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Ein Altdorfer macht die Bergwelt zum Freiluftatelier

Der Urner Bildhauer Hans Gisler verbindet Granitstein und Lärchenholz zu einem Gesamtkunstwerk. Berggänger können ihn bei seiner Arbeit im Göscheneralptal beobachten.
Bruno Arnold
2017 hat Hans Gisler bei der Sidelenhütte die Skulptur «Pedro a dr Kantä» geschaffen. Ab der kommenden Woche wird er in seinem Freiluftatelier im Göscheneralptal arbeiten.Bild: PD (Realp, 20. August 2017)

2017 hat Hans Gisler bei der Sidelenhütte die Skulptur «Pedro a dr Kantä» geschaffen. Ab der kommenden Woche wird er in seinem Freiluftatelier im Göscheneralptal arbeiten.Bild: PD (Realp, 20. August 2017)

Was haben zwei Granitblöcke unterhalb der Salbit-Westgrat-Türme im Göscheneralptal und eine durch einen Sturm entwurzelte 280 Jahre alte Lärche im Wald unterhalb der Salbithütte miteinander zu tun? Für den «gewöhnlichen» Berggänger oder Kletterer vermutlich rein gar nichts – zumal man vom Ort, an dem der umgeworfene Baum lag, bis zu den beiden Steinen einen rund anderthalbstündigen Fussmarsch unternehmen muss.

Anders sieht die Sache aus, wenn der Urner Bildhauer und begeisterte Alpinist Hans Gisler diese beiden Materialien entdeckt. «Mir kam die Idee, die beiden rund ein Meter hohen Steine und das Holz zu einem Gesamtkunstwerk zu vereinen», erzählt der 54-jährige Altdorfer. Die 700 Kilogramm schwere und rund vier Meter lange Lärche liegt mittlerweile bei den beiden Granitblöcken, rund 45 Minuten von der Salbithütte entfernt, am Panorama-Rundweg, der den Ober- und Mittler-Höhenberg verbindet. Sofern es das Wetter zulässt, wird Gisler seine Idee ab der kommenden Woche in die Tat umsetzen.

Ein fliegender und ein sitzender Adler

Mit der Kettensäge sowie mit einer Säge mit Carving-Schwert, einem Akku-Winkelschleifer und Schnitzmessern wird der in Riemenstalden aufgewachsene Bildhauer aus dem Lärchenholz Könige der Lüfte entstehen lassen: einen fliegenden und einen sitzenden Adler. Die beiden rund 50 Kilogramm schweren Skulpturen werden nach der rund zweiwöchigen Kreativphase auf den beiden Granitblöcken verankert. Das Gesamtkunstwerk wird dereinst eine Höhe von rund 2,5 bis 2,8 Metern erreichen. «Wo könnten diese Kunstwerke besser hinpassen als in diese einzigartige Felslandschaft mit ihrer atemberaubenden Kulisse?» fragt Gisler. Und gibt die Antwort gleich selber: «An keinen andern Ort.» Einen dritten Holz-Adler auf Granit könnte sich der Künstler zudem noch beim Salbitbiwak vorstellen.

Aber wieso gerade Adler? Im Juli 2018 hat Gisler an der Südwestwand des Salbitschijen eine neue, rund 300 Klettermeter lange Route eingerichtet respektive deren Erstbegehung vorgenommen. «Eagle Eye», so hat der passionierte Kletterer die Route getauft – aus einem einleuchtenden Grund: «Auf der Schlüsselseillänge ist ein Adlerkopf mit Auge und Schnabel zu erkennen», sagt Gisler. «Dass aus dem Lärchenholz nun Adler entstehen werden, ist für mich so etwas wie die Weiterführung der Eagle-Eye-Geschichte vom Salbitschijen», sagt der Altdorfer.

Bei schönem Wetter können Berggänger vom 10. bis 22. September vor Ort zuschauen, wie der Holzbildhauer den Lärchenstamm mit seinem Werkzeugen bearbeitet und so die von ihm gewünschten Konturen des fliegenden und des sitzenden Adlers schliesslich immer deutlicher Gestalt annehmen. Vom Parkplatz Grit an der Strasse Richtung Göscheneralp aus erreicht man Gislers Arbeitsplatz in rund dreieinhalb Stunden. «Ich werde bei meiner Schnitzerarbeit auch die Ecken, Kanten und Ausbuchtungen des Steins berücksichtigen, damit Granit und Lärchenholz schliesslich passend ineinanderfliessen», erklärt Gisler.

Der Holzbildhauer malt auch Aquarelle

Und wenn er nicht gerade am Schnitzen oder Klettern ist, dann werden im Freiluftatelier in den Urner Alpen auch Aquarellbilder entstehen. «Für mich bedeuteten die Aufenthalte im Salbitgebiet in der Göscheneralp vor allem genussvolle Ferientage», freut sich der Altdorfer Holzbildhauer darauf, sein Atelier an der Attinghauserstrasse 120 für einige Zeit mit der Salbithütte und der freien Natur zu tauschen. Genau so, wie er es bereits im Herbst 2017 getan hat, als bei der Sidelenhütte im Furkagebiet die Skulptur «Pedro a dr Kantä» entstanden ist.

Wer Hans Gisler bei seiner Arbeit beobachten möchte, sollte sich vorgängig über dessen Anwesenheit vor Ort erkundigen (Telefon 0796984341). Infos zur Arbeit des Altdorfer Bildhauers gibt es unter www.bildhauen.ch.

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