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«Eine lässige, schwere Linie»

2011 stand Dani Arnold in den Schlagzeilen, als er die Eigernordwand in einer neuen Rekordzeit durchstieg. Dieses Frühjahr eröffnete er mit David Lama im Alpinstil in nur zwei Tagen eine Route am 3150 Meter hohen Moose's Tooth in Alaska.
Tiefblick aus der Route «Bird of Prey» in der Ostwand des Moose's Tooth auf den Buckskin Glacier. (Bild: Dani Arnold / Visualimpact)

Tiefblick aus der Route «Bird of Prey» in der Ostwand des Moose's Tooth auf den Buckskin Glacier. (Bild: Dani Arnold / Visualimpact)

Interview: Karin Steinbach Tarnutzer

Dani Arnold, wie kam es dazu, dass Sie in Alaska mit David Lama kletterten? Seit er 2012 erstmals die Südostkante des Cerro Torre frei beging, gilt der Österreicher als einer der vielversprechendsten jungen Alpinisten weltweit.

David und ich waren schon Ende Januar 2013 gemeinsam unterwegs, in Patagonien. Leider war das Wetter diesmal so schlecht, dass wir überhaupt nichts unternehmen konnten. Wir hatten die Überschreitung des Fitz Roy vorgehabt. Danach dachten wir uns: Das kann es nicht gewesen sein, bei all dem Aufwand und den Kosten. Noch in Patagonien vereinbarten wir, zusammen nach Alaska zu fahren. Das lief dann alles sehr kurzfristig.

David Lama als der Spezialist im Fels, Sie als der Spezialist im Eis – hat sich da die ideale Kombination gebildet?

Ja, diese Kombination hat sich wirklich bewährt. Wir kennen uns schon länger, weil wir beide mit demselben Sponsor zusammenarbeiten. Wir treffen uns mehrmals im Jahr zu Meetings.

Haben Sie sich am Moose's Tooth dann Seillänge für Seillänge überlegt, wer jeweils in welchem Gelände vorsteigt?

Wir haben das ein bisschen unter uns aufgeteilt, ja. Schliesslich war es so, dass David die technische Kletterei im Fels vorstieg, während ich das meiste im Eis übernahm. Schwere Felslängen in dem Sinn gab es nicht, weil wir, sobald es schwierig wurde, sowieso technisch klettern mussten, sonst hätte die Begehung viel zu lang gedauert. Ich hatte dadurch oft etwas heikles Gelände, in dem man viel putzen musste, loses Gestein und morsches Eis. Die grössten Herausforderungen waren das dünne Eis und die schlechten Sicherungsmöglichkeiten, und das in sehr ausgesetztem Gelände.

War es denn zu kalt, um frei zu klettern?

Vor allem die Zeit war das Problem. Da die Route keine von unten bis oben zusammenhängende Linie ergab, mussten wir oft technisch klettern, um in einen anderen Riss zu wechseln, damit wir überhaupt weiterkamen. In freier Kletterei wäre das nicht mehr möglich gewesen, wir mussten pendeln, als Mittel zum Zweck. Unsere Idee war nicht, eine schwierige Freikletterroute zu begehen, sondern eine lässige Linie an diesem Berg zu realisieren. Und eine schwere – ich bin nicht sicher, ob die Route so schnell wiederholt werden wird.

Ihre Bewertung lautet 6a, M7+, 90 Grad, A2. Ist das untertrieben?

Vermutlich ist die Route deutlich schwerer. Aber besser etwas untertreiben als übertreiben. Festlegen lässt sich eine Bewertung sowieso erst, wenn ein Wiederholer sie bestätigt hat.

Haben Sie die Routenführung anhand eines Wandfotos gewählt?

