«Eine Uni für die ganze Zentralschweiz»: Luzerner Professoren feiern in Altdorf

Die Universität Luzern hat ihren akademischen Feiertag in Altdorf abgehalten. Fünf Personen wurden zu Ehrendoktoren ernannt.

Urs Hanhart
Drucken
Teilen
Professorin Regina E. Aebi-Müller referierte über die Triage auf Intensivstationen.

Professorin Regina E. Aebi-Müller referierte über die Triage auf Intensivstationen.

Bild: Urs Hanhart (Altdorf, 5. November 2020)

In Altdorf hat die Universität Luzern ihren akademischen Feiertag, den sogenannten Dies Academicus, abgehalten. Allerdings ging der Anlass vom Donnerstag im Theater Uri coronabedingt in einem etwas speziellen Rahmen über die Bühne. Zugelassen waren lediglich 50 Personen. Zudem mussten die Anwesenden grosse Abstände einhalten und eine Maske tragen. Für Interessierte, die nicht vor Ort sein konnten, wurde der durch die Formation «Simone Felbers iheimisch» musikalisch umrahmte, fast dreistündige Event als Livestream übertragen.

Ursprünglich hätte Bundesrat Ignazio Cassis als Festredner auftreten sollen. Allerdings musste der Aussenminister seinen Auftritt absagen, weil die Landesregierung aufgrund der Pandemie momentan keine solchen Einladungen wahrnimmt. Immerhin hat Cassis aber bereits zugesagt, am nächstjährigen Dies Academicus die Festansprache zu halten.

Ehrendoktoren aus diversen Erdteilen

Für den Magistraten sprang kurzfristig Regina E. Aebi-Müller, Prorektorin an der Universität Luzern, in die Bresche. Sie referierte über das Thema «Triage auf Intensivstationen», das durch Corona an Aktualität gewonnen hat. Zu den massgeblichen Kriterien sagte sie: «Die Erfolgsaussichten einer Behandlung dürfen bei der Bevorzugung von Patienten entscheidend sein, ja sie müssen sogar entscheidend sein.» Zufallsentscheide per Los seien schlicht menschenunwürdig. «Wir alle wünschen uns aber, dass Triage in der Schweiz nicht Realität werden muss, und dass wir die Pandemie noch vorher in den Griff bekommen.»

Im Zentrum der Feier stand die Verleihung von fünf Ehrendoktortiteln und die Ernennung einer Ehrensenatorin der Universität Luzern. Zu Letzterem wurde Brigitte Mürner-Gilli erkoren. Die ehemalige Regierungsrätin und Bildungsdirektorin des Kantons Luzern (1987 bis 1999) erhielt diesen Titel als Dank und Anerkennung für ihre hohen Verdienste um die Universität Luzern, die heuer ihr 20-jähriges Bestehen feiert.

Die Ehrendoktorwürde zugesprochen erhielten fünf Persönlichkeiten, die allesamt aussergewöhnliche Leistungen auf ihrem Spezialgebiet erbracht haben. Namentlich handelt es sich um Mussie Zerai, Diözesanpriester der Eparchie von Asmara-Eritrea und Gründer der Institution Habeshia, Ursula Wolf, Seniorprofessorin für Philosophie an der Uni Mannheim, Thomas Cottier, emeritierter Professor für Europa- und Wirtschaftsvölkerrecht an der Uni Bern, Ingrid Fulmer, Professorin für Human Resource Management an der School of Management and Labor Relations in Rutgers, und Jerome Bickenbach, Professor für Disability Studies, Bioethik und Rechtsphilosophie an der Queens University im kanadischen Kingston. Persönlich zugegen waren am Donnerstag aber nur Zerai, Cottier und Bickenbach. Die beiden Professorinnen mussten sich entschuldigen, weil sie aufgrund der Bestimmungen im Rahmen der Coronapandemie nicht anreisen konnten.

Am Festakt erfolgte auch die Verleihung des CS-Awards in der Kategorie «Best Teaching» – also bestes Lehren. Dieser ging an Assistenzprofessor Stefan Mäder. Über die Dissertationspreise des Universitätsvereins durften sich die Doktoranden Andri Tuor (Theologische Fakultät), Nathalie Gasser (Kultur- und Sozialwissenschaftliche Fakultät) und Filippo Contarini (Rechtswissenschaftliche Fakultät) freuen. Erstmals überhaupt wurde am Donnerstag auch die Auszeichnung einer Alumna und eines Alumnus des Jahres vorgenommen, wobei die Schriftstellerin Dorothee Elmiger und Adrian Derungs, Direktor der Industrie- und Handelskammer Zentralschweiz (IHZ), in dieser neuen Kategorie obenauf schwangen.

Von 250 auf 3500 Studenten angewachsen

In seinem Schlusswort unterstrich der Luzerner Regierungsrat Marcel Schwerzmann die wichtige Bedeutung der Universität Luzern. Diese hat sich innerhalb von zwei Jahrzehnten von 250 auf 3500 Studierende vergrössert. Schwerzmann sagte: «An der Universität Luzern bewegt sich etwas.» Sie suche sich ihre Position in der Bildungslandschaft der Schweiz aktiv und festigt diese. «Unsere Uni verstehe ich nicht nur als Universität für Luzern, sondern auch sehr gerne als Universität für die Zentralschweiz. Die Vernetzung in der Zentralschweiz ist mir wichtig.» Einerseits bilde man Fachkräfte und Wissenschaftler für die Zentralschweiz aus, anderseits besuchten zahlreiche Menschen aus der Zentralschweiz das Aus- und Weiterbildungsangebot. Schwerzmann sagte: «Das ist eine Zusammenarbeit, die allen dient. Die Universität ist für weitere Kooperationen und Vermittlungen offen, ja will solche sogar aktiv suchen.»