Bundesfeier in Flüelen und Altdorf mit viel Temperament

Mit dem Feuerwerk in Flüelen und Gästen aus der Sonnenstube in Altdorf vermochte der Nationalfeiertag so manches Herz zu erwärmen.

Carmen Epp
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Bundesfeier in Altdorf: Mario Branda, Stadtpräsident von Bellinzona, bei seiner Ansprache. (Bild: Carmen Epp, Altdorf, 1. August 2019)
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Sogar royale Gäste waren auszumachen. (Bild: Carmen Epp, Altdorf, 1. August 2019)
Die eigentlichen Stars an der Bundesfeier in Altdorf waren die Sängerinnen und Sänger des Kinderchors «Filling the Music» aus Bellinzona. (Bild: Carmen Epp, Altdorf, 1. August 2019)
Der Kinderchor «Filling the Music» sang mit vollem Körpereinsatz, ... (Bild: Carmen Epp, Altdorf, 1. August 2019)
... einer gehörigen Portion Gefühl ... (Bild: Carmen Epp, Altdorf, 1. August 2019)
... und ganz viel Innbrunst. (Bild: Carmen Epp, Altdorf, 1. August 2019)
Die Gäste aus dem Tessin verwandelten den Winkelplatz in ein zweites Bellinzona. (Bild: Carmen Epp, Altdorf, 1. August 2019)
Dürfen im «Exil-Bellinzona» natürlich nicht fehlen: Weintrauben. (Bild: Carmen Epp, Altdorf, 1. August 2019)
Auch ein mittelalterliches Burgen-Flair war auszumachen, wie etwa bei der Herstellung von Chips wie anno dazumal. (Bild: Carmen Epp, Altdorf, 1. August 2019)
Die Kinder konnten sich mit altertümlichen Spielen begnügen... (Bild: Carmen Epp, Altdorf, 1. August 2019)
... oder bei «Das grosse Krabbeln» auf ihren Lieblingskäfer setzen. (Bild: Carmen Epp, Altdorf, 1. August 2019)
Beim «Mäuseroulette» musste aufs richtige Schloss gesetzt werden. (Bild: Carmen Epp, Altdorf, 1. August 2019)
Da lassen sich auch ein Burgkönig und sein Fräulein nicht zweimal bitten. (Bild: Carmen Epp, Altdorf, 1. August 2019)

Bundesfeier in Altdorf: Mario Branda, Stadtpräsident von Bellinzona, bei seiner Ansprache. (Bild: Carmen Epp, Altdorf, 1. August 2019)

Nachdem es im vergangenen Jahr wegen der Waldbrandgefahr strikt verboten war, durften die Urner heuer wieder selber Feuerwerk zünden. Den ganz grossen Knall liessen sich viele dann aber trotzdem nicht nehmen – und richteten ihre Augen am 31. Juli, 22.30 Uhr, gespannt zum Urnersee.

Dort hatte der Verein Tortuga Flüelen wie bereits in den vergangenen Jahren ein Feuerwerk organisiert, das sich sehen lassen konnte und sämtliche Raketen und Zuckerstöcke der privaten Hobby-Pyrotechniker in den Schatten stellte. Während mehrerer Minuten schossen unzählige Raketen vom Nauen auf dem See in die Höhe, um den Himmel über dem Urnersee in bunte Farben zu tauchen.

Das Feuerwerk über Flüelen. (Bild: Valentin Luthiger, Seelisberg, 31. Juli 2019)
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Das Feuerwerk über Flüelen. (Bild: Valentin Luthiger, Seelisberg, 31. Juli 2019)
Das Feuerwerk über Flüelen. (Bild: Valentin Luthiger, Seelisberg, 31. Juli 2019)
Das Feuerwerk über Flüelen. (Bild: Valentin Luthiger, Seelisberg, 31. Juli 2019)

Das Feuerwerk über Flüelen. (Bild: Valentin Luthiger, Seelisberg, 31. Juli 2019)

