Regierungsrat Camenzind zu seiner erneuten Kandidatur: «Ein Regierungsrat ist auch ein Verkäufer»

Urban Camenzind möchte sich weitere vier Jahre für Uri stark machen. Dabei setzt er auf sein Talent, die Leute zusammenzubringen.

Christian Tschümperlin
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Regierungsrat Urban Camenzind tritt an zur Wiederwahl. Er glaubt, dass Uri auf einem guten Weg ist.

Regierungsrat Urban Camenzind tritt an zur Wiederwahl. Er glaubt, dass Uri auf einem guten Weg ist.

Bild: Corinne Glanzmann (Altdorf, 14. Januar 2020)

Sein Amt als Regierungsrat füllt Urban Camenzind gerne aus. «Es entspricht voll meinen Erwartungen. In diesen acht Jahren gab es nur zwei oder drei Tage, an denen ich dachte, heute wird es ein schlechter Tag», sagt er. Der grösste Frust seiner Amtszeit kam aber im vergangenen Jahr über ihn: Der Steinschlag am Axen. «Da kam ich mir erstmals etwas ohnmächtig vor. Die Natur hat uns gezeigt, wer der Meister ist.» Es sei nicht leicht gewesen, die Sperrung all jenen zu erklären, die über den Axen täglich zur Arbeit müssten. Doch die tollen Momente überwiegen. Als Höhepunkt des Jahres bezeichnet Camenzind die Zuger Messe, an der Uri Gastkanton war. «Dies hat super geklappt und es gab gute Reaktionen.»

Am 8. März 2020 stellt sich Urban Camenzind (CVP) den Urnerinnen und Urnern zur Wiederwahl. Der Volkswirtschaftsdirektor hofft, bei den kommenden Gesamterneuerungswahlen ein gutes Ergebnis zu erzielen. «Das Resultat an der Urne ist wie ein Zeugnis», meint der Bürgler. Nervös sei er schon ein bisschen. Schlaflose Nächte habe er aber keine.

Als langjähriger Volkswirtschaftsdirektor weiss Camenzind genau, wo den Urner Unternehmen der Schuh drückt. Ohne lange zu überlegen spricht er den Fachkräftemangel an. «Steuerlich bieten wir gute Rahmenbedingungen. Doch es fehlen Fachleute im Kanton.» Zwar können Betriebe viele fähige Lehrlinge gewinnen. Nach der Lehre verlassen aber nicht wenige den Kanton zu Weiterbildungszwecken oder finden ausserhalb unseres Kantons interessante Arbeitsplätze.

Urner sollen ihre Zukunft in die Hand nehmen

Dagegen kann die Regierung nur beschränkt etwas tun. «Wir unterstützen die Wirtschaft beispielsweise darin, überbetriebliche Kurse für Lernende anzubieten.» Einer der Hintergründe ist der weitgehende Wegfall der Ruag als Ausbildnerin. «Jetzt müssen sich die Betriebe zusammenfinden», ist Camenzind überzeugt. Die Zeiten als der Bund Arbeit nach Uri brachte, zum Beispiel bei der Ruag, SBB, Post oder der Festungswache, seien vorbei. «Wir sind darum selber verantwortlich für unsere Zukunft.»

Trotz Fachkräftemangel ist der Regierungsrat optimistisch für den Wirtschaftsstandort Uri: Das grösste Wachstumspotenzial sieht Camenzind in den Infrastrukturarbeiten am Gotthard-Strassentunnel, der Sanierung der Gotthardstrasse und «hoffentlich» eines Tages am Axen. Der Unterhalt der Strassen ergebe eine gute Grundauslastung für das Urner Baugewerbe. Besonders stolz ist Camenzind auf die Dätwyler AG. «Sie ist eine in Uri ansässige Perle.»

Und nicht zuletzt glaubt der Volkswirtschaftsdirektor an den Tourismus:

«Da liegt noch viel Potenzial brach. Das Tourismusresort in Andermatt, zusammen mit den Skianlagen der grösste Arbeitgeber des Kantons, zeigt dies eindrücklich auf. Der Gastrobereich wäre doch etwas für unternehmenslustige, junge Leute.»

Dass Camenzind eines Tages für die CVP politisieren würde, zeichnete sich früh ab. «Seit Generationen ist unsere Familie bei der CVP dabei», so der 54-Jährige. Insofern habe er den Entscheid in jungen Jahren nicht bewusst gefasst. Heute jedoch ist er der festen Überzeugung, dass die Mitte entscheidend zum Erfolg des Landes beiträgt. «Auf allen Stufen der Politik ist es wichtig, den Konsens zu finden.» Camenzind glaubt nicht an die Polarisierung. Diese bringe selten gute Resultate.

