altdorf, 21. Dezember 2018)

Heinrich Danioth hat den Teufel an die Wand gemalt. Im wahrsten Sinne des Wortes. Und den Ziegenbock. Millionen fahren oder laufen jährlich am Kunstwerk vorbei, das Danioth im Sommer 1950 auf der senkrecht abfallenden Granitwand hoch über der alten Teufelsbrücke in der Schöllenenschlucht verewigt hat. «Teufel und Ziegenbock»: So nennt sich Danioths künstlerische Umsetzung der wohl berühmtesten Urner Sage.

Dem Teufel und dem Ziegenbock begegne ich fast täglich. Ich treffe die beiden Figuren in Rot seit einigen Monaten in Form von hölzernen Nachbildungen im Eingangs- respektive Empfangsbereich der Redaktion an. Dort, wo wir jeweils beim Kaffee über Gott und die Welt philosophieren. Der Teufel und der Ziegenbock sind eher zufällig bei uns gelandet, als Geschenk für die redaktionelle Begleitung beim Lancieren einer Outdoor-App. Aus der (fast) täglichen Begegnung mit den beiden Sagengestalten hat sich in den vergangenen Tagen – ebenfalls fast zufällig – das Thema meiner letzten Jahresendkolumne für die «Urner Zeitung» ergeben. Ich bin bei der Ideensammlung auf Danioths Karikatur «Ideal der Berichterstattung» aufmerksam geworden. Er hat sie 1934 für den «Nebelspalter» geschaffen. «Dieser Broterwerb machte ihn gesamtschweizerisch zum anerkannten satirischen Zeichner, dessen Bilder und Begleittexte – zumal im Hinblick auf die wachsende braune Gefahr im benachbarten Deutschland – immer ins Schwarze trafen», heisst es auf der Internetseite des Hauses für Kunst Uri.

Danioth war nicht nur Maler, sondern auch Schriftsteller und als solcher ein scharfsinniger Beobachter, ein äusserst kritischer Zeitgenosse und ein pointierter Karikaturist, der in den 1930er- und 1940er-Jahren die Meinungsfreiheit gegen den Totalitarismus des Dritten Reichs verteidigt hat. «D Schnurä züä!» scheint Adolf Hitler – zuoberst auf der Karikatur, mit unverkennbarem Schnauz – der vor ihm stehenden Person zu signalisieren. Diese gibt den Befehl per Handgriff weiter. Auch der Mann mit dem Schweizer Kreuz bekommt den SS-Zugriff zu spüren. Er schreibt auf, was er nicht aussprechen darf.

Diese Karikatur schuf Heinrich Danioth 1934 für den «Nebelspalter». (Bild: PD)

Diese Karikatur schuf Heinrich Danioth 1934 für den «Nebelspalter». (Bild: PD)

«D Schnurä züä!» heisst für Lokaljournalisten: «Das därfsch de nit schryybä». In den vergangenen über 30 Jahren bin ich des Öfteren Leuten begegnet, die sich gewünscht hätten, dass ich dem Titel der an dieser Stelle abgebildeten Danioth-Karikatur nachgelebt und geschwiegen hätte. Genau das habe ich gescheut «wiä dr Tyyfel ds Wiiwasser». Die Aufforderung zum Schweigen habe ich immer dann bewusst ignoriert, wenn ich dazu beigetragen hätte, etwas zu verheimlichen oder genau das nicht publik zu machen, was vermeintlich «nicht in die Zeitung gehört», was nur hinter vorgehaltener Hand oder auch schon mal trotz «von oben zugedrücktem Mund» halt doch geäussert wurde. Es ist dies die ureigenste Aufgabe der vierten Gewalt im Staat. Wer dies nicht tut, «gheert zum Tyyfel gjagt». Auch 2019 wird die «Urner Zeitung» nicht schweigen und wegschauen. Sie wird Unangenehmes veröffentlichen, Verfehlungen publik machen, «Leichen» aus dem Keller holen, Verantwortlichen auf die Finger schauen, «offiziellen» Meinungen widersprechen und kein Blatt vor den Mund nehmen. Sie wird sich der Objektivität verpflichten – «ohni dr Tyyfel a d Wand ds malä». Aber: Sie wird genau so versuchen, Positives zu vermelden, gute Laune zu verbreiten und zum Schmunzeln anzuregen.

Themawechsel. «Wiä lang müäsch nu?» So lautet die Frage, die mir gegenwärtig am meisten gestellt wird. «Äs isch keis miässä», erwidere ich jeweils. «Ich plangä nid.» Und mit grossem Erstaunen nimmt mein Vis-à-vis dann jeweils zur Kenntnis, wenn ich verrate, dass ich ab morgen Dienstag (und mit fast 64 Jahren) nochmals für einen neuen Arbeitgeber tätig sein werde. Ich wechsle von der Luzerner Zeitung AG zur CH Regional Medien AG. Ich bleibe Redaktionsleiter und schreibe weiterhin für die «Urner Zeitung», behalte mein Büro in Altdorf und werde nach wie vor dem roten Teufel an der schwarzen Wand begegnen. Nicht ich wechsle, sondern (wieder einmal) der Name des Arbeitgebers ... Auch in den kommenden Wochen werde ich in Gegenwart des Teufels beim Kaffee diskutieren, analysieren, über unverständliche Handlungen, Äusserungen oder Entscheide von Hans und Heiri (oder wie die Politiker, Künstler, Sportler und Wirtschaftsbosse auch immer heissen mögen) lästern, über Unglücksfälle und etwas weniger über Ignaz Walker diskutieren, aber auch Leserreaktionen einordnen.

Und zugegeben: Ich werde mich nicht mehr ändern und weiterhin beim Kaffee auch «Lyyt durähächlä». Mit Vorliebe Leute, die dereinst dem Teufel persönlich begegnen könnten, und wohl eher weniger Leute, denen ich zutraue, den Weg in die entgegengesetzte Richtung zu finden. Dieses «Durähächlä» dürfte auch 2019 kritisch geschehen, eher selten im Sinne von Bewunderung, sondern mit einem unverkennbar spöttischen Unterton, um damit der Anwesenheit des Teufels die Referenz zu erweisen. Dass ich den «Duräghächletä» Gegenrecht gewähre, versteht sich natürlich ...

Was ich Ihnen zu Beginn meiner letzten Amtsmonate versprechen kann: Auch in den kommenden Monaten werde ich zusammen mit meinen Mitarbeitern versuchen, Sie, geschätzte Leserinnen und Leser, mit aktuellen und hintergründigen Informationen zu beliefern, ihnen fundierte Analysen und Kommentare sowie spannende Recherchen zu präsentieren, der Wahrheit verpflichtet bleiben, auch wenn man diese nicht immer im Hinterletzten erfassen kann.

Ich freue mich aber auch darauf, zusammen mit dem UZ-Team oder mit spontanen Besuchern Gedanken auszutauschen, kritisch zu sein, Ideen zu sammeln, einen Kaffee oder – zu gegebener Zeit – ein Bierchen oder ein Glas Wein zu trinken und dabei bewusst etwas gegen die schlanke Linie zu tun. Dieser Zeitpunkt wird 2019 spätestens dann gegeben sein, wenn ich mich aus dem Arbeitsprozess verabschiede. In der Hoffnung, in den vergangenen Jahren «nid ds vill zum Tyyfel greiset ds ha» und im Wissen, dass es Leute geben wird, die mir «kei Tyyfel dernaa fragä wärdet». Denn das gehört zum Unbequemsein genauso wie zum Abschiednehmen.

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