Ein Altdorfer dreht mit Hollywoodstars

Der US-Thriller «Verblendung» hat das Zeug zum Kassenhit. Einen kurzen Auftritt im Film hat sich der Altdorfer Werner Biermeier ergattert.

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Werner Biermeier 2010 in einer Krimikomödie im Theater Uri. (Bild: Urs Hanhart / Neue UZ)

Werner Biermeier 2010 in einer Krimikomödie im Theater Uri. (Bild: Urs Hanhart / Neue UZ)

Eine junge Frau – als reiche Dame verkleidet – betritt das Büro. Sie will auf der Bank Bons in der Höhe von mehreren Milliarden Dollar in Bargeld umtauschen. Der Banker ist verwirrt. So viel Geld?

Die Szene stammt aus dem US-Thriller «Verblendung», der jetzt in den Schweizer Kinos läuft, so auch in Altdorf. Die junge Frau ist Lisbeth Salander, gespielt von der Amerikanerin Rooney Mara, einem angehenden Topstar in Hollywood. Der Banker dagegen ist in Hollywood zwar ein Nobody, überraschenderweise kommt er aber aus Uri: Der Altdorfer Werner Biermeier hat sich im Thriller eine kleine Sprechrolle ergattert.

«Ausgerechnet ich spiele einen Banker», sagt Biermeier mit einem Schmunzeln. Denn in der Realität lebt er oft von der Hand in den Mund. «Auch meine Gage ist bei weitem nicht so hoch ausgefallen, wie wenn ich auf der Bank gearbeitet hätte.» Es war eine Schweizer Castingfirma, die Biermeier für die Szene auswählte. «Bei den Castings ist alles streng geheim gewesen. Vom Drehbuch habe ich nur die eine Seite mit dem Auftritt des Bankers bekommen.»

Biermeier wurde engagiert. Drehtag war im Dezember 2010. Nach einem Tag sei alles im Kasten gewesen. «Ein intensiver Tag», erinnert sich Biermeier. «Alle am Set sind hoch konzentriert gewesen und haben sehr professionell gearbeitet.»

Umarmung zum Schluss

Mit Regisseur David Fincher («Seven», «Fight Club») hat er sich gut verstanden: «Er wird von allen vergöttert, der Obermacker», so Biermeier. Fincher sei mit Biermeiers Job ausserordentlich zufrieden gewesen. «Am Schluss hat es eine riesige Umarmung gegeben und ein ‹well done› von Fincher», erzählt der Altdorfer. «Im Filmgeschäft ist das eine ehrliche Geste der Anerkennung.»

Spielen musste Biermeier selbstverständlich auf Englisch. Das war kein Problem, schliesslich hat er in New York Schauspiel studiert. In der synchronisierten deutschen Version des Films ist Biermeiers Stimme allerdings nicht zu hören. «Schade», sagt er, «denn eigentlich hätte ich die Synchronisation in meinem Vertrag gehabt. Ich bin im deutschen Markt auch präsent, aber darauf nehmen solche Grossproduktionen leider keine Rücksicht.» In vielen Schweizer Kinos ist der Film jedoch im Originalton zu sehen.

Geht ein Türchen auf?

Werner Biermeier schliesst aus, dass er selber im geplanten zweiten und dritten Teil der amerikanischen Trilogie auftreten wird. Doch vielleicht hat sich mit seinem Auftritt trotzdem ein Türchen in Hollywood aufgetan. Vorderhand ist der Urner allerdings in der Schweiz beschäftigt. Er wirkt im Theaterstück «Ittingen brennt» mit, das im Kanton Thurgau aufgeführt wird. Im Sommer wird Biermeier am Bodensee im Stück «Black Rider» des Komponisten Tom Waits eine Hauptrolle spielen. Hollywood ruft halt nicht alle Tage.

Florian Arnold/Neue Urner Zeitung

<em>Den ausführlichen Artikel zu diesem Thema finden Sie in der &laquo;Neuen Luzerner Zeitung&raquo; vom 16. Januar 2012 oder im E-Paper.</em>