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Interview

UKB-CEO Christoph Bugnon: «Ein Flopp wäre eine Bankrotterklärung»

Die Urner Kantonalbank baut ein neues Bahnhofsgebäude für knapp 50 Millionen Franken. Die Verantwortlichen sagen, warum.
Interview Florian Arnold
Christoph Bugnon, der CEO der Urner Kantonalbank, und Projektleiterin Esther Heiz am geplanten Standort des UKB-Neubaus am Bahnhofplatz in Altdorf. (Bild: Florian Arnold, Altdorf, 27. Juni 2019)

Christoph Bugnon, der CEO der Urner Kantonalbank, und Projektleiterin Esther Heiz am geplanten Standort des UKB-Neubaus am Bahnhofplatz in Altdorf. (Bild: Florian Arnold, Altdorf, 27. Juni 2019)

Der geplante Neubau am Kantonsbahnhof wirft viele Fragen auf. UKB-CEO Christoph Bugnon und Projektleiterin Esther Heiz nehmen Stellung. Die ausgebildete Architektin arbeitet seit mehreren Jahren für die UKB und bringt nun als Projektleiterin ihr Fachwissen in das Bahnhofsgebäude ein.

Wieso braucht es den Neubau am Bahnhof Altdorf?

Christoph Bugnon: Wir wollen einen Impuls setzen, welcher sowohl der Entwicklung des Kantons als auch der Modernisierung der Bank dient. Wegbereiter sind die Neat, die Werkmatt, die West-Ost-Verbindung sowie der neue Autobahnhalbanschluss. Jetzt braucht es Investoren und wir sind mit bereit, diese Initial-Investition zu tätigen. Es ist unvorstellbar, dass Altdorf der einzige Hauptort in der Schweiz wäre, der einen Kantonsbahnhof ohne eigentliches Empfangsgebäude hätte. Der Kantonsbahnhof wird ein Begegnungsort, das Eingangstor zum Kanton Uri.

Das kostet knapp die Hälfte eines neuen Kantonsspitals. Wäre es nicht etwas billiger gegangen?

Esther Heiz: Dieser Vergleich darf so nicht gemacht werden. Aber an diesem Standort ging es nicht anders. Allein über 10 Prozent brauchen wir für lagebedingte Sonderkosten. Diese entstehen, weil wir unmittelbar an der Bahnlinie bauen, was Massnahmen bezüglich Akustik, Erschütterung und Strahlung nötig macht. Gleichzeitig wird der Bushof realisiert. Das macht die Baustellenlogistik entsprechend aufwendiger.

Bugnon: Die Kosten sind ein wichtiger Faktor. Noch wichtiger aber ist die Wirtschaftlichkeit. Was wir jetzt haben, ist die ökonomisch optimalste Variante. Wäre das Gebäude kleiner, müssten die Grundkosten auf weniger Quadratmeter verteilt werden. Und hätten wir grösser gebaut, wäre das Vermietungsrisiko gestiegen.

Eine kürzlich eingereichte Petition zeigt doch auch, dass die Bevölkerung dies schwer nachvollziehen kann. So viel Geld ausgeben und gleichzeitig bei den Filialen sparen: Wie geht das zusammen?

Bugnon: Dies sind zwei verschiedene Themen. Wer an die Zukunft glaubt, muss strategisch investieren, auch wenn man wo anders spart. Das zahlt sich langfristig aus. Kurzfristig müssen und wollen wir im operativen Geschäft die Effizienz steigern, um weiterhin gesund wachsen zu können. So sind wir überzeugt, dass sich dieses Investment rechnet.

Die UKB will mit ihrer neuen Strategie die Digitalisierung vorantreiben. Da könnte man doch alle Mitarbeiter zu Hause arbeiten lassen und bräuchte kein Gebäude.

Bugnon: Es ist nicht unsere Strategie, eine stark digitalisierte und virtuelle Bank überhaupt zu werden. Wir müssen uns aber klar stärker in die Digitalisierung hinein entwickeln. Das wird überlebenswichtig. Erfolgsfaktor Nummer 1 bleibt aber der Mensch und seine Fähigkeit, Beziehungen erfolgreich zu gestalten.

Aber wieso verlegen Sie auch den eigenen Hauptsitz an den Bahnhof?

Bugnon: Das wurde erst im Verlauf des Projektwettbewerbs entschieden. Wir wollten keine eigentliche Bank bauen, sondern ein multifunktionales Gebäude, das mit flexiblen Räumen ausgestattet ist. Wenn wir schon attraktive Arbeitsplätze realisieren, ist das auch für uns interessant. Im Zuge der Veränderung sind wir zum Schluss gekommen, dass wir in einer offenen grossflächigen Struktur wesentlich effizienter arbeiten können. So können wir die Bank weiter bringen, was sich für uns und unsere Kunden positiv auswirkt.

Und was wird aus dem heutigen Hauptsitz im Dorf von Altdorf?

