E-Fahrzeuge sind auch im Kanton Uri im Trend – und fordern die Experten heraus

Im Kanton Uri sind 60 Personenwagen elektrisch unterwegs. Die Kontrolleure sind damit neuen Gefahren ausgesetzt.

Philipp Zurfluh
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Im Kanton Uri sind diverse Ladestationen für Elektrofahrzeuge vorhanden.

Im Kanton Uri sind diverse Ladestationen für Elektrofahrzeuge vorhanden.

Bild: Christian Beutler/Keystone (10. Juli 2017)

Derzeit sind Elektrofahrzeuge auf Schweizer Strassen noch eine Ausnahme. Ihr Aufstieg ist aber wohl nur noch eine Frage der Zeit. Schweizweite Zahlen zeigen, die E-Fahrzeuge sind auf dem Vormarsch. Dies lässt sich auch im Kanton Uri feststellen. Die Anzahl Elektrofahrzeuge hat im Vergleich zum Vorjahr um 67 Prozent zugenommen (Stand Dezember). Dies geht aus einer Mitteilung der Sicherheitsdirektion hervor. Im Kanton Uri sind aktuell 60 Elektrofahrzeuge immatrikuliert, das sind 24 Fahrzeuge mehr als im Jahr zuvor.

Laut der Sicherheitsdirektion ist aufgrund der neuen Fahrzeugmodelle auch in den kommenden Jahren mit einer markanten Zunahme von Elek­trofahrzeugen zu rechnen. Bei der Neuzulassung von Personenwagen beträgt der Anteil an Elektrofahrzeugen im laufenden Jahr 2,25 Prozent, der Anteil von Fahrzeugen mit Hybridantrieb beträgt 6,3 Prozent.

Experten sind bei Kontrollen mit Gefahren konfrontiert

Dieser Trend fordert das Amt für Strassen- und Schiffsverkehr (ASSV), das in diesen Tagen die ersten Fahrzeugprüfungen der neusten Generation durchgeführt hat. «Der Urner Sicherheitsdirektor Dimitri Moretti konnte sich persönlich überzeugen, dass sein Amt für die neuen Herausforderungen gerüstet ist», heisst es in einer Mitteilung. «Die Experten mussten sich auf diese neuen Aufgaben vorbereiten», weiss der zuständige Regierungsrat. Stefan Waser, Chefexperte Technik im ASSV, erklärt: «Durch die hohe Betriebsspannung der Elektrofahrzeuge besteht die potenzielle Gefahr eines Stromschlags.» Bei einer Beschädigung der elektrischen Komponenten nehme diese Gefahr stark zu. «In diesem Fall besteht zudem eine erhöhte Brandgefahr. Wegen der verbauten Akkus sind Elektrofahrzeuge im Brandfall schwierig zu löschen.»

Sicherheitsdirektor Dimitri Moretti informierte sich vor Ort über die Prüfung von Elektrofahrzeugen. Rechts im Bild: Chefexperte Stefan Waser.

Sicherheitsdirektor Dimitri Moretti informierte sich vor Ort über die Prüfung von Elektrofahrzeugen. Rechts im Bild: Chefexperte Stefan Waser.

Bild: Sicherheitsdirektion Uri

Schliesslich würden auch die sich bildenden toxischen Stoffe ein weiteres Gefahrenpotenzial darstellen. «Unsere Verkehrsexperten sind aber optimal gerüstet. Sie haben spezifische Weiterbildungen im Zusammenhang mit der Prüfung aber auch bezüglich Arbeitssicherheit besucht», ergänzte Moretti.

«Zusätzlich wurde auch die Schutzausrüstung angepasst sowie ein Spezialfeuerlöscher mit antikatalytischem Effekt für Elektrofahrzeuge angeschafft.»

Im Rahmen einer Prüfung eines Elektrofahrzeugs konnte sich der Sicherheitsdirektor kürzlich vor Ort ein Bild über das angepasste Prüfsystem machen. «Das Amt für Strassen- und Schiffsverkehr hat sich erfolgreich den geänderten Rahmenbedingungen angepasst. Es kann sich weiterhin auf eine seiner Kernkompetenzen – der Fahrzeugprüfung – verlassen.» Im Galgenwäldli werde sichergestellt, dass alle Antriebsvarianten betriebssicher unterwegs seien. «Damit leisten die Mitarbeiter einen wesentlichen Beitrag an die Verkehrssicherheit», so Moretti. «Die E-Mobilität hat Zukunft», ergänzt der Sicherheitsdirektor. Der Kanton Uri stelle etwa Parkplätze für das Laden von E-Fahrzeugen zur Verfügung.

Der Horlacher City I war im Jahr 2001 der erste im Kanton Uri eingelöste Elektro-Personenwagen.

Der Horlacher City I war im Jahr 2001 der erste im Kanton Uri eingelöste Elektro-Personenwagen.

Bild: Horlacher AG

Die Technologie für den Betrieb von Elektrofahrzeugen existiert bereits seit rund 120 Jahren. Trotzdem setzten sich Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren für den Gebrauch in der breiten Öffentlichkeit durch. Der technische Fortschritt aber auch ein flächendeckendes Tankstellennetz verhalfen den Verbrennungsmotoren zum Durchbruch. Erst um das Jahr 2000 erlebten die E-Fahrzeuge dank neuer Innovation und viel leistungsstärkerer Akkus eine Renaissance. Der erste Personenwagen, der im Jahr 2001 im Kanton Uri zugelassen wurde, war ein Horlacher City II. Ein Fahrzeug mit einer Leistung von 25 Kilowatt und einer Reichweite von 70 bis 100 Kilometern. Es dauerte ein Jahrzehnt, bis das nächste Elektrofahrzeug – ein Mitsubishi i-Miev – immatrikuliert wurde.

Ladestationen im Raum Altdorf und Andermatt

In den vergangenen Jahren fand auch in der traditionellen Autoindustrie ein Wandel statt und man setzt vermehrt auf Elektroautos. Elektrofahrzeuge mit der neusten Technologie sind mittlerweile eine adäquate Alternative zu den herkömmlichen Antriebsarten. Die Reichweite pro Ladung beträgt bei einzelnen Modellen bis zu 400 Kilometer, zudem sind die Fahrzeuge oftmals mit Vierradantrieb ausgestattet, was gerade für die Bewohner von Bergkantonen ein wichtiges Argument ist. Entlang der Autobahnen – so auch seit 2018 an der Gotthard-Raststätte – existiert bereits ein leistungsstarkes Netz von Ladestationen. Auch in Uri besteht bereits eine beachtliche Infrastruktur – gerade im Raum Altdorf und in Andermatt.

Marktanteil der Hersteller von Elektro-Personenwagen im Kanton Uri.

Marktanteil der Hersteller von Elektro-Personenwagen im Kanton Uri.

Diagramm: Sicherheitsdirektion Uri