DRAPOLING: Sie müssen auch einstecken

Früher versetzte er alle in Angst und Schrecken: Der Drapoling. Heute wird er immer häufiger selber angegriffen. Weil die Leute den Brauch nicht mehr kennen.

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Ein Drapoling in Altdorf. (Bild Angel Sanchez/Neue UZ)

Ein Drapoling in Altdorf. (Bild Angel Sanchez/Neue UZ)

Ein wenig unheimlich ist er ja schon, in seiner Larve und mit all den Schellen. Und ein wenig unheimlich sein, das will er ja auch. «Der Drapoling ist eine raue Figur. Verglichen mit früher hat sich sein Auftreten gemässigt. Doch natürlich wollen wir den Leuten noch immer ein wenig einheizen», sagt Hubert Scheiber, der seit rund 15 Jahren im Kostüm dieser uralten Fasnachtsgestalt unterwegs ist. So kann es schon einmal vorkommen, dass eine Drapoling-Gruppe jemanden packt oder wild umtanzt.

Angriff auf Drapolings
Doch in den letzten Jahren hat sich das Blatt gewendet. Immer häufiger sind die Drapolings selber die Angegriffenen. «Die Übergriffe gegen Drapolings haben zugenommen. Vor allem weil die jungen Leute diesen Brauch nicht mehr kennen», sagt Annemarie Wipfli, die seit 1971 Drapoling-Kostüme näht und in Silenen einen kleinen Kostümverleih betreibt.

An der letzten Fasnacht zum Beispiel sei in Altdorf ein 22-jähriger Drapoling von einer Gruppe Jugendlicher zusammengeschlagen worden, schildert Wipfli. «Sie haben ihn mit Füssen getreten, als er am Boden lag.» Auch für Hubert Scheiber ist dieses Phänomen nicht unbekannt. Seit rund 15 Jahren ist er als Drapoling unterwegs. «Einige Leute, vor allem Jugendliche, reagieren aggressiv, wenn sie uns sehen.» So hat Scheiber als Drapoling auch schon brenzlige Situationen erlebt: Er und seine Kollegen wurden schon heftig am Gurt gepackt oder zu Boden gestossen.

«Solange man in der Gruppe unterwegs ist, gehts einigermassen. Aber wenn man alleine unterwegs ist, ist man oft Angriffsziel», sagt Scheiber. Häufiger sind Überfälle auch, wenn man ausserhalb von Amsteg unterwegs ist, zum Beispiel in Altdorf. «Dort ist unsere Tradition wenig bekannt.» Wegen ihrer Larve ist das Blickfeld eines Drapolings eingeschränkt und er ist oft ein leichtes Opfer.

Frühzeitiger Abbruch
Aggressionen gegen Drapolings bleiben nicht ohne Folgen: «Viele getrauen sich nicht mehr, als Drapoling an die Fasnacht zu gehen, weil sie Angst vor Angriffen haben», schildert Annemarie Wipfli. Das ist auch der Grund, weshalb die Nachfrage nach Drapoling-Kostümen zurückgegangen ist. Oder weshalb sie früher zurückgegeben werden. «Letztes Jahr mietete jemand ein Kostüm für die ganze Fasnachtszeit und brachte es bereits am ersten Abend zurück. Weil er schon am ersten Abend als Drapoling schlechte Erfahrungen gemacht hatte.»

Nachhilfe in Drapoling-Kunde
Was soll man tun gegen diese Tendenz? Scheiber wüsste eine Lösung. «Man müsste diesen Brauch wieder bekannter machen. Wie bei uns in Amsteg. Dort haben wir uns in der Schule mit dieser historischen Fasnachtsfigur befasst.»

Für ihn steht fest: «Wenn es irgendwann einmal keine Drapolings mehr gibt, wäre das ein herber Verlust für die Urner Fasnacht.»

Philipp Arnold