Düstere Aussichten für Urner Strassen

Da die gesprochenen Mittel nicht ausreichen, um die Substanz der Kantonsstrassen langfristig zu erhalten, verschlechtert sich der Zustand der Strassen im Kanton Uri laufend. Das geht aus einem Bericht der Regierung hervor.

Carmen Epp
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Urner Kantonsstrassen büssen von Jahr zu Jahr an Fahrkomfort ein – spürbar auch auf der Flüelerstrasse. (Bild: Markus Zwyssig, 31. Januar 2018)

Urner Kantonsstrassen büssen von Jahr zu Jahr an Fahrkomfort ein – spürbar auch auf der Flüelerstrasse. (Bild: Markus Zwyssig, 31. Januar 2018)

Wie steht es um die Urner Kantonsstrassen? Mit dieser Frage gelangte Landrat Ludwig Loretz (FDP, Andermatt) am 17. Mai 2018 an die Urner Regierung. «Die Kantonsstrassen übernehmen als Zubringer zu den Regionen wirtschaftlich und touristisch eine bedeutende Rolle», schrieb Loretz in seiner Kleinen Anfrage. Deshalb sei die Werterhaltung des Kantonsstrassennetzes von besonderer Bedeutung. Um herauszufinden, wie es um das Strassennetz steht, stellte er dem Regierungsrat fünf Fragen. Nun liegen die Antworten vor.

Die vom Kanton eingesetzten Mittel würden ausreichen, um den Zustand des 153 Kilometer langen Kantonsstrassennetzes zu erfassen, hält der Regierungsrat fest. Seit 2009 erfolge eine Zustandserfassung mit einem vordefinierten und strukturierten Ablauf. In der jährlichen Hauptinspektion werde jeweils ein Fünftel der Kantonsstrassen detailliert inspiziert. Dadurch sei der Strassenzustand «sehr gut bekannt». Jede Strasse in Uri verfüge über Abschnitte in gutem und in weniger gutem Zustand.

2 bis 3 Kilometer Fahrbahn werden jährlich erneuert

Der Zustand von Strassen und Kunstbauten habe sich in den vergangenen Jahren verschlechtert, hält der Regierungsrat in seiner Antwort fest. Und auch für die Zukunft malt die Regierung ein düsteres Bild. Eigentlich müssten jährlich 4 bis 6 Kilometer der Fahrbahnoberfläche erneuert werden. Stattdessen werden seit 2008 nur knapp 2 bis 3 Kilometer geschafft. So würden für die Erneuerung des gesamten Kantonsstrassennetzes 50 bis 70 Jahre gebraucht, die Lebensdauer eines Deckbelags könne in Uri jedoch nur 25 bis 40 Jahre erreichen. «Daraus folgt eine laufende Verschlechterung des Strassenzustands», schreibt die Regierung.

Bei der Fahrbahnoberfläche könne die Zustandsverschlechterung mitverfolgt werden: Die Strassen büssen von Jahr zu Jahr an Fahrkomfort ein. Es dauere jedoch sehr lange, bis eine Strasse unbrauchbar wird und den Verkehrsteilnehmern nicht mehr zugemutet werden kann. Anders bei Kunstbauten wie Brücken oder Stützmauern: Die können bei mangelndem Unterhalt plötzlich versagen, weshalb auf sie ein besonderes Augenmerk gerichtet wird. Deshalb werde etwa die Sanierung der Bristenstrasse für zirka 13 Millionen Franken in den kommenden Jahren favorisiert angegangen.

Unterhaltsprogramm: 36 Millionen für vier Jahre

Seit 2012 entscheidet der Landrat alle vier Jahre über das Unterhaltsprogramm für die Kantonsstrassen, das rund 36 Millionen Franken umfasst. Die letzten beiden Unterhaltsprogramme (2012 bis 2015 und 2016 bis 2019) enthielten Finanzmittel in der Höhe von jährlich knapp 9 Millionen Franken. Hinzu kommen noch zirka 0,7 Millionen Franken aus dem betrieblichen Unterhalt. Im aktuellen Unterhaltsprogramm und im künftigen von 2020 bis 2023 muss anteilsmässig die West-Ost-Verbindung mitfinanziert werden, wie die Regierung festhält. Das bringe temporär eine Reduktion des baulichen Unterhalts mit sich.

Anforderungen an Qualität soll gesenkt werden

Auf Loretz’ Frage, ob die eingesetzten Gelder ausreichen, um die Substanz der Kantonsstrassen langfristig zu erhalten, lautet die Antwort der Regierung: Nein. Die gesprochenen Mittel liegen unter dem notwendigen Betrag. Gegenwärtig sei der Regierungsrat deshalb daran, eine neue Strategie Strasse zu erarbeiten. Deren Ziel sei es, den Einsatz der Unterhaltsmittel zu optimieren. Dies werde erreicht mit einer neuen Festlegung der Erschliessungsqualitäten – also mit tieferen Qualitätsansprüchen an den Ausbaustandard. Ausserdem sollen auch die Anforderungen an die Qualität des Strassenstandards gesenkt werden.

Wie gut, oder wie mangelhaft der Zustand der Strassen im Kanton Uri sein soll, sei nicht zuletzt ein politischer Entscheid, hält die Regierung weiter fest. Die im Unterhaltsprogramm zur Verfügung stehenden Mittel würden nicht allein auf den technisch ermittelten Notwendigkeiten basieren, «sondern sind ein politisch erarbeiteter Kompromiss». Die Antwort des Regierungsrats auf die Kleine Anfrage von Loretz wird in einer der nächsten Landratsessionen behandelt.