Camenzind will ein bisschen «C»

Die Mitte stand auch schon stärker auf den Füssen. Das will Camenzind nicht bestreiten. Heute möchte die CVP in den Städten unter einem sozialliberalen Label wachsen, ohne die konservative Stammwählerschaft auf dem Land zu vergraulen. Ein Spagat. Jüngst nahm die Diskussion wieder an Fahrt auf, ob das «C» aus dem Namen CVP zu streichen sei. Dazu sagt Camenzind: «Ich verstehe die Diskussion, könnte mir aber vorstellen, das «C» in einigen Kantonen drin zu lassen.» Der Föderalismus sei gerade eine Stärke der CVP.

CVPler gelten als Bürgerliche mit Herz. Wie will sich Camenzind also von anderen bürgerlichen Politikern in sozialen Fragen absetzen? Er ist in der Aufsichtskommission der schweizerischen Arbeitslosenversicherung.

«Ein gut ausgebautes soziales Auffangnetz ist für unsere Wirtschaft im internationalen Vergleich ein Wettbewerbsvorteil.»

Noch immer kann Camenzind seine Erfahrungen als ehemaliger Heizungs-, Lüftungs- und Klimatechniker in den Regierungsrat einbringen. «Ein wichtiger Teil unserer Arbeit ist es, Leute von guten Ideen zu überzeugen. Zuerst die Regierungsratskollegen, dann die Bevölkerung.» Bereits als Unternehmer habe er die Leute zu Dingen ermuntern müssen. Camenzind gibt unumwunden zu: «Ein Regierungsrat ist immer auch ein Verkäufer.» Dies bezeichnet er denn auch als seine grösste Stärke: «Ich kann den Leuten etwas in einfachen Worten erklären und sie zusammenbringen.» Dass man als Regierungsrat dossierfest sein müsse, sei auch klar. Camenzind wird dabei aber von der Fachkompetenz eines vierzigköpfigen Teams unterstützt. Als ehemaliger Gemeindepräsident von Bürglen meint er mit einem Augenzwinkern: «Manche sagen, Gemeindepräsident sei der schönste Job der Schweiz. Aber Regierungsrat im Kanton Uri ist auch eine gute Sache.»

Eine leise Kritik an Bern

Nach Bern pflegt Uri gute Kontakte. «Aufgrund der Kleinheit haben wir einen Sympathiebonus. Wenn wir ein Anliegen haben, kommen wir an die richtigen Leute heran.» Etwas stört ihn aber schon: Die zunehmende Zentralisierung. «Das ist der Zeitgeist. Einem kleinen Kanton tut dies nicht gut.» Es sei für Uri suboptimal, wenn immer mehr Kompetenzen nach Bern wandern. Camenzind nennt ein konkretes Beispiel: «Die Direktzahlungen im Bereich der Landwirtschaft könnten wir vor Ort sicherlich effizienter abwickeln.» Alles in allem glaubt er aber, als Regierungsrat genügend Spielraum zu haben.

Der Vollblutpolitiker sitzt auch im Verwaltungsrat das Kraftwerk Amsteg und ist Verwaltungsratsvizepräsident des Elektrizitätswerks Altdorf. Einen Interessenkonflikt zu seinem Amt als Regierungsrat sieht er darin nicht, im Gegenteil: «Das Elektrizitätswerk Altdorf gehört zur Mehrheit einem Luzerner Unternehmen, Amsteg gehört den SBB. Die arbeiten mit unserem Wasser. Ich schaue es deshalb als etwas Positives an, dass wir unsere Interessen einbringen können.»

Camenzind ist aktiver Schütze, etwa auf dem Rütli, im Vorstand des Schützenvereins Attinghausen und im OK des Urner Kantonalen Schützenfests 2021. Weiter ist er Mitglied im Skiclub Rigi Hochfluh und Zuschauer beim Schwingen. Bleibt bei all diesen Verpflichtungen noch Zeit für seine Familie? «Es gehört bei mir dazu, dass ich am Abend mit meiner Frau einen Spaziergang mache. Auch am Samstag und Sonntag haben wir Möglichkeiten, gemeinsam etwas zu unternehmen.»

Den Neulingen bei der Einarbeitung helfen

In seinem Departement ist Camenzind glücklich. «Ich beabsichtige keinen Departementswechsel.» Sollte er als Landammann gewählt werden, möchte er als Erstes den neuen Regierungsratskollegen helfen sich einzuarbeiten und das Regierungskollegium auf einen gemeinsamen Nenner bringen. «Ich bin der Meinung, dass wir auf einem guten Weg sind. Mit Andermatt und dem Kantonsbahnhof haben wir die Perspektiven, die wir benötigen, um den ganzen Kanton vorwärts bringen zu können.» Camenzind will alles tun, damit am Kantonsbahnhof die nötigen Frequenzen erreicht werden. «Wir werden ihn an Nidwalden und Engelberg anbinden.» Er betont aber auch: «Die Regierung kann nicht alles machen.» Jeder sei gefordert, der eine gute Idee habe. Sei es, einen Kiosk auf einem Pass zu eröffnen, einen Gastrobetrieb zu starten oder sonst einer innovativen Idee zum Durchbruch zu verhelfen. «Wir sind auf alle angewiesen.»

Unsere Zeitung porträtiert alle Kandidaten für die Regierungsratswahlen vom 8. März.