Ein kopflastiges Rendez-vous im Haus für Kunst Uri

Die beiden Coiffeure Willy Müller und Beat Widmer gewähren spannende Einblicke in die Welt der Frisuren. Passend dazu führt Kuratorin Barbara Zürcher durch die Ausstellung des Schwyzer Künstlers Anton Bruhin, bei welcher das Haupt eine tragende Rolle spielt.

Nino Gisler
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Zwei Coiffeure im Haus für Kunst Uri – wie passt das zusammen? Ausgezeichnet, findet Barbara Zürcher, Kuratorin im Haus für Kunst Uri. Zusammen mit den beiden Coiffeuren Willy Müller und Beat Widmer führt sie durch die Ausstellung von Anton Bruhins Werken. Die beiden Coiffeure erzählen den über 20 Anwesenden witzige Anekdoten, und auch solche, die zum Nachdenken anregen. Ihr berufliches Leben liefert genügend Stoff dazu. Dabei gelingt es Barbara Zürcher, geschickte Verknüpfungen zu den Werken Anton Bruhins herzustellen.

Ausstellungsrundgang im Haus für Kunst Uri mit Kuratorin Barbara Zürcher und den beiden Coiffeuren Willy Müller (links) und Beat Widmer (rechts).

Ausstellungsrundgang im Haus für Kunst Uri mit Kuratorin Barbara Zürcher und den beiden Coiffeuren Willy Müller (links) und Beat Widmer (rechts).

Bild: Urs Hanhart (Altdorf, 6. August 2020)

Neben Porträts und Selbstporträts finden sich in der Ausstellung abstrakte Spielereien von Köpfen, Gesichtern und Frisuren. «Frisuren sind in meinen Augen eine Form der Kunst», meint Beat Widmer. Dabei spielt er auf sein Handwerk an: Coiffeure seien gewissermassen Künstler und realisieren auf ihre Weise Wünsche der Kundschaft, so seine Erklärung. Beat Widmer sagt:

«Modetrends haben uns stets geprägt»,

Frisurentechnisch habe ihm die Zeit Ende der 1970er-Jahre am besten gefallen, verrät er und startet sogleich einen Erklärungsversuch: «Damals galt es, millimetergenau zu arbeiten. Die Frisuren mussten auch ohne Föhn sitzen. Von Ohren, Augen bis zur Nase mussten wir alles berücksichtigen. Mit dieser präzisen Arbeitsweise kam ich als Coiffeur auf meine vollen Kosten.»

Jahrelange Zusammenarbeit

Die Wege der beiden Urner Coiffeur-Urgesteine kreuzten sich schon früh. Zwischen 1969 und 1972, als Beat Widmer eine Coiffeurlehre beim Coiffeurgeschäft seines Onkels absolviert, erscheint der damals vierzehnjährige Willy Müller im Coiffeursalon. Barfuss, mit zerfransten Jeans, bauchfreiem Top und einer wilden, langen Haarmähne erkundigt sich Willy Müller, ob er eine Lehre beim Coiffeurgeschäft der Widmers absolvieren dürfe. «Wir gaben Willy eine Chance», verrät Beat Widmer.

Willy Müller stellt sich als sehr fleissiger und pflichtbewusster «Coiffeur-Stift» heraus. Er versteht es, sein volles kreatives Potenzial zum Vorschein zu bringen. Nicht nur beruflich, sondern auch privat schwimmen die beiden auf einer Wellenlänge. Es entwickelt sich eine starke Freundschaft, die bis heute anhält. Beat Widmer, der jahrelang das Coiffeurgeschäft Widmer führte, findet sich heute in der Rolle als Arbeitnehmer wieder. Sein Chef – Willy Müller. Auch dieser hat in seiner Karriere viele Weisheiten entdeckt. Die eine oder andere gab er auch an die Zuhörer weiter: «Frauen sind nicht unbedingt eitler als Männer, die Männer sind einfach schneller zufrieden mit ihrer Frisur.»

Undatiertes Porträtfoto von Beat Widmer mit seiner stolzen Haarpracht.

Undatiertes Porträtfoto von Beat Widmer mit seiner stolzen Haarpracht.

PD / Urner Zeitung

Bei der lockeren Fragerunde outet sich Beat Widmer als Bewunderer von Anton Bruhins Werken, gibt aber auch Geheimnisse von früher preis: Auch er habe in früheren Zeiten eine auffallend lange Haarpracht herumgetragen. Und so endet ein Abend voller Kunst, Köpfen und Frisuren. Noch nicht zu Ende ist Anton Bruhins Ausstellung, sie wurde verlängert und kann bis zum 16. August 2020 im Haus für Kunst Uri in Altdorf besichtigt werden.