Heiz: Da prüfen wir zurzeit verschiedene Varianten. Nebst der Investition durch uns selber, prüfen wir auch den Verkauf der gesamten Liegenschaft. Wir sind in einer Bauzone, wo Wohnungen oder ein Hotel zulässig sind. Auch Büroräume für ein grösseres oder mehrere kleine Unternehmen sind denkbar. Es könnte für einen Investor durchaus interessant sein.

Altdorf bangt um sein Dorfleben.

Bugnon: Da haben wir Verständnis. Aber die Entwicklung hängt bei Weitem nicht nur von unserer Bank ab. Die Welt verändert sich rasant und der Druck auf Verkaufsgeschäfte steigt.

Die Urner Kantonalbank unterstützt Aktivitäten für die Dorfentwicklung.

Nicht zuletzt entstehen durch unseren Umzug auch neue Möglichkeiten und Chancen. Das Leben wird sich verändern, aber weiterhin stattfinden. Es wird ganz sicher kein totes Dorf, dafür ist Altdorf viel zu schön.

Heiz: Mit dem neuen Schwerpunkt am Kantonsbahnhof wird Uri zudem als Ganzes gewinnen. Das zieht andere mit.

Sprechen wir über mögliche Mieter: Wechseln einfach die Geschäfte des Tellparks hierher?

Bugnon: Am Bahnhofplatz in Altdorf wird definitiv mehr laufen. Im Erdgeschoss gibt es zwar Retailflächen, wir haben aber null Bedenken. Es sind wenige Quadratmeter an einem hoch frequentierten Ort. Wir haben auch schon einige Interessenten, ohne dass schon Details bekannt sind. Die Vermarktung startet erst.

Heiz: Die Räume in den Obergeschossen des neuen Gebäudes können vielseitig genutzt werden. Neben Dienstleistungsbetrieben wären auch Nutzungen wie beispielsweise ein Fitnesscenter oder eine Arztpraxis möglich.

Für Altdorf rechnet man bis 2030 mit einem Beschäftigungswachstum von 9 Prozent und einer Zunahme der Bevölkerung um 7 Prozent.

Unter Umständen gibt es Branchen, die wir so noch gar nicht kennen. Fachleute bestätigen immer wieder, dass ein solcher Impuls wie der Kantonsbahnhof als neuer Verkehrsknotenpunkt automatisch eine Nachfrage mit sich zieht. Wir möchten natürlich auch Mieter von aussen anziehen, für welche die hervorragende Lage entscheidend ist.

Bugnon: Es ist zwar ein grosses Gebäude, aber wir vermieten nur rund 3'000 Quadratmeter Büroflächen. Das ist zwar für Altdorf nicht zu unterschätzen, aber auch nicht unrealistisch.

Heiz: Der jährliche Bedarf an Büroflächen liegt in Uri bei rund 1000 Quadratmetern. Und wenn wir an ein Szenario der Prosperität denken, kann dieser bis auf 2600 Quadratmeter ansteigen. Und wir haben ja jetzt noch einige Zeit bis zum Bezug.

Was, wenn es ein Flopp wird?

Bugnon: Wir sind an einem hoch frequentierten Standort und einen Drittel des Gebäudes brauchen wir selber. Ein Flopp würde bedeuten, dass wir von den 3000 Quadratmetern keinen einzigen vermieten könnten. Und wenn das so ist, glaubt man nicht mehr an die Entwicklung des Kantons Uri. Wenn an diesem Ort nichts stattfindet, wäre das eine Bankrotterklärung an die gesamte Entwicklung. An das glauben wir wirklich nicht. Dass ein paar Quadratmeter temporär leer bleiben, das ist Teil der Kalkulation.

Die Mitarbeiter müssen zum neuen Standort gelangen. Wie sieht das Konzept aus?

Heiz: Wir sind am Hotspot des öffentlichen Verkehrs, deshalb rechnen wir damit, dass auch viele Mitarbeiter den öV benutzen werden. Denn es gibt schnelle Verbindungen überall hin. Im Keller des Neubaus hat es 100 Veloparkplätze mit E-Bike-Stationen, Mitarbeiter können vor Ort sogar duschen. Und einige Parkplätze sind auch vorhanden.

Bugnon: Heute schon kommt ein Teil der Mitarbeiter mit dem Velo. Falls nötig, muss man dies als Arbeitgeber mit zusätzlichen Massnahmen fördern.

Und wie ist die Stimmung unter den Mitarbeitern im Hinblick auf den Wechsel des Arbeitsorts?

Heiz: Grossmehrheitlich freut man sich, besonders weil alle auf demselben Stock arbeiten werden, was mehr Nähe schafft. Heute sind wir auf vier Stockwerke verteilt. Klar gibt es auch Mitarbeitende, die Bedenken haben vor dem Schritt. Wir wollen die Mitarbeiter abholen und mit in den Prozess einbeziehen.

Eine Klimaanlage wäre in diesen Tagen wohl ein Argument, mit dem man jeden Mitarbeiter überzeugt.

Heiz: Das neue Gebäude hat keine Klimaanlage, die viel Energie braucht, aber ein Freecooling-System und eine kontrollierte Lüftung. Das entspricht dem, was wir als ökologisch sinnvoll erachten.

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