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Working Point in Altdorf: Ein Ort, an dem sich digitale Nomaden treffen

Vor rund zwei Jahren hat Co-Working auch im Kanton Uri Fuss gefasst. Ein Augenschein im Working Point an der Dätwylerstrasse 27 in Altdorf.
Christian Tschümperlin
Freuen sich über ihren Arbeitsplatz im Working Point (von links): Roman Schön, Anja Wild, Elias Bricker, Christine Blaser und Thomas Gisler. (Bild: Christian Tschümperlin, Altdorf, 16. August 2019)

Freuen sich über ihren Arbeitsplatz im Working Point (von links): Roman Schön, Anja Wild, Elias Bricker, Christine Blaser und Thomas Gisler. (Bild: Christian Tschümperlin, Altdorf, 16. August 2019)

Wer Co-Working hört, versteht vielleicht im ersten Moment nur Bahnhof. Das mag daran liegen, dass der Trend bis vor kurzem vor allem in Städten Bekanntheit erlangte. Seit September 2017 hat er aber auch im Kanton Uri Fuss gefasst, und zwar an der Dätwylerstrasse 27 in Altdorf. Was also ist Co-Working?

Roman Schön steht hinter der Theke und trocknet eine Kaffeetasse ab. Fast könnte man sich in einem Restaurant wähnen, denn die Umgebung macht einen modernen, offenen und einladenden Eindruck. Tatsächlich wird hier aber gearbeitet.

Freelancer, Start-ups und andere bilden bunte Truppe

«Co-Working ist nicht nur für Start-ups oder Freelancer ein Thema, sondern für mobile Arbeiter aller Couleur», sagt Schön, der den Working Point zusammen mit Christine Blaser gegründet hat. Zielgruppe sind Leute, die zum Arbeiten ein Smartphone, ein Notebook, einen Internetanschluss und eine Tasse Kaffee brauchen. Mehr nicht. Man spricht auch von digitalen Nomaden. Tatsächlich haben sich in den letzten Jahren verschiedenste Formen flexibler Arbeitsplatzmodelle herausgebildet, die den festen Arbeitsplatz zunehmend verdrängen. Zu ihnen zählen etwa das Home-Office (von zu Hause aus arbeiten), Desksharing (mobile Arbeitsplätze im Unternehmen) oder eben Co-Working. Gründe für den Arbeitgeber können im Einsparen von Kosten liegen sowie in einer besseren Work-Life-Balance und damit der Motivation ihrer Angestellten. Aber auch Arbeitnehmer verlangen zunehmend nach mehr Flexibilität in der Wahl ihres Arbeitsplatzes. In Branchen mit Fachkräftemangel kann sich daher ein Unternehmen mit der Möglichkeit zum Co-Working profilieren. Schön erzählt:

«Wir haben beispielsweise Ingenieure bei uns, die arbeiten für eine Firma in Zug. Sie sparen täglich drei Stunden Pendelzeit ein.»

Handelt es sich bei Co-Working vielleicht nur um einen kurzfristigen Trend, der bald wieder abflaut? «Die Existenzfrage, die man sich am Anfang immer stellt, die ist beantwortet und geklärt. Jetzt geht es noch um Konsolidierung und Entwicklung. Da spielen uns die Trends in die Karten», sagt Schön. Für die Zukunft ist er optimistisch. Schön lässt aber durchblicken, dass er nicht abgeneigt wäre, wenn das Co-Working im Kanton Uri noch etwas bekannter würde.

Der positive Trend ist spürbar

«Unserem Working Point geht es gut. Ein wesentlicher Grund ist, dass vor allem die Raumvermietung gut läuft», sagt er. Denn der Working Point vermietet auch Sitzungszimmer, Schulungs- und Seminarräume oder Workshop-Zimmer und Einzelbüros. Sie tragen das Unternehmen. «Das ist ein echtes Bedürfnis in der Region Altdorf», sagt er. In letzter Zeit sei auch beim Co-Working ein positiver Trend spürbar, trotzdem dürfte das Konzept schon noch etwas mehr anziehen, baue der Co-Working-Gedanke doch auf eine starke Gemeinschaft.

