Interview

«Ein Urner Sieg wäre das Schönste»

Am Sonntag werden über 10’000 Personen in und um die Schwingarena im Flüelen erwartet. OK-Präsident Franzsepp Arnold sagt im Interview, was die grössten Hürden waren, wovor man sich am meisten fürchtet und bei wem man sich Tipps geholt hat.

Interview: Florian Arnold
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Franzsepp Arnold (Bobby) ist OK-Präsident des Innerschweizerischen Schwing- und Älplerfests 2019 in Flüelen. (Bild: Florian Arnold, 2. Juni 2019)

Franzsepp Arnold (Bobby) ist OK-Präsident des Innerschweizerischen Schwing- und Älplerfests 2019 in Flüelen. (Bild: Florian Arnold, 2. Juni 2019)

Franzsepp Arnold, wann haben Sie das letzte Mal die Schwingerhosen umgeschnallt und sind in den Sägemehlring gestiegen?

So was habe ich höchstens unter Brüdern oder in einem Jugendlager gemacht. Eigentlich bin ich nicht der Schwinger.

Was verbindet Sie denn mit dem Schwingsport?

1985 fand das Innerschweizerische in Flüelen statt und unsere Firma wurde angefragt, ob wir den ersten Preis spenden würden. Weil es vor der Haustür war, haben wir mitgemacht. 1991 war ich dann bereits im OK unter Franz Steinegger. Später amtete ich bei zwei Kantonalen als OK-Präsident. Und weil das Innerschweizerische nicht so bald wieder in Flüelen stattfinden wird, sagte ich auch für dieses Amt zu.

So schlecht kann es in den Schwingerkreisen also nicht sein.

Ich habe gemerkt, dass es tolle Leute sind und es eine schöne Aufgabe ist, das OK zu führen. Alle arbeiten gern und wir haben auch einige Profis im Team. Das war die Voraussetzung.

«Auf die Schwinger kann man sich einfach verlassen.»

Über die Jahre sind aber auch die Kommunikationsmöglichkeiten einfacher geworden.

Die Fronarbeit ist geblieben. Wer erhält eigentlich den Gewinn?

Budgetiert ist eine schwarze Null. Wenn wir aber was verdienen, dann werden auf jeden Fall auch die Helfer etwas davon haben – respektive die Vereine, für die sie arbeiten. Für diese soll es pro Stunde einen Fünfliber geben. Glücklicherweise können wir auf sehr viele Helfer zählen. Weil das Wetter gut war, konnten wir sogar einige nach Hause schicken, die beim Aufbau mitgeholfen hätten. Toll ist auch die Unterstützung des Zivilschutz.

Infos zu Tickets, Jassturnier und zur Anreise ans Isaf

(MZ) Der Vorverkauf für das Innerschweizer Schwing- und Älplerfest (Isaf) ist abgeschlossen. Kurzentschlossene haben aber noch Gelegenheit, in Flüelen live dabei zu sein. Am Freitag von 18 bis 22 Uhr, am Samstag von 14 bis 20 Uhr und allenfalls am Sonntag ab 6 Uhr kann man noch Tickets sämtlicher Kategorien kaufen. Es handelt sich dabei hauptsächlich um Resttickets sowie um Stehplätze. Diese sind im Schwingerdörfli neben der Urnersee-Arena erhältlich. Das Schwingfest wird auch live auf SRF (SRF Sport App oder Livestream online) und Tele 1 zu sehen sein. Radio Central berichtet ebenfalls live.
Das Schwingerdörfli öffnet am Freitag um 14 Uhr, am Samstag um 11 Uhr und am Sonntag um 6 Uhr. Die grosse Party steigt am Freitagabend. Der Eintritt zu den drei Konzerten ist frei. Es spielen Kind of a Mate um 19.45 Uhr, John Doe Band um 20.45 Uhr und Franz Arnolds Wiudä Bärg um 22 Uhr. Am Samstag ist abwechslungsreiche Ländlermusik zu hören. Ab 12 Uhr gibt es ein Jassturnier, bei dem um viele Preise gespielt wird. Eine Voranmeldung wird empfohlen.
Das OK empfiehlt, mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder dem Velo ans ISAF zu reisen. Der Bahnhof Flüelen befindet sich in unmittelbarer Nähe zum Festgelände. Wer mit dem Auto anreist, für den sind die Zufahrten zum Festort und zu den Parkplätzen ab der Autobahn A2 respektive von der Axenstrasse A4 signalisiert.

Welches war die grösste Herausforderung?

Diesmal mit Sicherheit die Hitze. Und wir müssen die ganze Infrastruktur auf der Wiese aufbauen. Das bedeutet, dass wir den Boden einkoffern mussten. Nicht zu unterschätzen ist auch der Aufwand, um die Helfer beim Aufbau zu verpflegen. Aber mit zuverlässigen Leuten klappt auch das. Einige waren sogar bereit, Ferien zu opfern.

