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Bundesratswahlen: «Eigentlich einfache Mathematik»

Drei Kenner der Politszene in Bern zeigten sich gestern kaum überrascht von der Nichtwahl von Heidi Z’graggen. Erstaunt waren sie aber allesamt über «den kurzen Prozess und das ernüchternde Resultat».
Bruno Arnold
Alt Ständeratspräsident Hansheiri Inderkum gibt beim Public Viewing in Altdorf Erläuterungen zu den Bundesratswahlen ab. (Bild: Urs Hanhart, 5. Dezember 2018)

Alt Ständeratspräsident Hansheiri Inderkum gibt beim Public Viewing in Altdorf Erläuterungen zu den Bundesratswahlen ab. (Bild: Urs Hanhart, 5. Dezember 2018)

Sie zählen zu den profiliertesten Urner Politiker der jüngsten Vergangenheit und haben selber mehrmals Bundesratswahlen miterlebt. Gestern verfolgten sie die Ausmarchung um die Nachfolge von Doris Leuthard und Johann Schneider-Ammann in Altdorf: Franz Steinegger (FDP, Nationalrat von 1980 bis 2003), Hansheiri Inderkum (CVP, Ständerat von 1995 bis 2011) und Gabi Huber (FDP, Nationalrätin von 2003 bis 2015). Sie alle zeigten sich vom Resultat kaum überrascht – höchstens von der Deutlichkeit.

Franz Steinegger: «Das Ergebnis ist sicher ernüchternd»

«Heidi Z’graggen und der Kanton Uri haben sich für einige Zeit in den Mittelpunkt des Medieninteresses stellen können», nennt Franz Steinegger zuerst den positiven Aspekt der Nichtwahl. «Das Ergebnis ist sicher ernüchternd, aber auch nicht überraschend», so der langjährige Präsident der FDP Schweiz. «Mit Viola Amherd stand Heidi Z’graggen eine Konkurrentin gegenüber, die seit langer Zeit in Bern politisiert, und die man sehr gut kennt.» Damit der Kanton Uri einmal einen Vertreter in der Landesregierung stellen könne, brauche es eine ganz spezifische Konstellation. «Das ist dann der Fall, wenn aus politischen oder Eignungsgründen effektiv andere valable Kandidaten fehlen», so Steinegger, der 1989 und 2003 selber als möglicher Bundesrat gehandelt wurde.

Dass der Entscheid bereits im ersten Wahlgang gefallen ist, hat den 75-jährigen Flüeler nicht überrascht: «Eigentlich ist das einfache Mathematik. Wenn es keine Sprengkandidaturen und nur zwei Bewerber für einen Sitz gibt, dann erreicht in der Regel jemand bereits im ersten Wahlgang das absolute Mehr.» Und augenzwinkernd meint er: «Immerhin hat Heidi Z’graggen gegen Viola Amherd ein paar Stimmen mehr erhalten als Hans Wicki gegen Karin Keller-Sutter.»

Inderkum sieht drei Hauptgründe für die Nichtwahl

«Vor der Wahl hätte ich gesagt: Es ist nicht unmöglich, aber eher unwahrscheinlich», erklärte der ehemalige Ständeratspräsident Hansheiri Inderkum gestern. Er sei deshalb auch nicht unbedingt überrascht von der Wahl von Viola Amherd, sondern viel mehr darüber, dass der Entscheid für die Walliserin bereits im ersten Wahlgang gefallen sei. Für den CVP-Politiker dürften drei Gründe für diesen «relativ kurzen Prozess» ausschlaggebend gewesen sein. «Eine Regierungsrätin kennt die Dossiers naturgemäss nicht so vertieft wie eine Bundesparlamentarierin. Diesen Vorteil hat Amherd in den Hearings offensichtlich mit einem höheren Konkretisierungsgrad nutzen können», so Inderkum. Nicht zu unterschätzen sei aber auch die Zweisprachigkeit des Kantons Wallis: «Die Romands haben über die Fraktionsgrenzen hinweg Solidarität gezeigt», ist Inderkum überzeugt. Und schliesslich seien Unmutsbekundungen zu den CVP-Kandidaturen, die zu einem zweiten Wahlgang hätten führen können, fast vollständig ausgeblieben.

Bundesversammlung bevorzugt eigene Leute

Die ehemalige Urner Nationalrätin und Chefin der FDP-Bundeshausfraktion in Bern, Gabi Huber, zeigte sich aufgrund der Ausgangslage und der im Vorfeld der Wahl geführten Gespräche wenig überrascht vom Entscheid. «Es ist grundsätzlich mutig, als Urner Regierungsrätin für den Bundesrat zu kandidieren», sagte sie auf Anfrage. «Die Erfahrung zeigt, dass die Bundesversammlung ihre Mitglieder bevorzugt. Wer im Parlament in Bern politisiert, hat während Jahren die Möglichkeit, Werbung in eigener Sache zu machen, nicht zuletzt durch die Arbeit in den Kommissionen und im Parlament», so Huber. Allerdings gebe es keine Regel ohne Ausnahme. Sicher sei die Wahl immer erst dann, wenn die Stimmen ausgezählt seien. Dass Uri nach wie vor zu jenen Kantonen zählt, die noch nie einen Bundesrat gestellt haben, will Gabi Huber nicht überbewerten. Sozusagen als Trost für alle Enttäuschten meint sie: «Urner Parlamentarier können für den Kanton weit mehr erreichen als ein Bundesrat, denn dieser hat das Wohl des ganzen Landes im Auge zu behalten.»

CVP sieht auch positive Seiten der Nichtwahl

«Wir freuen uns, dass mit Viola Amherd wieder eine Bundesrätin die Anliegen der Bergkantone vertreten wird», schreibt CVP-Präsident Flavio Gisler (siehe auch «Nachgefragt») in einer Medienmitteilung. «Und natürlich freuen wir uns auch, dass uns Heidi Z’graggen als Regierungsrätin erhalten bleibt. Sie ist ein Gewinn für unseren Kanton.»

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