Worin liegen denn die Vorteile eines Co-Working-Spaces? «Gegenüber dem Home-Office ist es sicher ein Vorteil, dass man in einer Arbeitsumgebung ist und keine privaten Ablenkungen hat, wie etwa den Geschirrspüler, Kinder, die einem um die Beine streichen, oder den Wunsch, statt zu arbeiten, plötzlich joggen zu gehen», sagt er. Zwar gäbe es im Working Point auch keine Präsenzkontrollen. «Wenn aber jemand Tage lang nicht auftaucht, fällt das schon auf», sagt Schön. Das erhöhe das Vertrauen des Arbeitgebers.

Was dem Co-Working zusätzlich in die Hände spielt, ist das aufkommende Management by Objectives, also das Führen über Zielvereinbarungen. «Viele Projekte haben ein klares Ziel, ein Budget und einen Termin. Solange die geleistete Arbeit diese Vorgaben erfüllt, kann es dem Arbeitgeber egal sein, wo der Arbeitnehmer arbeitet und ob er zwischendurch eine Runde Tischtennis spielt», sagt Schön mit Blick auf den Tischtennistisch auf der Terrasse.

Schmelztiegel kreativer Ideen nutzen

Aber dies allein ist nicht die Quintessenz eines Co-Working-Spaces. Im Hintergrund steht nämlich immer die Idee, eine Art Biotop zu kreieren, indem sich verschiedene Berufsgruppen gegenseitig inspirieren. «Wenn man miteinander einen Kaffee trinkt, kommt zur Sprache, was der andere macht, so kommt man auf Gedanken oder Ideen, die man vorher nicht hatte» sagt Christine Blaser.

Schön bezeichnet sich als typischen Co-Worker: «Ich unterrichte, betreue betriebswirtschaftliche Mandate, mache Buchhaltungen, begleite Businessplan-Projekte.» Gleichzeitig arbeiten beim Working Point auch ein Fotograf, eine Texterin, eine Grafikerin sowie Marketingfachleute. Komme bei einem seiner Projekte das Thema Logo auf, dann könne er sich an die Grafikerin im Haus wenden. Ein Co-Worker, der regelmässig komme, mache Gastronomie- Beratungen. Schön dazu:

«Nehmen wir an, ich habe als Buchhalter eine branchenspezifische Frage, dann wende ich mich an ihn.»

Zum Schluss gesellen sich die Co-Worker Elias Bricker, freischaffender Historiker, Anja Wild, Grafikerin, und Thomas Gisler, der an seiner Masterarbeit schreibt, dazu. «Ich habe eine Zeit lang zu Hause gearbeitet und merkte relativ schnell, dass ich am Abend nicht abschalten konnte. Hier gibt es eine gewisse Tagesstruktur und der Arbeitsplatz ist örtlich vom Wohnzimmer getrennt», sagt Bricker. Wild pflichtet bei: «Es gibt spannende Unterhaltungen, auch mit Leuten, die hier einen Workshop besuchen.» Den Schritt habe sie nicht bereut, sei es doch günstiger, als eine vollständige eigene Büroinfrastruktur zu mieten. «Es entstehen geschäftliche Kontakte, die einem nützen.» Last but not least berichtet die Gruppe von einem Gersauer, einem ehemaligen Google-Mitarbeiter, der sich regelmässig im Co-Working-Space blicken lässt. «Er hat viele Co-Working-Spaces abgeklappert und finden diesen ideal. Hier fühlt er sich als ausserkantonaler Co-Worker in einem kreativen, heimeligen Umfeld bestens integriert. So nimmt er den Weg gerne auf sich, zumal er beim Pendeln immer in die Gegenrichtung des Hauptverkehrs fährt», so Wild.

Weitere Informationen zum Co-Working-Space in Altdorf findet man unter: www.workingpoint.ch

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