Urner und Tessiner Hauptort finden Gemeinsamkeiten

Gestern wurde in den Urner Gemeinden der 1. August gefeiert. Zur grössten Bundesfeier in Uri neben jener auf dem Rütli (siehe Seite 27) lud Altdorf ein. Der Urner Hauptort feierte traditionsgemäss mit einer Gastgemeinde – diesmal Bellinzona. Urs Kälin, Gemeindepräsident von Altdorf, strich bei seiner Begrüssung an der offiziellen Bundesfeier auf dem Rathausplatz die Gemeinsamkeiten hervor, die den Urner mit dem Tessiner Hauptort verbinden, wie etwa die geografische Lage am See sowie die Rolle in der Geschichte des Transitverkehrs in den Alpen. «Nachdem stets ein reger Austausch zwischen Altdorf und Bellinzona herrschte, ist der Kontakt in den letzten 200 Jahren weniger geworden», gab Kälin zu bedenken. «Dank der Neat und dem Gotthard-Basistunnel kommen sich die beiden Gemeinden aber wieder näher. Das wollen wir mit dem heutigen Tag feiern und vertiefen.»

Mario Branda, Stadtpräsident Bellinzona. (Bild: Carmen Epp, Altdorf, 1. August 2019)

Mario Branda, Stadtpräsident Bellinzona. (Bild: Carmen Epp, Altdorf, 1. August 2019)

Diese wiedergewonnene Nähe zwischen den beiden Hauptorten betonte auch Mario Branda, Stadtpräsident von Bellinzona, in seiner Festansprache. «Noch vor ein paar Jahren hat es Stunden gedauert, um von Bellinzona nach Altdorf zu gelangen, noch früher gar Tage», erinnerte er sich. «Und heute waren wir in gerade mal 37 Minuten hier.» Branda lud die zahlreichen auf dem Rathausplatz versammelten Urner ein, auch mal den Weg nach Bellinzona einzuschlagen. Dort würden sie sehr schnell merken, wie stark die Stadt mit dem Kanton Uri verbunden ist. So erinnere ein Uristier im Innenhof des Rathauses in Bellinzona an die jahrhundertelange Herrschaft der Urkantone, und nicht zuletzt trage eine der zum Unesco-Weltkulturerbe zählenden Burgen den Namen Uri.

Kinderchor stiehlt allen die Show

Durch die gemeinsamen Geschichten, wie sie eben auch Altdorf und Bellinzona beziehungsweise Uri und das Tessin teilen, sei die Schweiz zu dem geworden, was sie heute ist. «Und so können wir am 1. August einen Bundesstaat feiern, nicht bloss einen Staatenbund.» Branda hob auch die Mehrsprachigkeit des Landes hervor und die Wichtigkeit von Migration für die Vielfalt der Schweiz.

Während der offiziellen Bundesfeier brannte die Sonne auf das Publikum auf dem Rathausplatz, Schattenplätze waren rar. Dass die zahlreichen Zuhörer trotzdem ausharrten, dürfte nicht nur mit den Reden von Urs Kälin und Mario Branda zu tun gehabt haben, sondern mit dem Rahmenprogramm, das zum eigentlichen Highlight der Feier wurde: der Auftritt des Kinderchors «Filling the Music» aus Bellinzona. Mit viel Inbrunst, grosser Singfreude und noch mehr Temperament sangen die Kinder englische und italienische Lieder. Als der Chor nach Mario Brandas Festrede «We Are The World» von Michael Jackson sang und dabei Mädchen und Jungen all ihre Gefühle in ihre Soloeinlagen legten, gab es sogar spontanen Applaus vom Publikum.

Wer da noch nicht genug hatte von den Gästen aus Bellinzona, wurde auf dem Winkelplatz fündig, den die Gäste für die Bundesfeier zu einer zweiten Sonnenstube verwandelten. Ein Tessiner Festmenu wurde serviert, an Marktständen weitere Spezialitäten feilgeboten, und sogar das mittelalterliche Bellinzona war zugegen. An einem Stand grillierte ein graubärtiger Mann mit weisser Kapuze Chips mit Eisen, während man nebenan bei mittelalterlich gekleideten Marktfahrern auf schnelle Kakerlaken oder findige Mäuse wetten konnte.