Da wir beide die Region nicht kannten, recherchierten wir viel im Internet. Zwei Gebiete erwiesen sich als möglich: der Buckskin Glacier, für den wir uns schliesslich entschieden, oder die Ruth Gorge, die wäre gerade auf der anderen Seite gewesen, näher am Denali. Als ich im Internet ein Bild des Moose's Tooth sah, war die Wahl relativ schnell getroffen, er ist einfach ein wunderschöner Felszahn. Wenn man auf dem Gletscher stand und sich um 360 Grad drehte, musste man zugeben: Das war mit Abstand die beste Wand, 1500 Meter hoch, fast wie die Eigernordwand. Deshalb gingen wir dorthin. Wie sich herausstellte, gab es rechts und links in der Wand klassische Routen, durch die Kamine und das Couloir, aber im ganzen Gipfelbereich gab es noch nichts. Das war für uns ausschlaggebend.

Eine 1500 Meter hohe Wand in zwei Tagen, auf einer neuen Route?

Ja. Den ganzen ersten Teil, etwa ein Drittel der Wandhöhe, kletterten wir solo, das war relativ einfach. Dann wurde es auf einen Schlag gleich ziemlich schwierig und steil. Biwakiert haben wir etwa nach zwei Dritteln der Wand. Wir kletterten zwei Tage, am zweiten Tag erreichten wir etwa um 18 Uhr den Gipfel und seilten dann noch in der Nacht ab, erst am anderen Morgen waren wir wieder unten. Wir wollten nicht noch einmal biwakieren, weil ein Wetterumschlag angekündigt war. Ausschlaggebend für diese Route war weder die Schwierigkeit noch der Berg, er ist eher unbekannt. Der Grund war wirklich die Linie. Und auch die Kälte war eine Herausforderung.

Ist es das, was das Bergsteigen in Alaska charakterisiert, die Kälte?

Ja, und fast noch mehr die Weite. Man nimmt bald einmal das Flugzeug, weil das Land einfach zu gross ist, um zu laufen. Die Dimensionen sind, verglichen mit den Alpen, krass. Als wir den Gipfel erreicht hatten, waren da nur Berge, so weit man sehen konnte, und alle waren gleich hoch, bis auf einen markanten dahinter – der Denali ist noch einmal 1500 Meter höher als alle anderen.

Was fasziniert Sie am Eis?

Eis ist etwas Fremdes. Man hat immer das Gefühl, es ist so hart und glatt, aber sobald man richtige Eisgeräte in der Hand hat, erkennt man: Das ist eigentlich eine tolle Masse, mit der man sehr gut arbeiten kann. Mit ganz wenig davon kann man schon viel anfangen.

Wie kam es dazu, dass Sie als Athlet gesponsert wurden?

Ich fuhr zunächst Snowboard-Rennen in der Nationalmannschaft. Wir reisten zu Weltcup-Rennen auf der ganzen Welt. 2006 verpasste ich knapp die Qualifikation für die Winterolympiade in Turin – wir hatten nur zwei Startplätze, ich war Dritter. Das nahm ich zum Anlass, auszusteigen. Ich wurde aber während dieser Zeit schon innerhalb des Snow-Teams von Mammut unterstützt, und so konnte ich nach und nach ins Alpin-Team wechseln, zunächst mit einem kleinen Materialbudget. Das änderte sich erst nach meiner Speedbegehung der Eigernordwand. Wobei ich bereits ein Jahr zuvor, im Juli 2010, sehr schnell unterwegs war, als ich in 1 Stunde und 35 Minuten solo über den Salbit-Westgrat kletterte. Aber der Salbit ist halt nicht der Eiger . . .

Sie sind Profi-Alpinist und gleichzeitig Bergführer. Stehen sich diese beiden Tätigkeiten im Weg, oder befruchten sie sich gegenseitig?

Mir ist das Führen sehr wichtig, es macht etwa die Hälfte meiner Arbeitszeit aus. Im Profi-Business dreht sich alles nur um einen selbst; wenn ich führe, steht dagegen der Gast im Mittelpunkt, er hat ein Projekt, er hat eine Route, die er klettern möchte, einen Berg, den er besteigen will, und ich kann mich zurücknehmen. Ausserdem mache ich beim Führen viele Erfahrungen, die mir später bei meinen Projekten helfen. Und zudem bin ich immer gut über die Verhältnisse in den Alpen im Bild und kann diese Informationen nützen.