Was kann jetzt noch schief laufen?

An den Worst Case muss man immer denken. Dafür haben wir aber einen Krisenstab. Das Wetter kann einem immer einen Strich durch die Rechnung machen. 1991 haben wir es erlebt, dass die Tribüne durch ein Gewitter zusammenstürzte. Und den Altdorfern wurde vor ein paar Jahre der Föhn zum Verhängnis. Glücklicherweise können wir von gutem Wetter ausgehen. Bleibt zu hoffen, dass der Tag ohne Unfall verläuft.

Drei Jahre lang haben Sie sich vorbereitet. Wie fest schielt man da auf andere Clubs?

Man besucht einander und lässt sich beraten. Wir haben uns zum Beispiel mit den Verantwortlichen des Innerschweizerischen in Ruswil getroffen. Dort sassen wir mit den einzelnen Ressorts zusammen. Sehr nützlich sind vor allem die Schlussberichte der Feste, die auch Verbesserungsvorschläge enthalten. Die Schwingfeste sind alle super dokumentiert. Uns werden dann wiederum die Schwyzer über die Schulter schauen.

Die Feste sind sehr gross. Ist das Gigantismus?

Man könnte das Fest noch viel grösser machen und würde die Billette immer noch wegbringen. Wir haben uns aber nach Ruswil für ein etwas kleineres Mass entschlossen. Unsere Arena enthält etwas weniger als 9000 Plätze. Auch der Verband sieht es gerne, wenn man sich an ein gesundes Mass hält.

Wie erklären Sie sich diesen Boom?

Der Schwingsport an sich ist beliebt. Man weiss, dass die Stimmung sehr friedlich ist und auch das Volkstümliche zieht. Das Bodenständige macht die Schweiz schliesslich aus. Man kann sich an so einem Fest günstig vergnügen. Und die Jungen holt man mit Programmen wie etwa am Freitagabend ab. Aber es gibt auch auffällig viele junge Schwingerfans, etwa Mädchen, die jeden Schwinger mit Namen und Zivilstand kennen.

Kein Wunder also, dass man sich mittlerweile über die TV-Übertragungsrechte streitet.

Als Streit würde ich es nicht bezeichnen. Wir haben nun eine gute Lösung gefunden. Das Schweizer Fernsehen macht die Bilder und das Lokalfernsehen Tele 1 kann das Signal übernehmen. Für uns ist das eine effiziente Variante. Der erste Gang und der Schlussgang werden live im Schweizer Fernsehen zu sehen sein. Ein Nachteil könnte höchstens sein, dass niemand mehr selber an ein Schwingfest gehen muss.

Diese Angst ist wohl unbegründet. Eher fürchten müssen Sie sich, dass das Bier nicht ausgeht.

Fürs Essen und Trinken haben wir absolute Profis am Werk. Mit Dani Kaufmann haben wir einen erfahrenen Festwirt, der nicht aus der Ruhe zu bringen ist, da er für alle Fälle vorgesorgt hat. Die Lieferanten stehen bereit und wir haben grosse Reserven.

Zum sportlichen Teil: Wer ist Ihr Topfavorit?

Das Aufgebot ist mit Namen wie Orlik und Reichmuth sehr stark. Aber ich hoffe natürlich auf einen Urner, ob er nun Imhof, Herger oder Arnold heisst. Das wäre für das OK das absolut Schönste.

Und welche Promis darf man neben dem Sägemehl erwarten?

Neben sicher einigen Schwingerlegenden wird auch der Andermatter Bernhard Russi anwesend sein und vielleicht schaut auch Samih Sawiris vorbei, schliesslich hat er einen Preis gespendet.

Als OK-Präsident werden Sie nicht viel Zeit zum Geniessen haben. Wie sieht ihr Tagesablauf auf?

Um 5 Uhr muss ich auf Platz sein. Wegen der vielen Termine habe ich sogar eine Helferin zur Seite, die mich praktisch im Halbstundentakt von Station zu Station führen wird. Offizieller Schluss ist um 22 Uhr, da bereits am Sonntagabend mit dem Abrüsten begonnen wird.

Und wann wird man vom ganzen Fest nichts mehr sehen?

Das sollte am Donnerstag der Fall sein. Wenn 60 Zivilschützer am Montagmorgen bereit sein werden, geht das zackig.

Das Präsidium des OK ist auch ein Ehrenamt. Worauf freuen Sie sich am meisten?

Dass es hoffentlich einen guten, unfallfreien Anlass gibt. Ich erhoffe mir eine tolle Party mit gutem Schwingsport. Die Atmosphäre ist toll. Man sieht viele Leute, die man kennt. Nicht zuletzt geniesst die Gemeinde Flüelen eine spezielle Aufmerksamkeit und Publizität durch das Fest. Da bin ich gerne bereit, meinen Beitrag zu leisten.

Weitere Infos unter: www.isaf2019.ch