Zuletzt standen Profi-Alpinisten in der Kritik: Sie würden Bergsteiger kritisieren, die sich etwa auf den Everest führen liessen, während sie selbst sich eine goldene Nase verdienten, aber der Himalajaregion wenig Umsatz brächten.

Ich finde, wer gute Sachen macht, soll etwas daran verdienen. Er hat auch viel investiert. Aber natürlich sind wir Profi-Bergsteiger auch ein Stück weit Vorbild. Wir bewegen mit Bildern, mit Videos andere Leute dazu, etwas anzupacken, eine Herausforderung anzunehmen. Ich sehe es positiv, wenn wir den einen oder anderen dazu animieren, über seine Fähigkeiten hinauszuwachsen, ihn aber gleichzeitig auch für die Gefahren sensibilisieren.

Wie sehen Ihre Pläne aus?

Professionell würde ich gern noch etwas zulegen, aber grundsätzlich bleibt es bei der Aufteilung zwischen Führen und Profi-Bergsteigen. Auch wenn ich im Mixed-Klettern am stärksten bin: Mein Ziel ist nicht, dort noch besser zu werden, sondern in allen Bereichen des Alpinismus stark zu sein und diese Fähigkeiten zu kombinieren. In verschiedenen Disziplinen eine Route zu klettern, die wirklich am Limit ist, das ist die grosse Herausforderung für mich, nicht die Spezialisierung.

Vom Schächental bis nach Alaska

Am Anfang seiner Karriere stand der gefrorene Bach neben seinem Elternhaus, den er als Jugendlicher mit zwei herkömmlichen Eispickeln und ohne Seilsicherung hinaufkletterte. Inzwischen gilt der 1984 geborene und auf 1700 Meter Höhe im Urner Schächental aufgewachsene Dani Arnold als ausgewiesener Steileisspezialist. In der alpinen Szene ist er vor allem für seine Begehungen anspruchsvoller Mixed-Routen – wo sich Felspassagen und Eisglasuren abwechseln – bekannt. So gelang ihm im Januar 2012 im Eiskletter-Mekka Schottland mit der vierten Begehung von «The Hurting» als erstem Nicht-Briten eine traditionell abzusichernde Route im derzeit höchsten Schwierigkeitsgrad der schottischen Skala. Ein Jahr zuvor war die Öffentlichkeit auf ihn aufmerksam geworden, als er bei seiner Solobegehung der Eigernordwand mit 2 Stunden und 28 Minuten einen neuen Geschwindigkeitsrekord aufgestellt hatte.

Der Polymechaniker absolvierte die Ausbildung zum Bergführer und lebt heute in Bürglen. Seit der erfolgreichen ersten Winterbesteigung des Torre Egger in Patagonien gemeinsam mit Stephan Siegrist und Thomas Senf im Jahr 2010 ist er zunehmend auch als Profi-Alpinist tätig. Im Januar 2013 kletterte er an einem Tag drei Meilensteine des Eiskletterns an der Berner Oberländer Breitwangflue hintereinander: die Routen «Crack Baby», «Flying Circus» und «Mach 3», insgesamt 20 Seillängen in Eis und Mixed-Gelände. In nur 48 Stunden eröffnete er im April 2013 zusammen mit dem 1990 geborenen Österreicher David Lama in der Ostwand des Moose's Tooth in Alaska die Neutour «Bird of Prey». Die Erstbegehung des «Raubvogels» wirft ein Schlaglicht darauf, was die junge Generation von Alpinisten sowohl in klettertechnischer als auch in mentaler Hinsicht zu leisten vermag.

«Mein Ziel ist, in allen Bereichen des Alpinismus stark zu sein.» Dani Arnold, Profi-Alpinist, Bergführer. (Bild: PD)

«Mein Ziel ist, in allen Bereichen des Alpinismus stark zu sein.» Dani Arnold, Profi-Alpinist, Bergführer. (Bild: PD)

Bild: NZZ

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